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Gutspark Marienfelde

Obj.-Dok.-Nr.: 09046263
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Marienfelde
Strasse: Alt-Marienfelde
Hausnummer: 1 & 15
Strasse: Nahmitzer Damm
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Parkanlage
Datierung: nach 1844
Umbau: nach 1892 & um 1906 & 1933-1935 & 1994-1995
Entwurf & Ausführung (?): Huhn, Victor (?) (Gartenarchitekt)
Bauherr: Kiepert, Adolf

Der Gutspark Marienfelde wurde nach 1844 vom Landesökonomierat und Mitbegründer der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft Adolf Kiepert angelegt und noch nach 1865 vergrößert. Als Gutsbesitzer entwickelte er einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb, der auch Teile des heutigen Parks als Wirtschaftsgarten mit einem rechtwinkligen Wegesystem einbezog. (1) Schon 1859 war der Ostfassade des Gutshauses und ihrer Loggia ein Ziergarten vorgelagert. Der über eine Freitreppe erreichbare, ovale Garten war zur Dorfaue von einer Mauer und einer Baumreihe abgeschirmt. Diese später mehrfach veränderte Anlage ist in einer Karte der Grundstücke Kieperts von 1864-65 dargestellt. (2) Der kleinteilige Wirtschaftsgartenteil schloss sich östlich und südlich an, jeweils durch Pergola beziehungsweise Laube mit Sitzplatz vom Ziergarten getrennt. (3) 1870-71 entstanden ein Gewächs- und ein Treibhaus im Wirtschaftsgarten. Vermutlich säumten Obstbaumpflanzungen und Beerensträucher das regelmäßige Wegesystem, das im Osten in freie Wegeführungen eines kleinen Landschaftsparks überging. Das so genannte Birkenwäldchen, ein im Osten des spitzwinkligen Grundstücks gelegener Bereich, kam bis 1876 hinzu und wurde bis an den Entwässerungsgraben im Süden herangeführt.

Die Erben Adolf Kieperts vergrößerten nach 1892 den landschaftlichen Bereich zu Lasten des Wirtschaftsgarten. (4) Die ovale Anlage war um 1906 mit einem Springbrunnen in Formen der Neorenaissance, Schmuckpflanzungen und Bildwerken ausgestattet. (5) Der Park wurde auch mit weiteren Baumrondellen wie dem Lindenrondell östlich des Ziergartens erschlossen. Von der Terrasse des Gutshauses eröffnete sich eine weite, noch ablesbare Sicht über diesen Garten und eine, nur am Rand locker mit Baumgruppen und Solitären bepflanzte Wiese. Nach dem Übergang von Gut und Park in städtischen Besitz 1929 wurden fünf Jahre später noch Strukturen des ehemaligen Wirtschaftsgartens, darunter Rechteckquartiere, Obstgehölze und ein Gewächshaus, östlich des Gutshofes aufgemessen. Der Ziergarten besaß nun eine Rechteckform, der landschaftliche Parkteil war zugewachsen und wies ein verdichtetes Wegenetz auf. 1933-35 erfolgte eine Umgestaltung in den öffentlichen "Waldpark Marienfelde" durch das Bezirksgartenamt. Der Entwurf wird Victor Huhn zugeschrieben. (6) Er reduzierte das Wegesystem in der gesamten Anlage, führte Neupflanzungen aus und beseitigte den Gehölzaufwuchs. Der alte Baumbestand mit Buchen, Eichen, Linden, Kastanien und Robinien wurde auch im Bereich der großen Parksicht vom Herrenhaus frei gestellt und somit Einblick in ein neues Wildgatter im Parkzentrum hergestellt. Im anschließenden waldartigen Bestand ließ das Gartenamt Vogelschutzgehölze anpflanzen. Am aufgehobenen Ziergarten wurde eine neue Wegeerschließung mit Mauerpforte angelegt. Südlich davon gestaltete man entlang der Wirtschaftsgebäude einen Kinderheimgarten und Kompostplatz. Im ehemaligen Wirtschaftsgarten entstanden eine große Liegewiese, ein Spielplatz und eine Schutzhalle.

