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Mariannenplatz

Obj.-Dok.-Nr.: 09046160
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Mariannenplatz
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Stadtplatz
Datierung: 1841-1853
Umbau: 1950-1952 & 1978-1979
Entwurf: Lenné, Peter Joseph (Gartenarchitekt)
Ausführung: Wedel, Eva (Gartenarchitekt)
Ausführung: Grötzebach, Dietmar

An den Luisenstädtischen Kanal, dessen nördlicher Abschnitt einen Viertelkreisbogen beschreibt, schließt sich die große begrünte Platzfläche des Mariannenplatzes an. Er ist als Schmuckplatz in das Raster der dicht bebauten Mietskasernenstadt eingefügt.

Der Mariannenplatz (Liste Nr. 351) wurde seit der Erstanlage 1853 durch Peter Joseph Lenné mehrfach umgeformt. Heute prägt ihn die Gestaltung durch Dietmar Grötzebach von 1978-79. (1)

Schon 1840 hatte Peter Joseph Lenné in seinem Projekt der Schmuck- und Grenzzüge von Berlin und 1841 im Bebauungsplan für das Köpenicker Feld auf dem Areal des heutigen Mariannenplatzes einen langgestreckten Schmuckplatz ausgewiesen. (2) Als Abschluss der zweiten Stadtachse der Luisenstadt neben dem Luisenstädtischen Kanal wurde der Platz von ihm als größter der neu angelegten Stadtplätze des Köpenicker Felds und als repräsentativer Schmuckplatz in Verbindung mit einer Kirche bestimmt. (3)

An seiner Westseite entstand 1845-47 das von Friedrich Wilhelm IV. gestiftete Diakonissen-Krankenhaus Bethanien mit seinen beiden schmalen Achtecktürmen beiderseits des Portals, die mit einem Glockengiebel ein weithin sichtbares Kreuzberger Wahrzeichen darstellen.

Im Frühjahr 1851 führte der Gartenkünstler Michaelis Lennés Entwürfe für die westlich der Dreiflügelanlage gelegenen Gartenanlagen und den Hof aus. Zwei Jahre später wurde der Mariannenplatz nach Lennés Entwurf als längsrechteckiger Schmuckplatz und südlich der Waldemarstraße im Halbrund, angelegt. Lennés Platzgestaltung war in je einer Achse auf Bethanien und auf die geplante Kirche ausgerichtet. Baumalleen rahmten die Längsseiten. Zwei vierreihige, quer gestellte Baumalleen gliederten den Platz in drei geometrische Teile. Rasenplätze flankierten den aufwendiger gestalteten Mittelteil. Hier umfasste ein Umgangsweg eine vertiefte ovale Fläche mit symmetrisch angeordneten Blumenbeeten. In die dicht abgepflanzten Ecken und am Weg waren Banknischen eingefügt. (4)

Im Norden der querenden Wrangelstraße bildete ab 1869 die von Friedrich Adler erbaute St.-Thomas-Kirche einen Platzabschluss und Point de vue, zugleich war sie eine städtebauliche Dominante für den nördlich davon verlaufenden Luisenstädtischen Kanal. Die Kirchplatzgestaltung wird Stadtgartendirektor Gustav Meyer zugeschrieben. (5) Durch die Freihaltung der Schmalseiten des Platzes und Lücken in den Baumreihen blieben Blickachsen von der Mariannen- und Muskauer Straße auf Bethanien und die St.-Thomas-Kirche frei. Angepflanzt wurden zunächst Götterbäume und für die Gehölzgruppen Flieder, Erbsensträucher, Ribes und Spiräen, auch viele Sommerblumen und Dahlien.

In Würdigung der Verdienste des einstigen Chefarztes der Chirurgie entstand 1883 axial zum Hauptportal des Krankenhauses ein Denkmal für Dr. Robert Ferdinand Wilms (gest. 1880 in Berlin). (6) Die Gartengestaltung am Denkmal wird Stadtgartendirektor Hermann Mächtig zugeschrieben, nach dessen Entwurf 1899-1900 auch zwei Fontänenbecken von zwölf Meter Durchmesser im Zentrum der seitlichen Rasenflächen angelegt wurden. (7)

Mächtig wirkte auch an der Umgebungsgestaltung eines Feuerwehrdenkmals mit, das 1900-1902 am südlichen Platzrand errichtet wurde und von dem keine Zeugnisse erhalten sind. (8)

Nach den Kriegsschäden infolge des Zweiten Weltkriegs wurde der Mariannenplatz von Eva Wedel 1950-52 unter Missachtung der städtebaulichen Bezüge landschaftlich umgestaltet. Ein Schuttauftrag um etwa einen Meter, geschwungene Randwege, auch ein asymmetrischer Querweg in der Platzmitte, zudem Gehölzpflanzungen an den Rändern führten zu einem veränderten Bild des Platzes. Mehrere Großgehölze aus dieser Zeit, darunter schnell wachsende Pappeln verstellen noch heute die Sichten auf dominante Gebäude der Umgebung. Die Büste des Chirurgen Wilms ist seit 1956 auf einem kubischen Sockel links vor dem Haupteingang des Krankenhauses Bethanien aufgestellt.

