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Siedlungsgrün der Weißen Stadt

Obj.-Dok.-Nr.: 09046228
Bezirk: Reinickendorf
Ortsteil: Reinickendorf
Strasse: Aroser Allee
Hausnummer: 116 & 118 & 121 & 122 & 123 & 124 & 125 & 126 & 127 & 128 & 129 & 130 & 131 & 132 & 133 & 134 & 135 & 136 & 137 & 138 & 139 & 140 & 141 & 142 & 143 & 144 & 145 & 146 & 147 & 148 & 149 & 150 & 151 & 152 & 153 & 153A & 153B & 154 & 155 & 157 & 159 & 161 & 163 & 165 & 167 & 169 & 171 & 173 & 175 & 177 & 179 & 181 & 183 & 185 & 187 & 189 & 191 & 193
Strasse: Baseler Straße
Hausnummer: 55 & 57
Strasse: Bieler Straße
Hausnummer: 1 & 3 & 5 & 7 & 9
Strasse: Emmentaler Straße
Hausnummer: 2 & 3 & 4 & 5 & 6 & 7 & 8 & 9 & 10 & 11 & 13 & 15 & 17 & 19 & 21 & 23 & 25 & 27 & 29 & 31 & 33 & 35 & 37 & 39 & 40 & 41 & 42 & 43 & 44 & 45 & 46 & 47 & 48 & 49 & 50 & 51 & 52 & 53 & 54 & 55 & 56 & 57
Strasse: Genfer Straße
Hausnummer: 45 & 47 & 49 & 51 & 53 & 55 & 57 & 59 & 61 & 63 & 65 & 67 & 69 & 71 & 73 & 75 & 77 & 79 & 81 & 83 & 85 & 87 & 89 & 91 & 93 & 95 & 97 & 99 & 101 & 103 & 105 & 107 & 109 & 111 & 113 & 115 & 117 & 119
Strasse: Gotthardstraße
Hausnummer: 4 & 6 & 8
Strasse: Romanshorner Weg
Hausnummer: 54 & 56 & 58 & 60 & 61 & 62 & 63 & 64 & 65 & 66 & 67 & 68 & 69 & 70 & 71 & 72 & 73 & 74 & 75 & 76 & 77 & 78 & 79 & 80 & 82 & 96 & 98 & 100 & 102 & 104 & 106 & 108 & 110 & 112 & 114 & 116 & 118 & 120 & 122 & 124 & 126 & 128 & 130 & 132 & 134 & 136 & 138 & 140 & 142 & 144 & 146 & 148 & 150 & 152 & 154 & 156 & 158 & 160 & 162 & 164 & 166 & 168 & 170 & 172 & 174 & 176 & 178 & 180 & 182 & 184 & 186 & 188 & 190 & 192 & 194 & 196 & 198 & 200 & 202 & 204 & 206 & 208 & 210 & 212
Strasse: Schillerring
Hausnummer: 3 & 5 & 7 & 9 & 11 & 13 & 15 & 17 & 19 & 21 & 23 & 29
Strasse: Sankt-Galler-Straße
Hausnummer: 5
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Siedlungsgrün
Datierung: 1929-1931
Entwurf & Ausführung (?): Lesser, Ludwig & Lesser, Richard (Gartenarchitekt)
Bauherr: Gemeinnützige Heimstätten Gesellschaft "Primus"

Nicht zuletzt trug hierzu die Gestaltung der Außenräume bei, denn planungsbegleitend war der Gartendirektor der Berliner Terrain Centrale, Ludwig Lesser, tätig. Er wird zusammen mit den Architekten Otto Rudolf Salvisberg, Wilhelm Büning und Bruno Ahrends das Konzept für die Gestaltung des Außenraumes entworfen haben, jedoch mit der gartenkünstlerischen Ausformung im Detail erst im Verlauf der Planungen reagiert haben können. Die Ausgestaltung der Gartenflächen war in erster Linie vom Gedanken getragen, trotz hohen Anforderungen an die Qualität der Ausführung die Erstellungskosten niedrig zu halten und für alle Bewohner gleichermaßen nutzbares Grün zu schaffen.

Lessers fachliches Können und sein soziales Engagement führten zur Anlage von Gartenbereichen, die auf die örtliche Situation abgestimmt waren und die Baukörper in ihrer Wirkung unterstützten. In den Bereichen zwischen Häusern und Bürgersteig wurde durch das Anlegen von niedrigen Hecken und Blumenstreifen parallel zu den Gebäuden die Längsrichtung betont. Besonderes gestalterisches Gewicht legte Lesser auf die Auswahl blühfreudiger Pflanzen, deren Farbe die Farbgebung der Gebäudefronten ergänzen sollten. Bei den Sonderhaustypen am Romanshorner Weg wurden die individuell nutzbaren Gartenbereiche komplett angelegt. Sie erhielten eine strenge Ordnung durch einheitliche Wege und Pflanzungen, um ein unharmonisches Durcheinander zu vermeiden, das die Architektur und das Gemeinschaftsinteresse gestört hätte.

