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Bethlehemsfriedhof und Gottesacker der Brüdergemeine

Obj.-Dok.-Nr.: 09046171
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Zossener Straße & Blücherstraße
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Friedhof
Datierung: 1736
Bauherr: Böhmische Gemeinde (Kirchengemeinde, evangelisch)

Der Bethlehemsfriedhof und Gottesacker der Brüdergemeine (1), der ebenfalls über den Zugang an der Zossener Straße zu erreichen ist, geht auf eingewanderte Glaubensflüchtlinge aus Böhmen zurück, die sich in der 1732 gegründeten Bethlehemsgemeinde in der Friedrichstadt zusammenfanden. Seit Beginn der Ansiedlung diente der Friedhof I der Jerusalems- und Neuen Kirche vor dem Halleschen Tor als Begräbnisstätte ; erst 1736 wurde der Gemeinde gestattet, eine Fläche für den Bethlehemsfriedhof abzutrennen. Da die Glaubensflüchtlinge einerseits evangelisch-lutherischen Glaubens waren, andererseits der Herrnhuter Brüderunität angehörten, einer selbständigen evangelischen Freikirche mit Sitz in Herrnhut in der Oberlausitz, wurde der Friedhof 1746 aufgeteilt. Das nördliche Drittel wurde der Brüdergemeine überlassen, doch blieben beide Teile in gemeinschaftlichem Besitz. 1827 nahm man eine Erweiterung des Friedhofs in westliche Richtung vor. Nach 1945 wurde der Gottesacker der Brüdergemeine bis auf einen kleinen Rest abgeräumt und in Straßenland umgewandelt. Dabei wurde auch die Nordmauer mit dem 1767 errichteten Eingangsportal abgebrochen.

Der Gottesacker der Brüdergemeine ist durch ein geschmiedetes Eisengitter vom eigentlichen Bethlehemsfriedhof abgeteilt. Als Zugang dient ein breites Tor mit Dreiecksgiebel, das um 1880 errichtet wurde. Nach dem Vorbild des Friedhofs in Herrnhut erhielten alle Gräber die gleiche Gestalt. Die Grabhügel waren mit Efeu bedeckt und durch einfache Kissensteine gekennzeichnet. Die "Brüder" und "Schwestern" wurden in getrennten Quartieren begraben. Davon sind nur noch vier Gräber erhalten geblieben. Auf dem restlichen Geländestreifen, der nach der Durchlegung der Blücherstraße 1967-73 übrig blieb, wurden 33 Gräber quer zur ursprünglichen Belegungsrichtung und unter Aufgabe der traditionellen Geschlechtertrennung neu angelegt. Die alten Grabmonumente wurden größtenteils auf den Böhmischen Friedhof nach Rixdorf gebracht.

Der Friedhof der Bethlehemsgemeinde ist an der Süd- und Westseite von einer Mauer umgeben, an der sich einfach gehaltene Wandgräber aufreihen. Die Grenze zum östlich anschließenden ältesten Teil des Dreifaltigkeitsfriedhofs I wird durch eine Allee markiert. Die Wandgräber stammen überwiegend aus dem frühen 19. Jahrhundert. Ein Beispiel ist das 1796 angelegte Erbbegräbnis für die Familie des Martin Daniel Mosisch . Ein einfaches Gitter umgibt das Innenfeld mit der darunter befindlichen Gruft. Auf der Grabwand ruht ein spätbarocker Putto aus Sandstein, der sich trauernd an eine Urne klammert. Die jetzige Aufstellung geht vermutlich auf die Familie Tamnau zurück, die die Grabstätte 1834 übernahm. Eine einfache Grabwand erinnert an die Apothekerfamilie Günther (1843). Die westliche Erweiterungsfläche wird durch das mächtige Mausoleum der Familie A. Herrmann (um 1825) beherrscht. An das klassizistische Grufthaus schließen sich links und rechts zwei gleichgestaltete Wandflächen an, die als Rücklagen das Mausoleum einfassen. Auf der Erweiterungsfläche befindet sich das Grab des Pfarrers Johannes Evangelista Gossner (1773-1858). Dieser gründete 1845 in Indien eine nach ihm benannte evangelisch-lutherische Kirche.

Die innenliegenden Erbbegräbnisse sind durch unterschiedlich gestaltete Grabstelen gekennzeichnet. Ein Sandsteinstele mit Ziervase im Empirestil erinnert an den Fabrikanten Gottfried Fröhlich (1747-1816). Der Architekt Franz Schwechten entwarf das monumentale Grabmal für Max Jaehns (1837-1900). In die Grabstele aus schwarzem polierten Granit ist ein bronzenes Bildnisrelief eingelassen. Dass die Friedhöfe am Halleschen Tor noch heute als Begräbnisplätze dienen, bezeugt die Grabstätte Mühlenhaupt . Diese geht auf den "Malerpoeten" Kurt Mühlenhaupt (1921-2006) zurück, der in der nahen Blücherstraße wohnte und für sich, seinen Bruder Willi Mühlenhaupt (1907-1977) und die Ehefrauen Friedel und Grete (1907-1986) ab 1978 vier Edelstahlstelen mit montierten Emaillebildern schuf. Mitte der 1980er Jahre wurden die Grabzeichen gestohlen. 1988 stellte Kurt Mühlenhaupt als Ersatz vier Betonstelen mit farbig gefassten Porträtdarstellungen auf.


(1) Hammer 2001, S. 80-81; Gartendenkmale in Berlin. Friedhöfe, Petersberg 2008, S. 76-79.

Literatur:
  • BusB X A 3 1981 / Seite 120
  • Gartendenkmalpflege 7 (1992) / Seite .
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 353 f.