Durch den Bau der DDR-Grenzanlagen 1961 wurden die städtebaulichen Bezüge zum Grünzug Luisenstädtischer Kanal verstellt und der Mariannenplatz und die St.-Thomas-Kirche vom Kanalzug separiert.

Die Umgestaltung des Platzes 1978-79 nach einem Entwurf von Dietmar Grötzebach prägt dessen Bild bis heute. (9) Die im Grundriss fast symmetrische Gestaltung nahm Bezug auf das axiale System der ehemaligen Platzstruktur. Der langgezogene Rechteckplatz gliedert sich in zwei erhöhte, als Rasenflächen ausgebildete Kopfenden und einen vertieften, als Rundarena gestalteten zentralen Teil mittig vor dem Krankenhaus Bethanien. Vom Freilufttheater führt eine breite Treppenanlage, flankiert von Sitzmauern und Rampen, zum Hauptportal hinauf, während halbkreisförmige Stufen im Rasen die Verbindung zu den Kopfenden des Platzes herstellen. Geradlinige Wege mit Banknischen und Alleen mit vielen Platanen führen an den Längsseiten des Platzes entlang. Den Platz beschatten Linden, Pappeln, Eschen, Ahorn, Ulmen und Eichen.

Während einer ersten Modellsanierung in Kreuzberg vor der Internationalen Bauausstellung 1987 in den Jahren 1975-81 durch Grötzebach, Plessow & Ehlers wurde die halbrunde Häuserfront am südlichen Ende des Mariannenplatzes behutsam ergänzt. Das gepflasterte Platzsegment erhielt Hochbeete, Sitzbänke und 1980-81 einen Feuerwehrbrunnen nach Entwurf von Kurt Mühlenhaupt.

Ein 1960 errichtetes Denkmal für im Dienst verunglückte Feuerwehrleute am südlichen Platzrand setzt sich bewusst von historistischen Denkmälern und ihrer Formensprache ab, obgleich es in der Ausrichtung auf die Vorgängeranlage Bezug nimmt. Die Vorderseite der von Guido Jendritzko und Dietrich Wolf gestalteten Granitwand zeigt stilisierte Flammen im Relief. Die Umfeldgestaltung mit vorgelagertem Pflasterrechteck, Tiergartengitter und abschließender Eibenhecke stammt von Grötzebach, Plessow & Ehlers.

Im Nordwesten des Platzes erinnert seit 1995 eine Gedenkstele von Nicolaus Langhans an den von den Nationalsozialisten ermordeten Kreuzberger Widerstandskämpfer Wilhelm Lehmann (1869-1943).

Von Lennés Schmuckplatzgestaltung zeugen nur noch annähernd der äußere Platzumriss und die Alleen an den Längsseiten des Platzes sowie die baumfreien Schmalseiten. Der geometrisch gegliederte Platz um die St.-Thomas-Kirche wurde 2006 bis 2010 nach historischem Vorbild wieder hergestellt, sodass die Kirche für das Umfeld wieder einen Blickpunkt darstellt. Die regelmäßigen Platzsegmente um St. Thomas füllen überwiegend gitterumgrenzte Rasenflächen mit säumenden Platanen und einigen Gehölzgruppen aus.

Der Mariannenplatz steht auch wieder in Verbindung mit dem wieder hergestellten Grünzug des Luisenstädtischen Kanals.


(1) BusB XI 1972, S. 156, 287; Hinz, Gerhard: Peter Joseph Lenné. Das Gesamtwerk des Gartenarchitekten und Städteplaners, 2 Teile, Berlin 1989, S. 177-189, S. 189 Abb. des ausgeführten Lenné-Entwurfs von 1853; Liedtke, Wolfgang: Untersuchung des Denkmalwertes von Grünflächen in Berlin (West), Mariannenplatz (Berlin-Kreuzberg), Gutachten i. A. des Senators für Bau- und Wohnungswesen, Abt. III, Berlin 1979; Börsch-Supan, Eva u. Helmut/Kühne, Günther u. a.: Kunstführer Berlin, Stuttgart 1991, S. 180-182; Günther, Harri/Harksen, Sibylle: Peter Joseph Lenné. Katalog der Zeichnungen, hrsg. v. Heinz Schönemann, Stiftung Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci, Tübingen - Berlin 1993, S. 109 f., S. 115-119, 331, 339-341; Geschichtslandschaft Berlin 1994, S. 301-325; Dehio Berlin 2006, S. 298, 208; Kähler, Susanne: Erfassung/Inventarisation von Werken der bildenden Kunst im öffentlichen Raum Kreuzberg, Gutachten i. A. des Landesdenkmalamts Berlin, FB Gartendenkmalpflege, Berlin 2006, Nr.: 45-49; Duntze, Klaus: Der Luisenstädtische Kanal. 2. Aufl., Berlin 2011, S. 151-156, 208 ff., 283, 296 ff.