Eine derartige Halle befindet sich nunmehr an der nördlichen Parkgrenze. Eine 1952/53 im Südwesten errichtete Kindererholungsstätte und der Abriss der alten Parkmauer am Ziergarten 1958 beeinträchtigen das Parkbild bis heute. Seit Beginn der 1980er Jahre ist die Einfriedung mit Portal, Mauersockeln und Pfeilern sowie Pergola zwischen dem Gutshof und dem Ziergarten nach Entwürfen von G. Hasenberg wieder hergestellt. Ansonsten hat sich das Parkgefüge der 1930er Jahre mit altem Baumbestand aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und weiten Lichtungen bis heute fast unverändert erhalten. Einige Parkbereiche präsentieren sich heute in Anlehnung an die Struktur um 1900 wie der 1994/95 restaurierte Blumengarten vor dem Herrenhaus. Ein ovaler Weg umzieht eine Rasenfläche, die im westlichen Drittel ein rundes Springbrunnenbassin schmückt. Von Buchsbaum gesäumte Rundbeete und ein schmales geschwungenes Beet umgeben den Brunnen an drei Seiten. Sie sind mit Sommerblumen sowie Rosen, die auch die Beete an der Ostseite schmücken, bepflanzt. Hier flankieren am Randweg beiderseits der Mittelachse je zwei weiße Holzbänke eine Nische. Seit 1995 heben sich vor dunklen Eibenhecken wirkungsvoll zwei weiße, auf Sandsteinsockeln stehende Skulpturen ab. Die nach Antikenkopien des 19. Jahrhunderts aus Aluminiumguss hergestellten Kopien stellen einerseits die Göttin der Jagd, nach dem ursprünglichen Fundort der antiken Figur "Diana von Gabii" genannt, sowie einen Satyr, den "Faun des Praxiteles" dar. (7) Auch die Loggia des Herrenhauses ziert plastischer Schmuck, hier in Form von fünf Relieftondi an den Rückwänden. Drei Relieftondi sind vermutlich Nachgüsse des 19. Jahrhunderts, wovon zwei allegorische Puttendarstellungen einen Bezug zum Garten herstellen. Der vom Garten sichtbare Schmuck der Ostfassaden-Nische, wohl die Büste einer Flora, ist jedoch verschollen. (8)


1) Bereits unter Vorbesitzer von Scheel 1832 Errichtung eines Wohnhauses und vermutlich Anlage eines Gartens. Das seit 1811 bestehende Gut wurde 1843 in ein freies Erbgut umgewandelt. Carl Gotthilf Adolf Kiepert (1820-1892) war ab 1844 Gutsbesitzer, Amtsvorsteher und Patron der Kirche sowie Politiker. BusB XI, Gartenwesen, S. 262; Buchholz, Peter: Tempelhof, Berlin 1990, S. 37-39, 42 ff.; Tempelhof Bauten Straßen Plätze als Zeugen der Geschichte, Ausstellungskatalog Bezirksamt Tempelhof, Berlin 1992, S.16 f.; Wendland, Folkwin: Berlins Gärten und Parke von der Gründung der Stadt bis zum ausgehenden neunzehnten Jahrhundert, Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1979, S. 346; Wimmer, Clemens Alexander: Parks und Gärten in Berlin und Potsdam, Berlin 1992, S. 97; Kleeberg, Jürgen, Gischow, Paul-Heinz: Gischow & Partner Landschaftsarchitekten, Rekonstruktionsplanung Gutspark und Dorfaue Marienfelde, Gutachten i. A. der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Abt. III, Berlin 1983, unveröffentl. Typoskript. Dieselben: Gutsgarten Marienfelde, Ergänzende gartenhistorische Untersuchung, Brunnenanlage, Brunnenpflanzung, Gartenskulpturen, Gutachten i. A. des Bezirksamtes Tempelhof von Berlin 1992, unveröffentl. Typoskript; Solmsdorf, Hartmut, Untersuchung des Denkmalwertes von Grünflächen in Berlin (West), Gutspark Marienfelde, Berlin 1978, Gutachten i. A. des Senators für Bau- und Wohnungswesen, Abt. III, Berlin 1978.

