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Haus Vollberg

Obj.-Dok.-Nr.: 09046430
Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil: Grunewald
Strasse: Delbrückstraße
Hausnummer: 29
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Einfamilienhaus
Datierung: 1939-1940
Entwurf: Eiermann, Egon (Architekt)
Bauherr: Vollberg

Gemessen an Größe und Anspruch der Bauten am See nahm sich die gleichzeitige Bebauung an der Südseite der Delbrückstraße eher bescheiden aus. Dieser im wesentlichen von Nachkriegs- und entdekorierten Bauten der Jahrhundertwende geprägte Bereich besitzt in seinem östlichen Abschnitt gegenüber der 1902 durch Zaar & Vahl errichteten, aber stark veränderten Walther-Rathenau-Oberschule und benachbart der 1955 durch Alfons Leitl vollendeten katholischen St. Karl-Borromäus-Kirche zwei besonders beachtenswerte Einfamilienhäuser aus der nationalsozialistischen Zeit: Peter Großmann erbaute 1939/40 das Haus Richter in der Delbrückstraße 29a und Egon Eiermann 1938/39 auf dem dahinter liegenden Hammergrundstück Delbrückstraße 29 das Haus Dr. Vollberg.

Ersteres steht in überraschender Modernität und Prägnanz der Zeichnung von eingeschossigen Anbauten flankiert und von einem steilen, weitüberkragenden Walmdach abgeschlossen - eine Reminiszenz an die Bauvorstellungen der Zeit - in einem Vorgarten, zu dem, gleichsam als Kommentierung des kristallen wirkenden Hauskubus', die leicht nach außen versetzte, rund gemauerte Eingangszone führt.

Eine gänzlich andere Gesinnung liegt dem Eiermann-Bau zugrunde. Außergewöhnlich und selbstverständlich zugleich wirkt die T-förmige Flügelanlage, mit der Egon Eiermann die Begrenzung und die Unebenheit des Grundstücks zugunsten offener Wohnhöfe ausglich, die ein Höchstmaß an Luft und Sonne und eine unmittelbare Verbindung von Wohnen und Garten zuließen: Eingeschossig und vielgliedrig sind Wirtschaftsflügel, Flügel der Kinder, der Eltern, des Wohnens, großflächig durchfenstert und je mit zugehörigem Hof verknüpft. Die zeitbedingte Einsparung von Eisen und Bauholz veranlaßte zur Wahl des Welleternits als einfaches Satteldach neben gelbgrauen Klinkern, die in Raum- und Außenwänden zur Anwendung kamen. (191)

Der Garten des Hauses Vollberg wurde um 1941 nach einem Plan der Gartenarchitektin Herta Hammerbacher angelegt. Sie hatte für dieses Objekt bereits früher, wahrscheinlich zu Beginn der Planung des Gebäudes, einen Gestaltungsentwurf entwickelt, welcher ergänzt wurde, um dann zur Ausführung zu kommen. Aufgrund der Lage des Hauses auf dem Grundstück und dessen dreiflügeliger Grundform wird der Garten stark gegliedert. Auch die strenge Zuordnung einzelner Gartenteile zu bestimmten Bereichen des Hauses verstärkt diesen Eindruck. So sind Eingangshof, Wirtschaftshof, Wäscheplatz, Terrasse mit darauffolgendem Kinderspielgarten, Badehof und Wohnhof mit anschließendem großen Garten vorhanden, von denen jeder im Hause seine Entsprechung findet. Alle Gartenbereiche zeigen trotz ihrer unterschiedlichen Funktionen durch eine einheitliche, schlichte Gestaltung Zusammenhalt. Diese steht zwar durch Orientierung an Natürlichem in strengem Gegensatz zur Architektur des Gebäudes, vervollständigt aber durch diese eigene Charakteristik des Außenraumes die Gesamtanlage.


191) Vgl. Anm. 87.

Literatur:
  • Moderne Bauformen 41 (1942) / Seite 341-55
  • Bauwelt 33 (1942) / Seite 1-8
  • Rave, Knöfel/ Bauen seit 1900 / Seite Obj. 118
  • Zechlin/ Landhäuser, Tübingen 1951 / Seite 88-93
  • Topographie Wilmersdorf/Grunewald, 1993 / Seite 110
  • Schmitz, Frank: Landhäuser, Berlin 2005