(2) "Projectirte Schmuck: u. Grenzzüge v. Berlin mit nächster Umgegend bearbeitet von dem Kön: Garten Director Lenné." In: Günther, Harri/Harksen, Sibylle: Peter Joseph Lenné. Katalog der Zeichnungen, hrsg. v. Heinz Schönemann, Stiftung Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci, Tübingen - Berlin 1993, Nr. 282, S. 109 f., 330 f.

(3) Günther, Harri, Harksen, Sibylle: Peter Joseph Lenné. Katalog der Zeichnungen, hrsg. v. Heinz Schönemann, Stiftung Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci, Tübingen - Berlin 1993, S. 115-119, 339-341; Hinz, Gerhard: Peter Joseph Lenné. Das Gesamtwerk des Gartenarchitekten und Städteplaners, 2 Teile, Berlin 1989, S. 177-189.

(4) Hinz, Gerhard: Peter Joseph Lenné. Das Gesamtwerk des Gartenarchitekten und Städteplaners, 2 Teile, Berlin 1989, S. 188 f.; Günther, Harri/Harksen, Sibylle: Peter Joseph Lenné. Katalog der Zeichnungen, hrsg. v. Heinz Schönemann, Stiftung Schlösser und Gärten Potsdam-Sanssouci, Tübingen - Berlin 1993, Nr. 309, S. 119.

(5) Wohlgemuth, Gerhard: Historismus in der Gartengestaltung des Deutschen Kaiserreiches. Der Berliner Stadtgartendirektor Hermann Mächtig, Diplomarbeit TU Berlin, Institut für Landschafts- und Freiraumplanung/FB Landschaftsplanung, Berlin 1993, S. 48.

(6) Architektonisches Skizzenbuch, 1884, Heft IV, Blatt 5; Müller-Bohn, Hermann: Die Denkmäler Berlins in Wort und Bild, Berlin 1905, S. 97; Scholz, Ute Maria Ursula: Das Leben und Werk des Bildhauers Rudolf Siemering 1835-1905, Diss. Universität Pretoria 1982, Teil 2, Nr. 59, S. 129, Abb. 67; Endlich, Stefanie; Wurlitzer, Bernd: Skulpturen und Denkmäler in Berlin, Berlin 1990, S. 47; Kähler, Susanne: Erfassung/Inventarisation von Werken der bildenden Kunst im öffentlichen Raum Kreuzberg, Gutachten i. A. des Landesdenkmalamts Berlin, FB Gartendenkmalpflege, Berlin 2006 (Typoskript), Nr. 47.

(7) Wohlgemuth, Gerhard: Historismus in der Gartengestaltung des Deutschen Kaiserreiches. Der Berliner Stadtgartendirektor Hermann Mächtig, Diplomarbeit am FB Landschaftsplanung des Instituts für Landschafts- und Freiraumplanung an der TU Berlin, Berlin 1993, S. 48f., Abb. 31, 32.

(8) Wohlgemuth, Gerhard: Historismus in der Gartengestaltung des Deutschen Kaiserreiches. Der Berliner Stadtgartendirektor Hermann Mächtig, Diplomarbeit TU Berlin, Institut für Landschafts- und Freiraumplanung/FB Landschaftsplanung, Berlin 1993, S. 48; Müller-Bohn, Hermann: Die Denkmäler Berlins in Wort und Bild, Berlin 1905, S. 97 f.; Eberhardt, Frank: Die drei Leben des Berliner Feuerwehrdenkmals. In: Eberhardt, Frank u. a.: Die Luisenstadt. Geschichte und Geschichten über einen alten Berliner Stadtteil, Berlin 1995, S. 208-213; Kähler, Susanne: Erfassung/Inventarisation von Werken der bildenden Kunst im öffentlichen Raum Kreuzberg, Gutachten i. A. des Landesdenkmalamts Berlin, FB Gartendenkmalpflege, Berlin 2006 (Typoskript), Nr. 48.

(9) BusB XI 1972, S. 156, 287; Liedtke, Wolfgang: Untersuchung des Denkmalwertes von Grünflächen in Berlin (West), Mariannenplatz (Berlin-Kreuzberg), Gutachten i. A. des Senators für Bau- und Wohnungswesen, Abt. III, Berlin 1979; Dehio Berlin 2006, S. 298 f., 308.

Literatur:
  • BusB XI 1972 / Seite 153ff.
  • Günter/ Peter Joseph Lenné, 1985Wendland/ Berlins Gärten und Parke, 1979Architektonisches Skizzen-Buch (1884) IVN.N./ (Feuerwehrdenkmal der Stadt Berlin) in
    Berliner Architekturwelt 6 (1904) / Seite 128-129
  • N.N./ (Grosse Berliner Kunstausstellung 1901. Entwurf zu einem Feuerwehrsdenkmal am Mariannenplatz, Berlin) in
    Berliner Architekturwelt 4 (1902) / Seite 123
  • N.N./ Feuerwehrdenkmal in Berlin in
    Schweizerische Bauzeitung 40 (1902) / Seite 243
  • Tagesspiegel / Seite 10.10.1997, S.19
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 233 f.