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Friedhof IV der Jerusalems- und Neuen Kirche

Obj.-Dok.-Nr.: 09046151,T
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Bergmannstraße
Hausnummer: 45 & 47
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Friedhof
Datierung: 1852
Umbau: 1863
Bauherr: Jerusalems- und Neue Kirche-Gemeinde (Kirchengemeinde, evangelisch)

Friedhöfe an der Bergmannstraße

An der Bergmannstraße beginnt ein ausgedehntes Friedhofsgelände, das bis zur Jüterboger und Züllichauer Straße reicht und dabei die Hangkante der Tempelhofer Berge bedeckt. (1) Es markiert die zweite Entwicklungsstufe in der Randwanderung der Berliner Friedhöfe. Nachdem die Friedhöfe am Halleschen Tor im frühen 19. Jahrhundert weitgehend belegt waren, mussten die innerstädtischen Kirchengemeinden neue Begräbnisplätze erschließen. Da die innenstadtnahen Friedhöfe nicht mehr erweitert werden konnten, wich man an den südlichen Stadtrand aus, wo es noch große unbebaute Flächen gab. Den Anfang machte die Dreifaltigkeitsgemeinde, die 1823 einen Weinberg in den Tempelhofer Bergen kaufte. Es folgten die Luisenstadtgemeinde, die Friedrichswerdersche Gemeinde und zuletzt die Gemeinde der Jerusalems- und Neuen Kirche, bis 1852 der gesamte Geländestreifen an der Bergmannstraße in kirchlichen Besitz übergegangen war. Bei der Gestaltung der Friedhöfe folgte man einer 1811 erlassenen Regierungsanordnung für die Mark Brandenburg, die eine geometrische Gliederung der Friedhofsflächen in Hauptwege und viereckige Grabfelder vorsah. Dahinter stand die Idee eines von der Außenwelt abgeschirmten, gärtnerisch gestalteten Campo santo. Die Friedhöfe bedeckten ursprünglich noch nicht das gesamte Gelände. Einige Flächen, vor allem im Hinterland, wurden anfangs noch landwirtschaftlich genutzt und erst allmählich mit Gräbern belegt, was eine Erweiterung des ursprünglichen Wegenetzes zur Folge hatte. Die vier Friedhöfe verfügen über eigene Kapellen und Totengräberhäuser, die an der Bergmannstraße stehen. Dort befinden sich auch die Zugänge.

(...)

Der Friedhof IV der Jerusalems- und Neuen Kirche in der Bergmannstraße 45-47 wurde 1852 als letzter Begräbnisplatz in das Friedhofsquartier eingefügt. (2) Die Gemeinden der Jerusalemskirche und der Neuen Friedrichstadtkirche, die bereits drei Friedhöfe am Halleschen Tor unterhielten, hatten zuvor von der Friedrichswerderschen Gemeinde ein Grundstück gekauft, das dem Friedhof der Luisenstadtgemeinde benachbart lag. Der schmale Begräbnisplatz wurde von einer Mittelallee und von Querwegen erschlossen, wodurch sich sechs gleich große rechteckige Abteilungen ergaben. Das ursprünglich bis zur Züllichauer Straße reichende Hinterland tauschte man 1862 gegen das nebenstehende Grundstück, das 1863 für Bestattungen hergerichtet wurde. Damit war die Südseite der Bergmannstraße in heutiger Ausdehnung vollständig mit Friedhöfen bedeckt. Durch die Erweiterung verlor die alte Mittelachse ihre Bedeutung. Man ergänzte zwei zusätzliche Alleen und verlängerte die Seitenwege. 1864 erfolgte eine Alleebepflanzung mit Lindenbäumen. Der Zaun an der Bergmannstraße wurde 1873 durch eine von J. Heydemann entworfene Einfassungsmauer mit Gitter ersetzt. Nachdem man 1888 das noch heute vorhandene Totengräberhaus errichtet hatte, erhielt der Friedhof 1891-91 eine Kapelle mit offener Bogenhalle . Baumeister Louis Arnd gestaltete den roten Backsteinbau im spätklassizistischen Rundbogenstil. (3)

Die dreiseitig umlaufende Mauer ist vollständig mit Wandgräbern belegt. Die prächtigsten Grabdenkmäler und Mausoleen stehen an der Südmauer, wo die Erbbegräbnisse in doppelter Reihung angelegt wurden. In der Blickachse der alten Hauptallee erhebt sich das neobarocke Mausoleum der Familie F. W. Borchardt (um 1890). Gleich nebenan steht das Mausoleum der Familie Rohmer, das 1895 vermutlich nach einem Entwurf des Ratszimmermeisters Friedrich Arthur Rohmer (1830-1898) in Sandstein ausgeführt wurde. (4) Die Grabstelle ist von einem aufwendig geschmiedeten Gitter umgeben. Innen besitzt das Mausoleum eine aufwendige dekorative Ausmalung. Die Altarwand ist mit einem großflächigen Glasmosaik geschmückt, das die Firma Puhl & Wagner in Rixdorf nach Entwurf von Paul Mohn schuf. Dargestellt sind die christlichen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung, die in menschlicher Gestalt vor einer Stadtkulisse stehen. Neben dem neobarocken Mausoleum der Familie H. Jordan (um 1900), das sich durch einen gesprengten Giebel auszeichnet, ist das Mausoleum J. H. Federer zu erwähnen, das 1899 von Louis Arnd in Gestalt einer neogotischen Backsteinkapelle errichtet wurde. (5) Auf das Mausoleum des Fabrikanten C. Stieghahn (um 1900) machen in die Portalnische eingestellte dorische Säulen aufmerksam. Die über einer Eisenkonstruktion errichtete Kuppel fehlt heute.