Innerhalb anderer Wohnblöcke entstanden weite Rasenflächen, auf denen einzelne Bäume und Baumgruppen wuchsen. Ihre freie Anordnung und ihr natürlicher Wuchs standen im Kontrast zur Gleichförmigkeit der Architektur, wodurch es möglich war, bei richtiger Anordnung der Bäume spannungsreiche, gegliederte und individuell geprägte Hofräume entstehen zu lassen. Später hinzugefügte Gehölze lassen das Konzept heute nur noch in einigen Höfen sichtbar werden.

Darüber hinaus erhielt jeder dieser Grünbereiche einen Sitzplatz mit Blumenschmuck für Erwachsene und einen Spielplatz für Kinder jeden Alters. An geeigneter Stelle waren Müllplätze vorgesehen, die teilweise versteckt hinter beranktem Lattenwerk oder hohen Heckenlagen.

Die Spiel- und Sitzplätze sind vielfach aufgelöst worden. Früh beginnende Umänderungen haben auch zum langsamen Verschwinden der kleinen Gärten hinter den Sonderhaustypen geführt und teilweise das Erscheinungsbild verändert. Doch läßt sich gerade heute, bei entwickelter Größe von Sträuchern und Bäumen, die enge Verknüpfung zwischen öffentlichem und halböffentlichem Grün erkennen. So nutzte Lesser die bereits vorhandene Bepflanzung des als zweireihige Lindenallee angelegten Schillerringes als raumabschließende Wand der Grünbereiche zwischen den Bauten von Wilhelm Büning. Die alte Roßkastanienpflanzung des Mittelstreifens der Aroser Allee wurde dagegen zwischen Schillerring und Brückenhaus entfernt, um den Blick auf das gesamte Gebäude zu ermöglichen und die Wirkung eines Platzes entstehen zu lassen. Besonders wirksam ist heute die Situation an der Einmündung Schillerring - Emmentaler Straße, wo Gebäude und Bepflanzung eine einladende Eingangssituation in die Siedlung schaffen.

Aufgrund von Lesser konsequent angewendeter Grundgedanken bei der Gartengestaltung und seines einheitlichen Stils wurde der Siedlung ein passender Rahmen gegeben, der Zusammenhalt von mehreren Gebäuden betont und einzelne Häuser in ihrer Wirkung unterstützt. Trotz Veränderungen ist dies heute noch erkennbar und macht diese gartenkünstlerische Schöpfung besonders wertvoll.

Die die Großsiedlung "Weiße Stadt" durchlaufende und bereits 1908 als Promenade angelegte Aroser Allee wurde in den zwanziger Jahren Teil des Reinickendorfer Grünzuges. Sie sollte als bezirksübergreifende Anlage eine Verbindung zwischen dem Schillerpark im Wedding und dem Dorfanger Reinickendorf herstellen. Die vierreihige, etwa 1 500 m lange Allee ist mit zwei Fahrbahnen ausgestattet, in deren Mitte unter rotblühenden Roßkastanien ein Promenadenweg verläuft. Seitlich dieses Weges befinden sich zwischen den Bäumen noch einige alte Sitzbänke aus den zwanziger Jahren, die deutlicher Hinweis darauf sind, daß es sich hier nicht nur um einfaches Straßengrün handelt. Durch die Belastungen des Straßenverkehrs ist diese Grünverbindung allerdings heute in ihrer Nutzung eingeschränkt.

Literatur:
  • Deutsche Bauhütte 34 (1930) / Seite 253-255
  • Bauwelt 21 (1930) 48 / Seite 1-24
  • Bodien, E., Geschichte der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft in Berlin, 1957 / Seite 183
  • Kloß/ Siedlungen der 20er Jahre, 1982Gartenkunst 44 (1931) / Seite 53-59
  • Lichtenstein, Claude, O. R. Salvisberg, Zürich 1985 / Seite 64-67 & 168-177
  • Deutsche Bauhütte 35 (1931) / Seite 80-82
  • Topographie Reinickendorf/Reinickendorf, 1988 / Seite 170f.
  • BusB IV A 1970 / Seite 165-167, 195
  • BusB IV B 1974 / Seite 12
  • Lesser-Sayrac, Katrin: Ludwig Lesser (1869-1957). Erster freischaffender Gartenarchitekt in Berlin und seine Werke im Bezirk Reinickendorf, in: Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin, Heft 4, Berlin 1995