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S-Bahnhof Grunewald

Obj.-Dok.-Nr.: 09046391,T
Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil: Grunewald
Strasse: Am Bahnhof Grunewald
Hausnummer: 1
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Empfangsgebäude & Bahnsteig & Tunnel

Das kleine malerische Empfangsgebäude der heutigen S-Bahnstation Grunewald hat seine heute noch weitgehend intakte Gestalt 1899 durch Karl Cornelius erhalten. Es ersetzt einen schlichteren Bau von 1884, dem Eröffnungsjahr der Personenbahn zwischen Berlin und der Kolonie. Cornelius, der für zahlreiche weitere Bahnstationen Berlins verantwortlich ist, gab dem Bau ganz im Sinne der Zeit eine dem Stil der ländlichen Villa gemäße Form. Das Empfangsgebäude wird von einer hohen, von einem Krüppelwalm abgeschlossenen Eingangshalle dominiert, dessen Stichbogenportal kräftige Hausteinglieder rahmen. Sehr dekorativ verbinden sich damit nicht nur der Fachwerkgiebel und der Turmaufsatz, sondern auch die unterschiedlich hohen Seitenflügel mit den seinerzeit benötigten Nebenräumen. (249) Wie der nördliche Laubengang zeichnet sich auch das Innere der Vorhalle durch eine qualitätvolle Holzkonstruktion mit reichem Sprengwerk aus. Von hier nimmt der lange, gelb geklinkerte Gang, der noch aus den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammt, zu den beiden Bahnsteigen seinen Ausgang.

Der Bahnhof Grunewald ist durch das finsterste Kapitel der Berliner Geschichte belastet. Neben dem Bahnhof Putlitzstraße und dem Lehrter Bahnhof wurde der Bahnhof Grunewald von den Nationalsozialisten als "Deportationsbahnhof" mißbraucht, wurden von hier zwischen Oktober 1941 und Januar 1945 Tausende Berliner Juden zum Transport in die Vernichtungslager "verladen". Über die östliche Rampe, an deren Ausgangspunkt gleich neben dem Empfangsgebäude ein von Karol Broniatowski geschaffenes eindrucksvolles Mahnmal 1991 eingeweiht wurde, führte man die Opfer in die Waggons. (250)


249) Im linken höheren Bauteil ursprünglich der Gepäck- und ein Arbeitsraum, gegenüber der Fahrkartenschalter; heute ist hier ein Backwarengeschäft. Lit.: Berlin und seine Bauten, hrsg. v. Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin, T. X, Bd. B: Anlagen und Bauten für den Verkehr, (2) Fernverkehr, Berlin 1984, S. 66f., 161f.; CdB (29) 1909, S. 418.

250) Eine weitere Gedenktafel befindet sich an einem Schuppen am oberen Ende der Rampe.

Literatur:
  • BusB X B 2 1984 / Seite 161f.
  • Topographie Wilmersdorf/Grunewald, 1993 / Seite 137f.
Teilobjekt Empfangsgebäude
Teil-Nr.: 09046391,T,001
Sachbegriff: Empfangsgebäude
Datierung: 1899
Entwurf: Cornelius, Karl
Teilobjekt Tunnel
Teil-Nr.: 09046391,T,002
Sachbegriff: Tunnel
Datierung: 1884-1885
Teilobjekt Bahnsteig 1
Teil-Nr.: 09046391,T,003
Sachbegriff: Bahnsteig
Datierung: um 1885
Teilobjekt Bahnsteig 2
Teil-Nr.: 09046391,T,004
Sachbegriff: Bahnsteig
Datierung: um 1935