2) Ehem. Vermessungsamt Tempelhof im BA Tempelhof-Schöneberg, "Karte von den dem Rittergutsbesitzer Herrn Kiepert gehörigen Grundstücken auf der Feldmark Marienfelde. Angefertigt im Jahre 1864/65 durch Frese...", Maßstab 1 : 4000.

3) Deutung nach Kleeberg, Jürgen, Gischow, Paul-Heinz: Gischow & Partner Landschaftsarchitekten, Rekonstruktionsplanung Gutspark und Dorfaue Marienfelde, Gutachten i. A. der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Abt. III, Berlin 1983, unveröffentl. Typoskript.

4) Erben wurden nach dem Tod der Witwe Emilie (gest 1901) die Enkel Alfred (1880-1942) und Rudolf Kiepert (1888-1959), Söhne von Kieperts 1889 verstorbenem Sohn Otto. Der Haupterbe Alfred Kiepert war nicht in der Lage, das Gut erfolgreich weiter zu bewirtschaften.

5) Der von einem Funkienrand und Schmuckbeeten umgebene Drei-Schalenbrunnen des 19. Jahrhunderts, belegt durch ein Foto um 1900, war schon 1929 nicht mehr nachweisbar. Nach 1945 wurde er durch einen Achteckbrunnen ersetzt. Der Skulpturenschmuck, eine Antikenkopie der "Artemis von Gabii", auch "Diana von Gabii" genannt, befand sich am östlichen Ende des Ziergartens vor einer Hecke. Sie ist nur durch ein Foto um 1900 dokumentiert. Siehe: Kleeberg, Jürgen, Gischow, Paul-Heinz: Gutsgarten Marienfelde, Ergänzende gartenhistorische Untersuchung, Brunnenanlage, Brunnenpflanzung, Gartenskulpturen, Gutachten i. A. des Bezirksamtes Tempelhof von Berlin 1992, unveröffentl. Typoskript.

6) Museen Tempelhof-Schöneberg-Archiv: L-T 360 Park M1; Findbuch Tempelhof (LDA); Pläne NGA Tempelhof, Gutspark Marienfelde: Bestandsplan 1934 (E 2/1), Entwurfsplan und Vogelschaubild Waldpark Marienfelde 1934, signiert "Stoll" (E2/2, E2/3), Gesamtplan 1950 (E2/4). Zum Gartenarchitekten Victor Huhn (geb. 1903) siehe Gröning, Gert, Wolschke-Bulmahn, Joachim: Grüne Biographien, Berlin, Hannover 1997, S.161.

7) Das Vorbild für alle Antikenkopien des verlorenen griechischen Originals der "Diana von Gabii" wurde 1792 in der Nähe von Rom gefunden und befindet sich heute im Museé du Louvre. Kopien befinden sich u.a. am Gutshaus Tegel und im Eigentum der Skulpturensammlung der SMPK Berlin. Der im Gutsgarten Marienfelde nicht nachgewiesenen " Faun des Praxiteles" wurde als Pendant aufgestellt. Die römische Marmorkopie des griechischen Originals befand sich schon 1572 in der Villa d'Este Tivoli und ist heute im Museo Capitolini in Rom. Bloch, Peter (Hrsg.): Die Bildwerke der Skulpturengalerie und der Nationalgalerie Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Bd. III, Bildwerke 1790-1910, Berlin 1990, S. 154f.; Kuhn/Kähler 2004, Objekt-Nr. 69, 70.

8) Siehe Titelbild von Wille 1985, Zum plastischen Schmuck von Guts- und Inspektorenwohnhaus siehe Kuhn/Kähler 2004, Objekt-Nr. 67, 68.

Literatur:
  • BusB XI 1972 / Seite 262
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 27f.
  • Der Tempelhofer 13 (1959) 25 / Seite 5f.
  • Reclam Berlin, 1987 / Seite 382
  • Neumann/Möllenbeck, F. K./ Chronik Marienfelde, Berlin 1938Gartenamt 19 (1970)