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Haus Konschewski

Obj.-Dok.-Nr.: 09046454
Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil: Grunewald
Strasse: Gottfried-von-Cramm-Weg
Hausnummer: 33 & 35 & 37
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Villa
Datierung: 1922-1924
Entwurf: Kaufmann, Oskar (Architekt)
Bauherr: Konschewski, Moritz (Generaldirektor der Papierfabrik AG Köslin)
Ausführung: M. Czarnikow und Co (Baufirma)

(...) eine (...) von der Firma Ludwig Späth, Abteilung Gartengestaltung, im Gottfried-von-Cramm-Weg 33/37 geschaffene Anlage, die trotz starken Veränderungsdrucks bis heute erhalten werden konnte. Sie ist im Zusammenhang mit dem von Oskar Kaufmann für den Generaldirektor der Papierfabrik AG Köslin, Moritz Konschewski, erbauten Gebäude in den Jahren 1922/1923 entstanden. Ob Kaufmann auf die Gestaltung der Außenanlagen Einfluß genommen hatte oder sie der Idee des Gartengestalters entstammten, ist derzeit nicht zu sagen, doch kann derartiges normalerweise nur in engem Zusammenwirken von Architekt und Gartenarchitekt entstehen. Das annähernd 9500 Quadratmeter große Grundstück liegt oberhalb des Hundekehlesees und bildet mit gut zwei Dritteln seiner Fläche einen stark geneigten Hang zu diesem. Das Haus wurde direkt auf der Böschungskante errichtet, so daß zur Straße ein geräumiger Bereich erhalten blieb, der den Charakter einer großzügigen Eingangssituation entfaltet. Zur Straße durch hohe schmiedeeiserne Einfriedung gesichert, sollte man über eine halbrunde Vorfahrt zum Hauseingang gelangen, dabei wären drei annähernd symmetrisch aufeinander ausgerichtete Rasenflächen entstanden. Da der vom Haus vorgegebene Bogen durch markierende Bäume im Garten fortgesetzt wird, ist hier eine eigentümliche Variante von Weiterführung der Hausflucht angewendet, die auf eine große Harmonie von Haus und Garten zielt. Remise, Garagen sowie Bedienstetenwohnungen sind in der östlichen Grundstücksecke errichtet, so daß zwischen ihnen und dem Wohnhaus ein großflächiger Wirtschaftshof gebildet wird, in dessen Anschluß sich ein langer schmaler Obst- und Gemüsegarten entlang des Nachbargrundstücks erstrecken sollte. Der zwischen Haus und See gelegene Hang wurde als in den Raum greifende Terrassen- und Treppenanlage gestaltet. Eine durch die Mittelachse des Hauses verlaufende, leicht gebogene Linie dient auch diesem Gartenbereich als Gestaltungsachse, an der sich alles orientiert, so daß durch jeweilige Entsprechungen beiderseits dieser Linie eine vorgetäuschte Symmetrie entsteht. Auf ihr angeordnete Aussichtspunkte wie Sonnenbad auf dem Dach, Nymphaeum oder Boots- und Badehaus betonen zwar die Axialität, bieten aber gleichzeitig Gelegenheit zur Neuorientierung der Blickrichtung. Eine Abfolge von Dachterrasse, Terrassen auf den eingeschossigen Seitenflügeln und drei sich unterhalb des Hauses lagernden Terrassenebenen sind wie Logen, Ränge und Parkett des Zuschauerraumes eines Theaters installiert. Doch was sollte hier inszeniert werden? Warum dieses großzügige, fast verschwenderische Umgehen mit der Fläche? Dies kann nur verstanden werden, wenn Hundekehlesee und darauffolgende Grunewaldlandschaft, soweit sie vom Betrachter erfaßt werden konnte, als Teil dieses Gartens gedacht waren. In diesem Fall harmoniert alles; dann sind die expressiven Dimensionen der Terrassen- und Treppenanlage konsequent, da sich vor ihnen durch die Grenzenlosigkeit des Blickes die Landschaft ausbreitet. Von wenigen Beispielen expressiver Gartenkunst in Berlin ist dieser Garten der einzig noch erhaltene.

Literatur:
  • Topographie Wilmersdorf/Grunewald, 1993 / Seite 73f., 163ff.