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Vorgarten des Landhauses Bernhard

Obj.-Dok.-Nr.: 09046148
Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
Ortsteil: Grunewald
Strasse: Winkler Straße
Hausnummer: 11
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Vorgarten
Datierung: 1905-1906
Umbau: 1989
Entwurf: Muthesius, Hermann (Architekt)
Bauherr: Bernhard, Eduard (Ingenieur & Fabrikant)

Wie eng fort- und rückschrittliches Bauen im ersten Jahrzehnt nach der Jahrhundertwende zusammenlagen, zeigt der Vergleich zweier unzweifelhaft herrschaftlicher Anlagen, Winkler Straße 11 und Winkler Straße 7. Muthesius führte mit dem Landhaus für den Ingenieur und Fabrikanten Eduard Bernhard 1905/06 in der Winkler Straße 11 die moderne Richtung in der Landhausarchitektur vor. Auch er verzichtet nicht auf die große Geste, unterstreicht den Anspruch der gesamten Anlage durch die repräsentative Einfriedung mit schwerem Natursteinsockel, die dekorative Zufahrt, vor allem aber durch die Symmetrie der Hauptfassade und das mächtige Mansardwalmdach, vor dem der prägnante Giebel das Bild beherrscht. Das Neue ist der Verzicht auf jegliches historisierende Schmuckwerk und auf ein neues Verhältnis der einzelnen Bauglieder zueinander. So hebt das Motiv des Mittelgiebels eine wertende Gewichtung der Geschosse auf und ein an sich nur untergeordnetes Detail wie das engmaschige Raster der Holzbrüstungen verbindet Erd- und Obergeschoß. Bislang ungewöhnliche Fensterproportionen an den seitlichen Polygonalerkern und im Obergeschoß und klare geometrische Formen geben der Hauptfassade eine Leichtigkeit, die die Landhausarchitektur bis zu diesem Zeitraum nicht kannte. (278)

Der Garten Bernhard dokumentiert mustergültig den von Muthesius in Publikationen propagierten Architekturgarten zu Beginn des 20. Jahrhunderts. (279) Nach einer Grundstücksteilung in den sechziger Jahren, die jedoch schon von Anbeginn vorgesehen war und folglich die gesamte Planung d.h. auch die Plazierung des Gebäudes beeinflußte, ist heute nur noch der großzügig bemessene Vorgarten mit seiner interessanten Höhenabwicklung erhalten. (280) Mit der Terrassierung in unterschiedlich tiefe Ebenen entstand ein nutzbarer und zugleich repräsentativer Vorgarten, der in engster Beziehung zu den ehemaligen Hauptwohnräumen des Hauses steht, wie sie von Muthesius so nachdrücklich gefordert wurde. Das Rasenparterre mit Hochstammrosen und Baumbewuchs ist zwar regelmäßig gestaltet, jedoch unterbricht es vorteilhaft die Axialität des Vorgartens, die durch die Hausfassade vorgegeben wird. Die geschnittenen Hecken und die Bodenmodellierungen bewirken eine starke räumliche Gliederung, so daß bei diesem Vorgarten nicht von bloßem Abstandsgrün zwischen Haus und Straße gesprochen werden kann, wie dies leider bei den meisten Vorgärten anzutreffen ist. Gerade durch die Einfügung des zum Gehweg parallel laufenden Weges, der Böschung sowie des Pavillons als "Wegestation" und Ausguck erhält der Vorgarten nicht nur zusätzliche Gestalt, sondern auch weitere Aufenthaltsqualität. Mit dem Pavillon werden darüberhinaus städtebauliche Akzente in der Winkler Straße gesetzt.


278) Das Grundstück lief ursprünglich bis zur Trabener Straße durch. Der exzellente Garten fiel in der Nachkriegszeit durch Teilung einer Neubebauung zum Opfer. Das Innere wurde 1971 und 1983 durch Umbauten verändert.

279) Hermann Muthesius, Landhaus und Garten, München 1907, S. 25f.

280) Reinald Eckert, Gartendenkmalpflegerisches Gutachten zur Wiederherstellung des Vorgartens Bernhard, Auftraggeber: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz, Berlin 1989.

Literatur:
  • Muthesius, Landhaus und Garten, 1910 / Seite 22f.
  • Muthesius, Landhaus und Garten, 1907 / Seite 26f.
  • Muthesius, Landhaus und Garten, 1912 / Seite 91f.
  • Muthesius, Hermann =Das deutsche Landhaus 4 (1908) / Seite 329
  • Blätter für Architektur und Kunsthandwerk 20 (1907) / Seite 31f.
  • Berliner Architekturwelt 10 (1907/08) / Seite 154f.
  • Dekorative Kunst 18 (1910) / Seite 16-19
  • Topographie Wilmersdorf/Grunewald, 1993 / Seite 150, 152
  • BusB IV C 1975 / Seite .