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Friedhof und Kirchgarten der St.-Johannis-Kirche

Obj.-Dok.-Nr.: 09046312
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Alt-Moabit
Hausnummer: 24 & 25
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Friedhof & Kirchgarten
Datierung: nach 1832

Die Gestaltung des Vorplatzes und des Kirchhofs der St. Johannis-Kirche in Alt-Moabit 24-25 geht auf Eingriffe Peter Joseph Lennés zurück, der seine Planung für das "Terrain um die Kirche in Moabit" zur Ordnung des Umfeldes der Kirche aber auch der weiteren Bereiche um den kleinen Tiergarten 1840-41 teilweise umsetzen konnte. (1) Schon für die Erweiterungsbauten von Friedrich August Stüler, dem Portikus, dem symmetrischen Arkadengang und dem Campanile sowie dem Pfarr- und Schulhaus zu beiden Seiten der Kirche musste der Vorplatz reduziert werden. 1891 wurde die Einfriedung aus Klinkerpfeilern und Feldern aus Hohlziegeln über niedrigem Sockel wegen der Verbreiterung der Straße Alt-Moabit zurückgesetzt und der Platz erneut verkleinert. Die Einfassungsmauer präsentiert sich heute im Zustand einer 1904 erfolgten Erhöhung, mit Eisengittern und zwei reich ornamentierten Toren sowie dem von der Kirchstraße aus sichtbaren schon von Stüler geplanten vergoldeten Metallkreuz. (2) Von der letzten, 1875 erfolgten formalen Schmuckplatzgestaltung mit einem Blumenbeet in der halbrunden Rasenfläche durch den Obergärtner von Albert Borsig, Heinrich Gaerdt, zeugen nur noch die beiden Platanen beidseitig des Portikus. Das heutige Erscheinungsbild der formalen Vegetationsfläche, die ein Mosaikpflaster-Weg neben der asphaltierten Vorfahrt begrenzt, nimmt jedoch darauf Bezug.

Über einen Pflasterweg aus Kleinsteinmosaik gelangt man zum 1840 eröffneten ersten Kirchhof der St. Johannisgemeinde. Der nach Lennés Planung angelegte und 1841 bepflanzte Friedhof nördlich der Kirche ist gegenüber dem Kirchplatz vertieft und in seiner heutigen Gestaltung nur noch ein Relikt der ursprünglichen Anlage. (3) Den ursprünglichen Hauptweg markieren noch wenige alte Kastanien. Lennés Wegekreuz mit vier Grabfeldern und den von Norden nach Süden verlaufenden Grabreihen lässt sich noch innerhalb einer großen Rasenfläche, die ein lockerer Baumbestand beschattet, ablesen. Vor der Ostmauer befinden sich einige alte Eichen. Nach einer ersten Schließung des Friedhofs 1904, die jedoch nicht Erbbegräbnisse und reservierte Stellen betraf, wird heute wieder eingeschränkt bestattet.

Nur noch ein Teil der Grabstätten mit erhaltenen Grabmalen weist die mit Efeu bepflanzten Hügel auf. (4) Dazu gehört die älteste Grabstätte des Grundbesitzers Christian Friedrich Gericke (1768-1840), das ein künstlerisch bemerkenswertes Eisengusskreuz mit der Relieffigur einer Victoria am Kreuzfuß ziert. Aus Eisenguss sind auch das ebenfalls auf Schinkel zurückgehende Kreuz für Heinrich Friedrich Wilhelm Kratz (gest. 1889) und das Kreuz für Frau Pastor Elisabeth Eger (gest. 1918), dessen Kreuzarme mit Pflanzenornamenten ausgefüllt sind. Von lokalgeschichtlicher Bedeutung sind unter anderem das seit 1871 belegte umgitterte Erbbegräbnis der Familie Gericke und das der Familie des bekannten Moabiter Fabrikbesitzers Friedrich Adolf Pflug (gest. 1886) in der Nordostecke des Friedhofs. Ein Cippus mit bekrönender Urne markiert das Grab des Architekten Emil Haase (gest. 1899). Häufigste Grabmaltypen sind Stelen und Grabkreuze aus dunklem Granit. Als einzige Grabmalplastik ist eine Trauernde aus Kunststein am Grab von Konrad Kuhlmeier (gest. 1927) hervorzuheben, die auf einem Sarkophag kniend, eine Urne umschließt. Zu den hier Bestatteten gehören lokal bedeutende Persönlichkeiten wie Georg Christian Beussel (gest. 1864), erster Gutsbesitzer in Martinickenfelde, dem eine Straße gewidmet ist, und der Porzellan- und Chamottefabrikant Rudolf Schomburg (gest. 1912). Nördlich der Kirche befindet sich eine Grabreihe für 18 Kriegsopfer aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges, deren Ruhestätte einheitliche Tontafeln kennzeichnen.


1) 1840/41 erfolgten Planierung und Rasenansaat des Kirchplatzes, die Befestigung des Weges um die Kirche sowie die Anpflanzung der hufeisenförmig um die Kirche herumführenden Lindenreihe. Eine Böschung an den Seitenfassaden und der Apsis bildete einen Übergang zu einem Pflasterstreifen aus Feldsteinen an der Kirche. Vgl. Eckert, Reinald, Grundlagenuntersuchung des Gemeindegrundstückes von St. Johannis in Berlin-Moabit, Gutachten im Auftrag der Bundesgartenschau Berlin 1995 GmbH, Berlin 1989. S.25 f.

2) Nach dem Enteignungsverfahren von 1890 wurden1891 alle frontalen Vorgartenmauern um ca. 8 Meter zurückgesetzt. Am Vorplatz wurde der vorherige Zustand wiederhergestellt. Die Vorgartenmauern des Pfarr- und Schulhauses erhielten nun geschlossene Ziegelmauern ohne Hohlziegel. 1892 entstand die Einfassungsmauer an der Wilsnacker Straße.

3) Zu den ersten Anpflanzungen siehe, Hinz, Gerhard, Peter Joseph Lenné. Das Gesamtwerk des Gartenarchitekten und Städteplaners, Hildesheim, Zürich, New York 1989, S.176.

4) Grabstätten-Bestandsaufnahme in: Eckert, Reinald, Grundlagenuntersuchung des Gemeindegrundstückes von St. Johannis in Berlin-Moabit, Gutachten im Auftrag der Bundesgartenschau Berlin 1995 GmbH, Berlin 1989, Anhang; Hecker, Roland, Schmiedekunst auf Berliner Friedhöfen, Berlin 1999, S.51, und Abb.7.98, Wohlberedt, Willi, Verzeichnis der Grabstätten bekannter und berühmter Persönlichkeiten in Groß-Berlin und Potsdam mit Umgebung, Teile1-3, Berlin 1932-1939, S. 31, 113, 222.

Literatur:
  • Deutsche Bauzeitung 9 (1875) / Seite 268f.
  • Gartendenkmalpflege 7 (1992) / Seite 31
  • Katamon Exposé / Seite 214f.
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005