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Franckepark

Obj.-Dok.-Nr.: 09046260
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Tempelhof
Strasse: Albrechtstraße
Hausnummer: 30 & 36
Strasse: Theodor-Francke-Straße
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Parkanlage
Datierung: um 1875 & 1925-1928 & 1954-1955
Entwurf: Meyer, Gustav (?) & Kaehler, Jonathan (Gartenarchitekt)
Entwurf: Fischer, Rudolf

Um 1875 ließ der Kaufmann und Fabrikbesitzer Theodor Francke den Franckepark als Privatpark anlegen. Der Entwurf für die Erstanlage auf einem Teilbereich der Franckeschen Baumschulen wird Gustav Meyer, dem ersten Berliner Gartendirektor, zugeschrieben. (1) Die Ausführung des kleinen Landschaftsparks, der dendrologische Besonderheiten und mehrere Springbrunnen aufwies, übernahm Jonathan Kaehler. Er leitete auch die angrenzenden Baumschulen Franckes. (2) 1876 ließ sich Francke auch von dem Gartenkünstler Eduard Petzold beraten. (3) Noch heute stellt die geschickte Ausnutzung der stark bewegten Geländetopographie mit einer tiefen Talsenke eine Besonderheit für Berliner Parkanlagen dar. Die Senke füllte ursprünglich der "Krumme Pfuhl"aus, noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein beliebter Badesee. Nach dem 1924 erfolgten Inbesitznahme des verwilderten Parks durch die Stadt Berlin entstand hier von 1925-28 im Zuge von Notstandsarbeiten ein Volkspark nach Plänen des Tempelhofer Bezirksgartendirektors Rudolf Fischer. Dabei wurden das Wegesystem, die Bodenmodellierung und der Baumbestand weitestgehend in die Umgestaltung einbezogen. Fischer fügte in den kleinen Landschaftspark neue Funktionen, auch Gartenteile und Nutzflächen in geometrischer Form ein, die dem Volksparkcharakter der 1920er Jahre entsprachen. Dazu gehörten unter anderem eine Rodelbahn in der Parkmitte, eine formale Spielwiese mit Sporthaus, auch Kinderspiel- und Tanzplatz auf einer Erweiterungsfläche im Norden und ein Kaffeegarten. (4) Diese Anlagen wurden bei Instandsetzungsarbeiten 1954-55 nicht wieder hergestellt.

Der Hausdurchgang Theodor-Francke-Straße 5 und 6 führt als Parkeingang auf den rechteckigen Rosengarten zu, der nach Kriegszerstörungen in modifizierter Form wieder hergestellt wurde. Im Zentrum seines Wegekreuzes befindet sich ein 1930 von Albert Wille geschaffener Brunnen aus Muschelkalkstein von oktogonalem Grundriss. Seit 1965 bekrönt ihn eine Eulenfigur aus Bronze von Egon Stolterfoth. Der von Hecken gerahmte, erhöht gelegene Rosengarten weist östlich einen halbrunden Sitzplatz auf, der einen großartigen Blick über die ausgemuldete Liegewiese bis zur Talsenke gestattet. Im Wiesengrund, einer ehemaligen Blumenwiese, befindet sich seit 1956 ein Tiergehege für Damwild und Rehe in Erweiterung des Tiergeheges von 1928. Vom "Krummen Pfuhl" ist infolge der Anlage des Teltowkanals nur ein kleiner Teich verblieben. Am südlichen Parkrand führen geschwungene Wege auf kleine Anhöhen mit formalen Aussichtsplätzen. Hier erschließt sich die abwechslungsreiche Parkstruktur mit ihren Lichtungen und dichten Gehölzbeständen, darunter zahlreiche alte Buchen, die am Rande der ehemaligen Seenrinne wachsen. An der Albrechtstraße eröffnet ein von einer Mauer eingefasster U-förmiger Platz, der ehemalige Ulmenhof, den historischen Parkeingang. Eine von gemauerten Wangen begrenzte Treppe führt zu einem erhöhten kreisförmigen Aussichtsplatz, den bis 1961 ein gotisierender Holzpavillon schmückte. (5) Seit der 1985-88 erfolgten partiellen Umgestaltung einiger Parkbereiche bildet hier eine Bronzefigur "Knabe mit Tintenfisch" des italienischen Künstlers Eduardo Rossi einen besonderen Blickpunkt. Die künstlerisch wertvolle, um 1900 in Neapel gegossene Plastik bekrönt einen künstlichen Felsen in einem runden Brunnenbassin. Die neubarocke, naturalistische Plastik des sitzenden Knaben hat die antike Figur des "Dornausziehers" zum Vorbild. Eine Traillage über dem Brunnen deutet einen Pavillon an. Der Gartenamtsleiter Hermann Guhl ließ um 1987 während der historisierenden Wiederherstellung das östliche Zugangsportal an der Templerzeile um zwei Putten ergänzen. Von diesem Eingang führt ein Weg zwischen Gehölz- und Staudenflächen zu einem bastionären Aussichtspunkt am Talrand, wo sich nochmals reizvolle Sichten über den Park mit seinen extremen Höhenunterschieden ergeben.


