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Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirche

Obj.-Dok.-Nr.: 09046161,T
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Mehringdamm
Hausnummer: 21
Strasse: Baruther Straße
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Friedhof
Datierung: 1819
Umbau: 1838 & 1890 & 1965
Entwurf: Schüttler & Arnd, Louis
Bauherr: Jerusalems- und Neue Kirche-Gemeinde (Kirchengemeinde, evangelisch)

Nachdem die Kirchhöfe I und II der Jerusalems- und Neuen Kirche zu Beginn des 19. Jahrhunderts größtenteils belegt waren, kaufte die Gemeinde 1819 ein trapezförmiges Grundstück dazu, das bis an den heutigen Mehringdamm reicht. Seit 1820 wurde der Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirche, der seinen Zugang am Mehringdamm 21 hat, belegt. (1) Er ist durch ein Alleenkreuz in vier etwa gleich große Quartiere geteilt, womit die Friedhofsgestaltung einer 1811 erlassenen Regierungsanweisung für die Mark Brandenburg entspricht. Die Hauptwege sind mit Ahorn- und Robinienbäumen bepflanzt. Das große Tor in der Hauptachse der Mittelallee wurde 1890 nach Entwurf des Gemeindebaumeisters Louis Arnd als Ersatz für einen älteren Zugang errichtet. 1838 entstand an der Straßenseite nach Entwurf von Baumeister Schüttler ein "Leichen- und Rettungs-Gebaeude für Scheintodte", das 1875-76 durch Eduard Knoblauch zu einer Friedhofskapelle umgebaut wurde. Der letzte Umbau wurde um 1890 vermutlich durch Louis Arnd vorgenommen. 1840 erhielt der Friedhof eine Umfassungsmauer, die mit Wandgräbern besetzt wurde. Bereits 1863 waren alle Wandgräber verkauft, was damit zu erklären ist, dass im Gemeindebezirk der Jerusalems- und Neuen Kirche viele wohlhabende Kaufleute und Unternehmer wohnten. Auch auf den Innenflächen des Achsenkreuzes wurden Erbbegräbnisse ausgewiesen, die zumeist von Eisengittern umgeben sind. Dadurch entstand das charakteristische Bild durchlaufender "Gitterstraßen". An der Süd- und Ostmauer wurden im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert großangelegte Mausoleen errichtet, die sich heute meist in schlechtem baulichen Zustand befinden. Als Ausgleich für die Flächen, die durch den Bau der Blücherstraße verlorengingen, wurde der Friedhof um 1973 nach Norden erweitert. Dabei wurde die mit Wandgräbern versehene Nordmauer teilweise abgerissen. Auf der Erweiterungsfläche steht ein Flachbunker, der 1940-41 von der "Baugruppe Langer" des Generalbauinspektors Albert Speer nach einem genormten Bautyp errichtet wurde.

Die Grabdenkmäler geben einen Überblick über die Entwicklung der Grabmalskunst bis ins frühe 20. Jahrhundert. Die Einzelgräber des 19. Jahrhunderts sind größtenteils mit Stelen aus poliertem Granit versehen und von Eisengittern umgeben. Auf den Granitstelen können Bildnismedaillons befestigt sein. Ein Beispiel dafür ist die Grabstele für den Schriftsteller Adolf Glaßbrenner (1810-1876) . Der Porträttondo aus weißem Marmor zeigt den Humoristen als gemütvollen Mann in naturalistischer Darstellung. An den Hofschauspieler Theodor Döring (1803-1878) erinnert ein schlanker Obelisk, der von einer neobarocken Stoffdraperie umhüllt ist. Das Motiv soll wohl den "letzten Vorhang" des gefeierten Bühnenkünstlers symbolisieren. Das Grabdenkmal des Hofmalermeisters Friedrich Richter (1827-1893) besteht aus einem Sockel aus rötlichem Granit und aus einer monumentalen Marmorurne. Die aus poliertem Granit gefertigte Grabstele für Ernst Schering (1824-1889), den Gründer der Schering AG, ist mit einem Bildnis des Unternehmers aus Marmor versehen. Die 1911 aufgestellte Grabstele für Elise Haase (1828-1911) und Friedrich Haase (1825-1911) enthält zwei hervorragend gearbeitete Bildnisreliefs. Einfache Granitsteine erinnern an den Dichter Adelbert von Chamisso (1781-1838), an den Schriftsteller, Komponisten und Dirigenten Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776-1822) , an den Architekten Karl Ferdinand Langhans (1782-1869), an den Komponisten Rudolf Radicke (1829-1893), an den Marinemaler Willy Stöwer (1864-1931) und an den Hofpianisten Carl Tausig (1841-1871), während dem Bühnendichter Adolph L´Arronge (1838-1908) ein Bronzerelief von Gustav Schmidtcassel gewidmet ist. Eine typische Grabgitterstelle wurde um 1890 für die Familie von Simson angelegt. Das in üppigen Neorenaissanceformen gehaltene Eisengitter umgibt zwei mit Efeu bewachsene Grabhügel. Hier ruhen unter anderem der Jurist und Politiker Eduard von Simson (1810-1899) und die Physikerin Clara von Simson (1897-1983).

