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Dorfanger Alt-Marienfelde

Obj.-Dok.-Nr.: 09046261
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Marienfelde
Strasse: Alt-Marienfelde
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Dorfanger
Datierung: nach 1220

Der lang gestreckte Dorfanger und der Dorfkirchhof sind etwa zeitgleich mit der Dorfkirche nach 1229 entstanden. Die in Ost-West-Richtung erbaute Dorfkirche bildet mit dem dreiseitig eingefriedeten Dorfkirchhof das Zentrum des Angers. Der Mittelpunkt des Dorfes wird nach erheblichen Veränderungen im 19. und 20. Jahrhundert heute wieder durch traditionelle Elemente wie die 1990 rekonstruierten Teiche, den Schmiedeteich am Schmiedegrundstück und den Kirchteich im westlichen Angerbereich, geprägt. (1) Das heutige Erscheinungsbild bestimmen außerhalb des Kirchhofs Wiesen mit lockerem Baumbestand. Baumreihen fassen die Dorfaue mit den 1990/91 erneuerten Wegen ein. Nordwestlich des Kirchteichs befindet sich die große "Freiheitseiche", die 1863 anlässlich einer Gedenkfeier zum 18. Oktober 1813, der Völkerschlacht bei Leipzig, gepflanzt wurde. An der Westspitze des Angers steht unterhalb von Eichenkronen auf einer von Eiben eingefassten Platzfläche das 1921 eingeweihte Kriegerehrenmal. Das schlicht gestaltete Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs besteht aus einem etwa drei Meter hohen Zippus aus Granit, der von einem Stahlhelm über einem Kranz aus Eichenlaub bekrönt wird. Der zweistufige Rechtecksockel des Ehrenmals trägt auf einer ergänzten Sockelplatte eine Inschrift zum Gedenken an die Kriegstoten von 1939-1945. Westlich der Dorfkirche markiert eine Lindenallee den Verlauf der ehemaligen Westmauer des Kirchhofs. Von der ursprünglichen Findlingsmauer sind nur noch Reste an der nördlichen Einfriedungsmauer erhalten, wo sich auch der Eingang befand. Ein 1926 erstellter Entwurf von Bezirksgartendirektor Rudolf Fischer für die Dorfaue sah regelmäßige Gestaltungselemente und neue soziale Funktionen vor und bildete die Grundlage für den Abbruch der West- und eines Teils der Südmauer des Kirchhofs. (2) Im Zuge eines 1955 angelegten geschwungenen Zufahrtswegs zur Kirche entstanden die heutigen Eingänge im Nordwesten und Süden des Kirchhofs. Auf dem Kirchhof wurde bis 1890, auf dem Erbbegräbnis Kiepert bis 1955 bestattet. Eine Verwilderung des Kirchhofs und der Grabstättenverfall setzten bereits 1910 ein. Seit der endgültigen Schließung 1954 fand eine allmähliche Beräumung von Grabzeichen statt. Auch die meisten Efeuhügel wurden beseitigt. Dennoch erwecken einige bemerkenswerte Grabstätten des 19. Jahrhunderts die Aufmerksamkeit. An der Südseite der Kirche verweist eine Syenittafel mit schmiedeeisernem, ornamental verzierten Rahmen auf das Erbbegräbnis der Familie Kiepert. Die 1892 angelegte Gittergrabstätte ist eine für die Zeit um 1900 typische dörfliche Gutsbesitzer-Grablege. Auf der von einem schmiedeeisernen Gitter begrenzten Grabstätte sind fünf Grabzeichen von Familienmitgliedern zu finden. Das geschichtlich und künstlerisch bedeutendste Monument ist das um 1892 in der renommierten Steinmetzwerkstatt von Wilhelm Sipperling geschaffene obeliskenartige Stelen-Grabmal für das Familienoberhaupt, den königlichen Landes-Ökonomierat und Rittergutsbesitzer Carl Gotthilf Adolf Kiepert (1820-1892) und seine Ehefrau Emilie. Den historistischen Grabstein aus grauschwarzem Syenit bekrönt eine Schmuckurne aus rötlichem Granit und dunklem Syenit. Ihre letzte Ruhestätte fanden auf dem Erbbegräbnis auch der Sohn Heinrich Otto Kiepert (gest. 1889) und dessen Söhne, die Erben des Guts, Alfred (gest. 1942) und Rudolf (gest. 1955). Nördlich der Kirche befinden sich anstelle einer weiteren Gittergrabstätte für den General Carl Friedrich Andreas von Wichert (1789-1861) und seine Familie nur noch zwei Marmorkissensteine. Auf dem Rasen sind unter altem Baumbestand weitere kulturgeschichtlich interessante Grabmale des 19. Jahrhunderts zu finden, darunter ein Kissenstein für den Mühlenbesitzer Friedrich Wilhelm Meyer (gest. 1866), ein granitener Obelisk für die Brüder Achilles, ein weiterer für den "Kossäth, Schul- und Kirchenvorsteher August Vogler" (gest. 1890) sowie ein Sandsteinkreuz über einem Sockel mit Ornamenten im Sinne der Neorenaissance. Künstlerisch bemerkenswert ist insbesondere das gusseiserne Grabkreuz für den Gastwirt, Bauern und Kirchenvorsteher Friedrich Wilhelm Wiese (gest. 1855) mit seinen filigranen gotisierenden Formen. Der Kreuzfuß zeigt einen Engel mit Kranz und Feder, die Rückseite trägt einen Sinnspruch.