1) Der Grundeigentümer Theodor Francke (1830-1896) besaß eine Elfenbeinbleiche auf dem Gelände des heutigen Parks. Zuschreibung nach Solmsdorf, Hartmut: Untersuchung des Denkmalwertes von Grünflächen in Berlin (West), Franckepark, Gutachten im Auftrag des Senators für Bau- und Wohnungswesen von Berlin, Abteilung III, Berlin 1978.

2) Jonathan Kaehler (1847-1924) arbeitete von 1871-74 unter Gustav Meyer in Berliner Grünanlagen, von 1876-97 als Leiter der Tempelhofer Baumschulen und Parkanlagen, 1878 Obergärtner, 1897 Königl. Garteninspektor, 1901 Großherzogl. Mecklenburg-Schwerinscher Hofgartendirektor. Die Gartenwelt 28 (1924) Nr. 32, S. 368; Gröning, Gert/Wolschke-Bulmahn, Joachim: Grüne Biographien. Biographisches Handbuch zur Landschaftsarchitektur des 20. Jahrhunderts in Deutschland, Berlin, Hannover 1997, S. 173; Bystrich, Dagmar: Die Parkanlagen in den Ortsteilen Tempelhof und Mariendorf, wissenschaftliche Hausarbeit zur ersten Staatsprüfung für das Amt des Lehrers, Berlin 1966, S. 32-36.

3) Rohde, Michael: Von Muskau bis Konstantinopel, Eduard Petzold ein europäischer Gartenkünstler 1815-1891, in: Muskauer Schriften, Bd. 2, Amsterdam, Dresden 1998, S. 28, 281.

4) Rudolf Fischer (1883-1942), Gartendirektor in Tempelhof von 1919-1936, seit 1933 mit Unterbrechungen, entwarf u.a. auch den Parkring Neu-Tempelhof und den Volkspark Mariendorf. Pläne: "Der Franckepark in Berlin Tempelhof" 1928 von Rudolf Fischer, Findbuch Tempelhof B 8/9 und Plan gleicher Bezeichnung, Zusatz "Aufmessung Bormann 1929", Bauaktenarchiv des BA Tempelhof-Schöneberg; BusB XI, S. 87, 266; Neumann, C.: Neuere und neueste Volksparks von Berlin, in: Gartenwelt 31(1927) S. 514-517; Delius: Neue Sporthäuser in Berlin-Tempelhof, in: Bauamt und Gemeindebau 14 (1932), S. 36; Kuhn/Kähler 2004, Objekt-Nr. 31, 34, 35, 37.

5) Zu Beginn der 1960er Jahre wurden die namensgebenden Ulmen an der Innenseite des Platzes gefällt. Nicht erhalten sind das Eingangsportal, die Einfriedungsmauer mit Gitter an der Albrechtstraße und sechs Putten der 1920er Jahre der Mauern des Ulmenhofs. Ein Ausstattungselement des Rosengartens, das bronzene Ziegenböckchen des Brunnens von Albert Wille von 1930, 1942 eingeschmolzen, befindet sich als Neuguss von 1960 im Bosepark.

Literatur:
  • BusB XI 1972 / Seite 266
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 119f.
  • Gartenwelt 31 (1927) / Seite 516f.
  • Wollschläger/ Der Bezirk Tempelhof, 1964Bauamt und Gemeindebau 14 (1932) / Seite 36f.
  • Gartenschönheit 15 (1934) / Seite 183
  • Zeitschrift für Bauwesen 79 (1929) / Seite 6f.