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Dreifaltigkeitsfriedhof I

Obj.-Dok.-Nr.: 09046169
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Zossener Straße & Baruther Straße & Blücherstraße
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Friedhof
Datierung: um 1737
Umbau: 1798
Bauherr: Dreifaltigkeits-Gemeinde (Kirchengemeinde, evangelisch)

Vom Friedhof der Jerusalems- und Neuen Kirche wurde um 1737 eine schmale Bestattungsfläche abgeteilt, die man der neu gegründeten Gemeinde der Dreifaltigkeitskirche in der Friedrichstadt übergab. 1798 wurde der Friedhof in südlicher Richtung um einen quadratischen Bezirk erweitert. Den Dreifaltigkeitsfriedhof I (1) erreicht man heute über ein Tor an der Zossener Straße sowie über einen Durchgang vom benachbarten Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirche, nachdem der Hauptzugang im Norden bei der Durchlegung der Blücherstraße 1967-73 beseitigt worden ist. Die erhaltenen Hauptwege des ältesten Friedhofsteils entsprechen noch der ursprünglichen Konzeption, gleichwohl alter Baumbestand nur noch vereinzelt anzutreffen ist. In der südwestlichen Ecke des Grundstücks ließ die Gemeinde 1807 ein Leichengewölbe errichten, das jedoch bereits 1862 geschlossen und 1880-81 zu einer Kapelle umgebaut wurde. Die südliche Erweiterung des Friedhofs ist ringsum von Wandgräbern umgeben. Auch auf den Binnenflächen befinden sich Erbbegräbnisse, die zumeist durch geschmiedete Gitter ausgezeichnet sind.

Auf dem ältesten Friedhofsteil, der mehrfach belegt wurde, befinden sich die Grabstätten für den Bankier Adolf Schünemann (1847-1919), geschmückt mit einer Trauernden aus weißem Marmor. Dem Berliner Stadtschulrat Moritz Fürbringer (1802-1874) ist eine polierte Granitstele mit bronzenem Bildnismedaillon gewidmet, während für den Schauspieler und Regisseur Carl Stawinsky (1794-1866) eine Marmorstele mit gotisierender Blendarkade errichtet wurde. Um 1893 entstand das Grabmal der Familie Emil Loh. Es zeigt einen marmornen Engel, der auf der Grabstätte Blumen streut. Der Erweiterungsbereich ist von unterschiedlich gestalteten Wandgräbern umgeben. Ein frühes Beispiel ist das Grabmal für den Baumeister Johann Gottlieb Schlaetzer (um 1824). Die einfache Wand entspricht den schlichten Gestaltungen des frühen 19. Jahrhunderts, doch sind die Seitenfelder durch gotisierende Lanzettblenden gegliedert. Das Erbbegräbnis der Familie Twesten ist ebenfalls in den schlichten Formen des Biedermeier gestaltet. In die Grabwand ist eine marmorne Reliefplatte mit dem Porträt des Theologen und Universitätsprofessors August Twesten (1789-1876) eingelassen, ein Werk des Bildhauers Otto Geyer. Der Architekt Ludwig Ferdinand Hesse (1795-1876) ruht auf einer einfachen Erbbegräbnisstelle. Ein repräsentatives Wandgrab in Ecklage zwischen südlicher und östlicher Einfassungsmauer entwarf 1896 der Architekt Wilhelm Martens für die Familie Heegewaldt. An den Generalpostmeister und Staatsminister Heinrich von Stephan (1831-1897) erinnert ein Grabmal aus weißem Marmor, das der Bildhauer Joseph Uphues 1899 entwarf. Auf dem gestuften Sockel ruht ein hoch aufragender Obelisk, an den sich eine lebensgroße Trauernde anlehnt.

Eine schlichte Grabstätte erinnert an Rahel Varnhagen von Ense, geb. Levin (1771-1833) und ihren Ehemann, den Diplomaten und Schriftsteller Karl August Varnhagen von Ense (1785-1858). Auf dem mit Efeu bepflanzten Grabhügel ruhen zwei einfache marmorne Kissensteine mit schwarz ausgelegten Inschriften. (2) Eine umzäunte Gittergrabstelle enthält die Gräber des Bankiers Abraham Ernst Mendelssohn Bartholdy (1776-1835) und seiner Frau Lea Felicia Pauline, geb. Salomon (1777-1842) . Der Sohn des Philosophen Moses Mendelssohn war 1822 zum christlichen Glauben übergetreten und hatte den Beinamen Bartholdy angenommen. Das gotisierende Grabgitter setzt sich aus durchgesteckten Spitzbögen zusammen. Auf einer langgestreckten Grabgitterstelle in unmittelbarer Nähe ruhen der Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847), die Pianistin und Liedkomponistin Fanny Hensel, geb. Mendelssohn (1805-1847) und ihr Mann, der Maler Wilhelm Hensel (1794-1861). Die Grabstätte enthält sechs unterschiedlich gestaltete Grabzeichen, davon drei Kreuze aus weißem Marmor. Das Bankgeschäft wurde von den Nachkommen Joseph Mendelssohns fortgeführt. Franz von Mendelssohn (1829-1889), der vom preußischen König geadelt wurde, ließ auf dem vorderen Friedhofsteil ein eigenes Erbbegräbnis aus schwarzem Granit errichten. Zu den Hofangehörigen, die auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof I begraben wurden, gehören Botho Graf zu Eulenburg (1831-1912), preußischer Ministerpräsident, und August Graf zu Eulenburg (1838-1921), Oberhof- und Hausmarschall sowie Minister des Königlichen Hauses. Einfache Grabdenkmäler erinnern an den Mathematiker Carl Jacobi (1804-1851), an den Bühnendichter Ernst Raupach (1784-1852) sowie an Martin Blumner (1827-1901) und Hans Hilsdorf (1930-1999), die beide als Direktoren der Berliner Singakademie vorstanden.


(1) Hammer 2001, S. 83-84; Gartendenkmale in Berlin. Friedhöfe, Petersberg 2008, S. 80-83.

(2) Das Grabmal wurde 2005-06 restauriert und wieder in den ursprünglichen Zustand gebracht.

Literatur:
  • BusB X A 3 1981 / Seite 120
  • Gartendenkmalpflege 7 (1992) / Seite .
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 352 f.