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Villa Koenigsallee 20 & 20A Delbrückstraße 2

Obj.-Dok.-Nr.: 09046512
Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil: Grunewald
Strasse: Koenigsallee
Hausnummer: 20 & 20A
Strasse: Delbrückstraße
Hausnummer: 2
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Villa
Datierung: 1912-1919
Umbau: 1984
Entwurf & Bauherr: Walther, Wilhelm
Ausführung: Held und Francke

Am westlichen Ende der Delbrückstraße auf dem Eckgrundstück zwischen Stichkanal und Koenigsallee beansprucht eine fast gigantomane Villenanlage das größte Interesse. Der Architekt Wilhelm Walther, ein Hauptvertreter des Eklektizismus, der vornehmlich durch Berliner Versicherungspaläste, Industriebauten und Mietvillen bekannt wurde, aber auch im Grunewalder Baugeschäft engagiert war, errichtete mit seiner Villa ein Lehrstück seiner Architekturauffassung - städtebaulich wie künstlerisch. (188) Die Villa, die nach langem ruinösem Leerstand 1985 teils nachteilig erweitert, teils vorbildlich restauriert wurde, nutzt den prominenten Grunewalder Bauplatz im hochaufragenden Südwestturm, der einen deutlichen Akzent in die leicht nach Westen ausschwingende Koenigsallee setzt, während sie sich zum Herthasee mit einer reich dekorierten Rückfront richtet.

Auch die um 1912 entstandene Gartenanlage dürfte von Wilhelm Walther stammen. Innerhalb des Gartens sind starke Höhenunterschiede durch steile Böschungen aufgefangen, so daß stets ebene Flächen entstanden, die zumeist in formaler Weise gestaltet wurden. Insgesamt scheint dieser Garten die Funktion zu haben, als umrahmendes Grün zu dienen. Reicher plastischer Schmuck, z. B. eine hohe Bildsäule unterhalb des Terrassenbereichs, wurde hier zur Kompensation mangelnder Gartenfläche eingesetzt. Im Zuge der Wiederherstellung der Villa wurde auch der Garten instandgesetzt. Die baufällige Gartenhalle und das Gewächshaus konnten nicht erneuert werden. Als Teil des Uferwanderweges ist der Garten heute für die Öffentlichkeit partiell zugänglich.

Mit dem in Sichtweite am Nordostufer des Sees gelegenen Bankierssitz, dem älteren Mendelssohn-Palais, verband die Villa Walther der Repräsentationsanspruch. Aber während der Mendelssohn-Komplex trotz enormer Ausmaße eine zurückhaltend vornehme Architekturauffassung vorträgt, greifen in der Villa Walther die aufragenden Baumassen, die dominierenden Bauglieder, die kaum steigerbare Anhäufung von eklektischem Baudekor einschließlich der hohen Einfriedung mit stärkster Wirkung in das Straßenbild ein. Die Villa verbindet die Grundform des Landhauses mit Turm- und Risalitbauten unterschiedlichster Provenienz. Sie repräsentiert die für Wilhelm Walther charakteristische Richtung einer expressiven, "überladenen", dafür aber handwerklich ausgewiesenen Architektur, wie sie - allerdings einige Jahre zuvor - in Grunewald insbesondere von Arnold Hartmann vertreten worden war.


188) Walther, bekannt geworden vornehmlich durch Berliner Versicherungspaläste und Industriebauten, geriet 1918 während der Bauzeit in Konkurs, bewohnte die an sich für eigene Bedürfnisse errichtete Villa nicht selbst. Heute dient das im Innern völlig umgestaltete Bauwerk als Dependance des in der Wallotstraße angesiedelten Wissenschaftskollegs. Lit.: BusB IV C (vgl. Anm. 113), Obj. 1569, S. 81.

Literatur:
  • BusB IV C 1975 / Seite 81, Obj. 1569
  • Topographie Wilmersdorf/Grunewald, 1993 / Seite 107f., 155