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Gehwegpflasterung

Obj.-Dok.-Nr.: 09046314
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Tiergarten
Strasse: Drakestraße
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Pflaster
Datierung: 1867

Das Gehwegpflaster an der Drakestraße, zwischen Rauchstraße und Corneliusstraße, erinnert noch an die Entstehungszeit des Villenviertels südlich des Großen Tiergartens in den 1860er Jahren. Mehrere Bauherren ließen aus ihrem Repräsentationsanspruch heraus die Bürgersteige vor ihren Grundstücken mit aufwendigen Pflasterbelägen in Form von Mosaikteppichen versehen. Zu den ersten Pflastermosaiken im Berliner Straßenraum gehörten die im Herbst 1867 vor der Drakestraße 3, Ecke Rauchstraße entgegen der gültigen Polizeiverordnung verlegten vierfarbigen Rechteckteppiche. (1) Sie schmückten den Bürgersteig vor dem Grundstück der Architekten Walter Kyllmann und Adolph Heyden, die hier 1865-66 die Villa "Monplaisir" in Formen der französischen Neorenaissance errichtet und einen Ziergarten angelegt hatten. (2) Die 1870 erweiterte Villa wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Im Zuge der Zooerweiterung wurde 1985 der schon stark beschädigte Pflasterbelag aufgenommen und nach Ergänzung mit den gleichen Materialien ein Jahr später am heutigen Standort wieder hergestellt.

Die durch Basaltbänder getrennten Felder der Bürgersteigpflasterung sind als rechteckige Mosaikteppiche mit rahmenden Bändern aus weißem Marmor und Basalt ausgebildet. Ihr Pflastergrund besteht aus bräunlich-gelbem Plötzkyer Sandstein. Das Teppichzentrum schmückt ein weiß eingefasstes vierstrahliges Sternornament mit weißer Mittelscheibe aus Marmor. Die von Feld zu Feld gleichmäßig wechselnde Pflasterfüllung der Sternstrahlen besteht je zur Hälfte aus rotem Sandstein sowie aus Basalt. Der Pflasterbelag stellt eine Reminiszenz an den Dekorationswillen in der Zeit des Historismus dar, als regelmäßige Beetmuster auch auf Wege übertragen wurden.


1) Die Befestigung und Unterhaltung der Bürgersteige in Berlin oblag bis 1877 den Grundstückseigentümern. Gemäß Polizeiverordnung vom 13.10.1866 waren für die Gehwege breite Granitplattenbahnen und an den Seiten Mosaikpflaster vorgeschrieben, nur auf Antrag konnten auch Mosaikpflaster oder Asphalt in Gänze genehmigt werden. Ein mit dem Pflaster der Drakestraße 3 identisches von 1867 befand sich auf dem Gehweg vor der Rauchstraße 16, ein ähnliches, ebenfalls nicht erhaltenes Pflaster von 1873 vor dem Grundstück Rauchstraße 19. Seit 1825 sind im Schlossgarten von Klein-Glienicke Pflastermosaike in Verbindung mit Bauwerken oder als Wege- und Platzbelag nachgewiesen. Vgl. hierzu: Wimmer, Clemens Alexander, Pflastermosaike in Berlin (W), Berlin 1982, S., 9-14, 25, 43.

2) Architektur Berlins. Sammlung hervorragender Bauausführungen der letzten Jahre, hrsg. v. Hugo Licht, Berlin 1882, Bl. 5,6. Berlin und Potsdam, Architekturphotographien 1872-1875, hrsg. v. Janos Frecot, München 1980, Abb. 23, 24. BusB 1877, Erster Teil, S.430 f.; Wirth 1955, S. 172.

Literatur:
  • Berlin und Potsdam. Architekturphotographien, 1980 / Seite 24
  • BusB IX 1971 / Seite 161
  • BusB I/II 1877 / Seite 430f.
  • Licht, H., Die Architektur Berlins, 100 Tafeln, Berlin 1882 / Seite 2
  • Inventar Tiergarten, 1955 / Seite 75 & 172
  • Wimmer, Clemens Alexander, Pflastermosaike in Berlin, Berlin 1982Topographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 139