1) 1801 bis etwa 1865 Schulhaus südlich des Kirchteichs. Unter Adolf Kiepert um 1859 repräsentative regelmäßige Gestaltung nördlich des Wirtschaftshofs. 1863 westlich der Kirche alte Linden im Bereich des ehemaligen Tanzplatzes. Seit Mitte 19. Jahrhundert Lindenanpflanzungen. Um 1940 Schmiedeteich zugeschüttet. 1945 Verlust der Schmiede, der Feuerwache, des Spritzenhauses im nordöstlichen Kirchhofsbereich. Um 1950 Kirchteich beseitigt. 1990-91 gartendenkmalpflegerische Wiederherstellung. Endlich/Wurlitzer 1990, S. 134; Hammer, Klaus/Nagel, Jürgen: Historische Friedhöfe und Grabmäler in Berlin, Berlin 1994, S. 251; Gischow, Paul-Heinz u.a.: Rekonstruktionsplanung Gutspark und Dorfaue Marienfelde im Rahmen der Gartendenkmalpflege, Gutachten im Auftrag des Senators für Stadtentwicklung und Umweltschutz von Berlin, Abt. III b B, Berlin 1983; Kuhn/Kähler 2004, Objekt-Nr. 71-73; Szamatolski, Clemens-Guido u.a.: Dorfkirchhof Marienfelde, Gutachten im Auftrag des Senators für Stadtentwicklung und Umweltschutz von Berlin, Abt. III b B, Berlin 1985; Wille 1985, S. 92-105.

2) "Entwurf zur Ausgestaltung der Dorfaue in Berlin-Marienfelde" 1926, signiert: Fischer Gartendirektor. Findbuch Tempelhof 1992, E1/ 12. Zeitpunkt und Umfang der Ausführung sind nicht belegt. Weitere Entwürfe: 1913, E1/ 2a- 2b; Schaubilder: E1/ 7-9 (undatiert), Vogelperspektive, signiert Fischer von 1925: E1/ 11.

Literatur:
  • BusB XI 1972 / Seite 274
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 193
  • Hoffmann-Tauschwitz/ Alte Kirchen in Berlin, 1986 / Seite 18-23
  • Pomplun, Kurt, Berlins alte Dorfkirchen, Berlin 1967 / Seite 63-66
  • Reclam Berlin, 1987 / Seite 380