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Villa Rathenau

Obj.-Dok.-Nr.: 09046522
Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil: Grunewald
Strasse: Koenigsallee
Hausnummer: 65
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Villa
Datierung: 1910
Entwurf: Rathenau, Walther (Ingenieur)
Entwurf: Kraaz, Johannes (Architekt)
Bauherr: Rathenau, Walther (Ingenieur)
Ausführung: Actiengesellschaft für Bauausführungen

Zu den prominentesten Bauten der ehemaligen Kolonie gehört das Landhaus Rathenau in der Koenigsallee 65. Seinen Ruhm verdankt es weniger seiner Architektur als seinem Bauherrn, dem Großindustriellen und späteren deutschen Außenminister Walter Rathenau, der hier bis zu seiner Ermordung 1922 lebte. Rathenau selbst gilt, von seinem Werksarchitekten Johannes Kraaz assistiert, auch als Architekt des "Junggesellenhauses". (301) Das Bauwerk steht auf einem relativ klein bemessenen Grundstück, tritt aber dennoch etwas hinter die Fluchtlinie zurück, um durch Vorgarten und gußeiserne Schmuckeinfriedung, die noch Schinkel und seiner Nachfolge verpflichtet ist, eine Steigerung zu erfahren. Als zweigeschossiger, von einem hohen Walmdach abgeschlossener Putzbau ist es mit seiner symmetrischen Hauptfassade von konservativer, eleganter Erscheinung. Inspiriert von seinem kurz zuvor erworbenen, durch David Gilly errichteten märkischen Landsitz bei Freienwalde lehnte sich Rathenau an die Baukunst "Um 1800" an, die durch Paul Mebes zwei Jahre zuvor in einer vielbeachteten Beispielsammlung vorgestellt worden war. (302)

Dafür sprechen vor allem die klare Disposition der Fassaden, die einfachen unverdachten Fenster, der sparsame Baudekor und die Kombination von Rechteck- und Rundformen. Letztere beschränken sich auf das auffallend kleine Hauptportal, das Fenster im Dachgiebel und die Tondi neben dem "dorischen" Fenster des Obergeschosses. Das wichtigste Schmuckdetail stellt das breite, den gesamten Bau umlaufende Geschoßgesims mit seinem mäanderartig verschlungenen Rankenwerk dar. Die klare äußere Gestaltung fand in der Grundrißdisposition ihre Entsprechung. Bemerkenswert ist vor allem, daß der Saal als repräsentativster Gesellschaftsraum in das Obergeschoß verlegt wurde. An der südlichen Schmalseite deutet ein segmentförmig ausschwingender Erker den Rang dieses Raumes an. Die Ausstattung des Hauses mit Paneelen, Wandmalereien, Stuckarbeiten, zum Teil gewölbten Decken etc. zeugen von einem Reichtum, den die Außenarchitektur nur sehr bedingt andeutet. (303)


301) Osborn nennt Rathenau als Entwerfenden, Kraaz nur als Bauausführenden; vgl.: Max Osborn, Das Haus Walther Rathenau in Berlin-Grunewald, in: Moderne Bauformen 11 (1912), S. 465-67, Taf. 87f.; weitere Lit.: BusB IV C (vgl. Anm. 113), Obj. 1565.

302) Paul Mebes (1872-1938), seit 1911 mit Paul Emmerich assoziiert. Erbauer zahlreicher Berliner Siedlungen und öffentlicher Bauten, u. a. des Nordsternhauses in Schöneberg. Lit.: E. Meyer, Paul Mebes, Berlin 1972.

303) Erste geringe Umgestaltungen im Innern durch A. Breslauer 1934; ab 1963 Umnutzung in ein Bürohaus; Teile der ehemaligen Ausstattung sind erhalten.

Literatur:
  • BusB IV C 1975 / Seite Obj. 1565, S. 80
  • Berliner Innenräume 31 / Seite Obj. 160
  • Moderne Bauformen 11 (1912) / Seite 465f.
  • Topographie Wilmersdorf/Grunewald, 1993 / Seite 166ff.