Die ältesten Wandgräber aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind sehr schlicht gehalten. So besitzen die Grabstätten der Familien Zimmermann (1836) sowie Hauck und Graevenitz (1832) einfache gusseiserne Namenstafeln. L. W. Wittichs Erbbegräbnis (1832) ist durch eine Marmortafel gekennzeichnet, während das Erbbegräbnis der Familie Müller (um 1837) eine gotisierende Spitzbogengliederung aufweist. Eine aufwendige Grabwand aus Terrakottaformsteinen ist Carl Friedrich Kuhtz (1775-1857) und seiner Familie gewidmet.

Nur wenige Jahre nach Eröffnung des Friedhofs wurde 1824 das Mausoleum der Familie Gräfe errichtet. Der klassizistische Bau mit Dreiecksgiebel hat ein ägyptisierendes Tor, das sich nach oben verjüngt. 1832 folgte das mit Sandstein verkleidete Mausoleum der finnischen Adelsfamilie Alopäus. Hier ist David Graf von Alopäus (1769-1831) begraben, der Russland am preußischen Hof vertrat. Die wuchtige Laterne, die auf dem gestuften Dach aufsitzt, wurde später hinzugefügt, vermutlich 1869, als man hier Jeanette Caroline Gräfin von Alopäus, geb. von Wenckstern, beisetzte. Den spätklassizistischen Wandgrabgestaltungen folgten um 1880 üppigere Grabdenkmäler, die meist aus Granit, Muschelkalk oder Sandstein bestehen. Das Mausoleum des Weingroßhändlers Alfons Fischer (gest. 1892), das 1892 nach Entwurf des Maurer- und Zimmermeisters August Esmann errichtet wurde, zeichnet sich durch eine aufwendige neobarocke Gestaltung aus . So besitzt die reich bewegte Grabarchitektur einen gebrochenen Giebel, in dessen Giebelfläche das Sonnenmotiv erscheint, und eine geschweifte Kuppel mit Laterne. An der südlichen Umfassungsmauer steht nicht weit entfernt vom Mausoleum der Familie Carl Krause (um 1910) das wuchtige Mausoleum der Familie von Friedländer-Fuld (1910), das William Müller, ein Schüler von Alfred Messel, in beeindruckender Monumentalität gestaltete. Der Kubus wird von wenigen Sandsteinblöcken gebildet. Hartkantig schneidet das von toskanischen Säulen gerahmte Portal in die Hauptfassade ein. Hier liegt der Großindustrielle und Kohlemagnat Fritz von Friedländer-Fuld (1858-1917) begraben, der zu den reichsten Männern des deutschen Kaiserreichs gehörte und 1906 in den Adelsstand erhoben wurde. Auf der Ostseite des Friedhofs wurde 1903-04 nach Entwurf von Ernst Rockstroh und unter Aufsicht des Gemeindebaumeisters Louis Arnd das Mausoleum Prächtel errichtet, in dem unter anderem die Kaufleute Heinrich Carl Prächtel (1864-1902) und Friedrich Wilhelm Carl Prächtel ruhen . Der blockhafte, mit dunkelgrauem Granit verkleidete Bau ist dem monumentalen Jugendstil zuzurechnen. Im oberen Bereich der Fassade sind Mosaikbilder eingelassen, die Rosenblüten und Lorbeer sowie die Buchstaben Alpha und Omega zeigen. Der monumentale Eindruck wird durch das Dach unterstrichen, das sich in Gestalt einer Stufenpyramide erhebt und von einem wuchtigen Block bekrönt wird. Ein herausragendes Beispiel für die neoklassizistische Kunst des frühen 20. Jahrhunderts ist das Erbbegräbnis Prinz (um 1918). Die Grabwand, vor der einzelne Grabkreuze stehen, enthält ein Marmorrelief, das nach dem Vorbild römischer Grabstelen gestaltet wurde. Eine Frau in antiker Gewandung geleitet einen Mann zu einer Tür, die ins Jenseits führt.


(1) Kirmss, Paul: Die Geschichte der Neuen Kirche zu Berlin von 1808 bis 1908, Berlin 1908, S. 109; BusB X A (3), S. 49, 92; Hammer 2001, S. 84-86; Gartendenkmale in Berlin. Friedhöfe, Petersberg 2008, S. 68-71.

Literatur:
  • BusB X A 3 1981 / Seite 92
  • Moreira, Pedro/ Prietz, Frank/ Winkelmann, Annette: Eine Langhans-Gedenkstätte im Mausoleum Massute, Friedhof Jerusalem III vor dem Halleschen Tor in Berlin-Kreuzberg, in: Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg e.V. (Hrsg): Mitteilungsb / Seite 13-20
  • Fischer, Christoph/ Schein, Renate (Hrsg.): "O ewich is so lanck". Die historischen Friedhöfe in Berlin-Kreuzberg. Ein Werkstattbericht, Ausstellungskatalog Landesarchiv Berlin, Berlin 1987 / Seite .
  • Gartendenkmalpflege 7 (1992) / Seite .
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 355 ff.
Teilobjekt Wandgrab Thierichens
Teil-Nr.: 09056161,T,001
Sachbegriff: Grabstätte
Datierung: 1857