Die ältesten Wandgräber des Friedhofs zeigen den Übergang von strengem spätklassizistischen Dekor zu einer reicheren Gestaltung in Neorenaissanceformen. Ein Beispiel dafür ist das 1872 über einem Muschelkalksockel erbaute Wandgrab des Terrakotta- und Architekturdekorfabrikanten Friedrich Wilhelm Dankberg (gest. 1866), das sich aus Terrakottaformsteinen zusammensetzt. Im Neorenaissancestil sind die beiden Grabmäler gestaltet, die der Architekt Hermann von der Hude (1830-1908) für sich sowie für den Diplomaten Kurt von Schlözer (1822-1894) entwarf. Bruno Schmitz, gefragter Denkmalarchitekt im deutschen Kaiserreich, gestaltete zwei bedeutende Grabstätten. Das um 1899 aus grauem Basalt gefügte Grabmal für Bertha Wolff, geb. Carp (1845-1896) und Georg Wolff (1845-1904) zitiert mit seiner neoromanischen Blendnische und der davor aufgestellten Sitzfigur das 1896 eingeweihte Kyffhäuserdenkmal im Harz. Die steinerne Barbarossafigur ist hier jedoch durch eine aus Bronze gegossene bärtige Chronosfigur ersetzt, die der Bildhauer Hans Latt schuf. Ein bedeutendes Werk des symbolistischen Jugendstils ist das in hellgrauem Muschelkalk ausgeführte Erbbegräbnis des Papierfabrikanten Max Krause (1838-1913), das 1907 nach einem langen künstlerischen Entwicklungsprozess errichtet wurde. (6) Bruno Schmitz gestaltete einen von Bänken und Inschriften umgebenen Triumphweg, der auf ein wuchtiges Grabportal mit bronzebeschlagener Tür zuführt. Zwei monumentale Wächterfiguren, acht grimmige Masken und fünf unbekleidete Atlanten bewachen das Tor zur Unterwelt. Die Bildhauerarbeiten stammen von Franz Metzner, der für Bruno Schmitz auch den bildkünstlerischen Schmuck des Leipziger Völkerschlachtdenkmals schuf. Ein Beispiel für die schlichte Einfachheit, die sich nach 1920 in der Grabgestaltung durchsetzte, ist die schmucklose Grabwand der Familie Otto Münchow (1926).

Unter den Einzelgräbern ist das Grabdenkmal der Familie Frese (um 1904) hervorzuheben. Am Kopfende der Grabstelle steht eine Stele aus poliertem Granit, die zusätzlich mit einem geschmiedetem Eichenlaubkranz verziert ist. Eiserne Eichenlaubgirlanden verbinden das Grabmal mit zwei seitlichen Pfosten. An Dorothea und Alwin Stahr (1836-1892) erinnert ein Obelisk aus Granit. Die aus Bronze gegossene Trauernde, die sich davor erhebt, schuf der Bildhauer Carl Bernewitz. Das Grab des Bildhauers Fritz Schaper (1841-1919) ist nur mit einem einfachen Stein gekennzeichnet.


(1) Zu den Friedhöfen an der Bergmannstraße vgl. "O ewich ist so lanck". Die Historischen Friedhöfe in Berlin-Kreuzberg. Ein Werkstattbericht, hrsg. v. Christoph Fischer und Renate Schein, darin v. a. Fischer, Christoph: Die historischen Friedhöfe in Berlin-Kreuzberg. Zur Entstehungsgeschichte, S. 17-52, Lemburg, Peter: Repräsentative Architekturgrabmäler auf den Kreuzberger Friedhöfen in ihrer stilistischen Entwicklung, S. 73-104, Einholz, Sibylle: Die Berliner Bildhauerschule und die Kreuzberger Friedhöfe, S. 105-125 sowie Kleines Künstlerlexikon der Berliner Bildhauerschule für die Kreuzberger Friedhöfe am Halleschen Tor und in der Bergmannstraße, S. 125-128; Hammer 2001, S. 86-93; Gartendenkmale in Berlin. Friedhöfe, Petersberg 2008, S. 56-67, 72-75.

(2) BusB X A (3), S. 93; Hammer 2001, S. 90-91; Gartendenkmale in Berlin. Friedhöfe, Petersberg 2008, S. 65-67.

(3) Die seitlichen Schrifttafeln enthalten folgende Inschriften: "Christus ist mein Leben / und Sterben mein Gewinn. / Phil. 1, 21" (Südseite) sowie "Es ist noch eine Ruhe / vorhanden dem Volke Gottes. / Hebr. 4, 9" (Nordseite).

(4) Die erste Bestattung betraf Friederike Albertine Elise Rohmer, geb. Kagermann (1840-1895). Das Mausoleum Rohmer wurde 2005-06 mit Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Müller-Klein-Rogge-Stiftung restauriert.

(5) Heute ist das Mausoleum mit "Dr. W. Pickenbach" beschriftet.

(6) Die Gruft wurde 1958-60 i. A. der Familie umgebaut. 1987-88 wurde eine Restaurierung vorgenommen.

Literatur:
  • BusB X A 3 1981 / Seite 93
  • Gartendenkmalpflege 7 (1992) / Seite .
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 422, 426 ff.
Teilobjekt Friedhofskapelle & Totengräberhaus
Teil-Nr.: 09046151,T,001
Sachbegriff: Friedhofskapelle & Totengräberhaus
Datierung: 1888-1891
Ausführung: Arnd, Louis