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Friedhof der Märzgefallenen

Obj.-Dok.-Nr.: 09046080,T
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Friedrichshain
Strasse: Landsberger Allee
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Friedhof
Datierung: 1848
Umbau: 1925 & 1948-1957
Ausführung: Hoffmann, Ludwig Ernst Emil (Architekt)
Entwurf: Mucke, Hans

Der Friedhof der Märzgefallenen von 1848 und der Opfer der Novemberrevolution von 1918 befindet sich auf dem ehemaligen Lindenberg im südlichen Parkteil des Friedrichshains. Die Anlage entstand in schlichter Gestaltung für die Opfer der Straßenkämpfe vom 18.-19. März, die hier am 22. März 1848 bestattet wurden. Die quadratische Friedhofsfläche wurde durch vier Diagonalwege und einen umlaufenden, von den Gräberreihen umgebenen Weg erschlossen. Das Zentrum der Anlage bildete ein Rondell mit einer Linde. Die mehrfachen, auch im Zuge der wiederholten Gedenkveranstaltungen des 19. Jahrhunderts unternommenen Verschönerungsversuche der Anlage, wie der 1898 eingereichte Entwurf eines Eingangsportals von Ludwig Hoffmann, scheiterten am Widerstand der Behörden. Eine bedeutende gärtnerische Verschönerung und Wiederherstellung des Friedhofes wurde 1900 nach einem Plan des Stadtgartendirektors Hermann Mächtig ausgeführt. (1) Mächtig ließ die Wege und die Bepflanzung erneuern, wobei der Friedhof an der Einfriedung von immergrünen Gehölzen dicht abgeschirmt wurde.

Seine heutige Gestalt geht jedoch auf Veränderungen in diesem Jahrhundert zurück. Der Friedhof wurde Mitte der zwanziger Jahre von Ludwig Hoffmann umgestaltet, wobei das ursprünglich in mehreren Reihen gegliederte Feld die jetzige Form einer dreiseitig umrandeten Anlage erhielt. Nach Hoffmanns Entwurf wurde 1925 ein neues Eingangsportal gestaltet. Die schon dezimierte Ausstattung wurde neu angeordnet. Diesen Zustand berücksichtigte Hans Mucke bei seinem Entwurf, der als Grundlage für die vermutlich 1947 begonnene Wiederherstellung diente. (2)

Dieser Friedhof hat nicht nur im Hinblick auf die Revolution und deren gewaltsame Niederschlagung Bedeutung. In der Folge entwickelte er sich zu einer "Demonstrationsstätte der Berliner Arbeiterbewegung" und gleichzeitig zum Ort direkter Konfrontation zwischen demokratisch gesinnten Bürgern und Staat. Zu jedem Jahrestag trafen Tausende von Mitkämpfern und Sympathisanten bei ihrem Gedenkzug zum Friedhof auf die dort versammelten Gegenkräfte des Staates - Polizei und Militär. (3) Dieser Tradition folgend fanden auch die Opfer der Novemberrevolution am 20. November und am 21. und 29. Dezember 1918 hier ihre letzte Ruhe. Der Friedhof, der von den Nationalsozialisten zerstört worden war, wurde 1948 anläßlich des einhundertjährigen Gedenkens wiedereingerichtet und mit der Aufstellung einer Granitstele, die eine Inschrift und die Namen der Opfer beider Revolutionen trägt, zur Gedenkstätte erklärt. Spätestens seit der Gestaltung des südlichen Teilstückes mit drei leicht gewölbten, Sarkophagplatten nachempfundenen Gedenksteinen mit Inschriften Liebknechts, Ulbrichts sowie den Namen gefallener Arbeiter und Soldaten vom November/Dezember 1918 wurde das vorher von einzelnen Bevölkerungsgruppen getragene Andenken mit nun alljährlich am 18. März verordneten Gedenkfeiern vom Staat ideologisch vereinnahmt. (4)

Seit 1960 steht vor dem Friedhof die von Hans Kies geschaffene überlebensgroße Bronzefigur "Roter Matrose" zum Andenken an die während der revolutionären Kämpfe in Berlin gefallenen Matrosen der Volksmarinedivision.


(1) Zu Einzelheiten der Anlage vgl.: Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR, Hauptstadt Berlin I, 439 f.; Abraham, S. 20 ff.; Erhalten, zerstören, verändern, S. 44; Wohlgemuth, S. 108 f.; Greiner, Bd. I, S. 21 f, Bd. II, S. 21f.

(2) Vom ursprünglichen Bestand sind noch erhalten: Gräber, 18 steinerne Grabplatten, eine Stele, drei eiserne Grabkreuze und zwei gußeiserne Denkmäler in Form von aufrechtstehenden Kanonenrohren mit Kugel, Anker und gekreuzten Fackeln.

(3) Erhalten, zerstören, verändern, S. 44.

(4) Das Datum der Anlage dieses im Rahmen der Neuordnung des Friedhofes seit 1948 im südlichen Bereich hinzugefügten Teils ist ungewiß.

Literatur:
  • Abraham, H., Der Friedrichshain, 1988 / Seite 20-30
  • Reclam Berlin, 1991Erhalten, Zerstören, Verändern? Ausst.-Kat. Berlin 1990Topographie Friedrichshain, 1996 / Seite 102
Teilobjekt Gedenkstein
Teil-Nr.: 09046080,T,001
Sachbegriff: Denkmal
Datierung: 1948
Teilobjekt Gedenksteine
Teil-Nr.: 09046080,T,002
Sachbegriff: Gedenkstein
Datierung: 1951/1975