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Krankenhausgarten am Städtischen Klinikum Buch, Medizinischer Bereich I (Städtisches Krankenhaus Berlin-Buch) mit Brunnen und Gartenplastik und Holzpavillons & Freiflächen des Instituts für Kortiko-Viscerale Pathologie und Therapie,

Obj.-Dok.-Nr.: 09046072
Bezirk: Pankow
Ortsteil: Buch
Strasse: Wiltbergstraße
Hausnummer: 48 & 50 & 58 & 60 & 64 & 66 & 88 & 90
Strasse: Pölnitzweg
Hausnummer: 63
Strasse: Röbellweg
Hausnummer: 39
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Krankenhausgarten & Brunnen & Gartenplastik & Pavillon
Datierung: 1910-1914 & 1956-1958
Entwurf & Ausführung: Hoffmann, Ludwig (Architekt)
Entwurf: Ehrlich, Franz (Architekt)

Der Krankenhausgarten der IV. Städtischen Irrenanstalt (Genesungsheim), Wiltbergstraße 50/92 von Ludwig Hoffmann könnte bezüglich der städtebaulichen Struktur und Freiraumgestaltung als eine Synthese seiner beiden Vorgängeranlagen in Buch betrachtet werden. Wie bei der III. Städtischen Irrenanstalt an der Karower Straße und dem Alte-Leute-Heim entwickelte er ein symmetrisch angelegtes geometrisches System von Wegeachsen und Gartenbereichen, das erlaubt, die Anlage nach allen Richtungen zu durchlaufen, aber gleichzeitig auch geschützte Aufenthaltsbereiche im Freien bietet. So sind alle geradlinigen Wegeachsen in Ost-West-Richtung durchgehend konzipiert, während sie in Nord-Süd-Richtung nur immer einen Teil der Anlage durchziehen, um dann zu einem abschließenden Gebäude als Blickpunkt zu führen. Hoffmann wollte durch die geschickte Einbettung der zahlreichen großen Gebäude in großzügige, formal architektonisch konzipierte Freiräume, die durch Alleen, Baumreihen und Hecken strukturiert und separiert sind, den Eindruck von Massenunterkünften vermeiden. (1) Die Hauptgebäude für die Verwaltung, Unterhaltung und Wirtschaft sind wie bei den vorherigen Anlagen der breiten repräsentativen Mittelachse zugeordnet. Die städtebauliche Anlage zeigt beiderseits dieser zentralen Achse spiegelsymmetrisch je einen kleineren quadratischen, bis auf eine Säulenkolonnade vollständig umbauten Gartenhof, kombiniert mit einem südlich davon angelegten größeren, offeneren und von Patientenhäusern umstelltenGartenhof.

Ursprünglich war der gesamte innere Anstaltsbereich von einer Mauer mit mehreren Nebeneingängen umgeben. An der Südwestallee ist heute nur noch ein Teil davon erhalten, die Tore und Hecken zu den Querstraßen sind nicht bewahrt. Der Haupteingang befindet sich im Süden der Anlage, er liegt nicht direkt an der Wiltbergstraße, sondern ist über eine alleeartige Zufahrt mit einem schlichten Pförtnerhäuschen erreichbar. Südlich dieser Allee befinden sich die ursprünglich für Krankenhausangestellte konzipierten Einzelwohnhäuser. Die heute privat genutzten Wohnhäuser weisen von Hainbuchenhecken eingefasste Gärten auf. Gegenüber dem aufwändig gestalteten Verwaltungsbau mit dem Haupteingang in der Mittelachse der Anlage öffnen sich die Wohnhäuser zu einem kleinen, diesen zentralen Ort betonenden Platz. Ein runder Brunnen aus Muschelkalk von Ignatius Taschner, der einen Knaben mit zwei Fischen zeigt, bildet einen Blickpunkt.

Die repräsentative 150 Meter lange zentrale Hauptachse zwischen dem Verwaltungsgebäude und dem durch einen monumentalen Portikus geschmückten Unterhaltungshaus ist der öffentliche Erholungs- und Promenadenbereich der Anlage. Sie zeigt ein abgesenktes, von Hecken gesäumtes und durch einen zentralen Springbrunnen und Rundbeete akzentuiertes Rasenparterre mit rechteckigen Flächen, dessen Raumwirkung durch die begleitendenLindenalleen noch betont wird. Beidseitig des Rasenparterres führt jeweils unter zwei Reihen der Lindenallee ein Fußweg vorbei, den am äußeren Rand zum Fahrweg hin niedrige Hecken und anschließende Rasenstreifen abgrenzen. Die Alleebäume stehen innerhalb der Rasenflächen. Beidseitig der Wege sind Bankplätze aus den Rasenflächen ausgespart. Wiederum erzielte Hoffmann nur mit wenigen geometrischen Anlagen, raumbildenden Pflanzungen und Schmuckelementen eine große Wirkung. Drei Standorte innerhalb der Hauptachse sind mit Brunnen und Skulpturen, überwiegend von Ignatius Taschner, hervorgehoben. Der zentrale Springbrunnen ist in der Achse der Eingänge zu den Pflegehäusern errichtet worden. Sein rundes Becken schmücken Schildkröten. Zwei mit einem Hasen spielende Kinder, Junge und Mädchen mit einem Hund im Rücken, bekrönen einen halbhohen Sockel inmitten eines Rundbeetes auf dem geometrischen, die Hauptachse fortsetzenden Rasenplatz vor dem Durchgang des Verwaltungshauses. Ein ähnliches Motiv, eine lesende Kindergruppe mit einer Katze, war ursprünglich in entgegengesetzter Richtung auf dem geometrischen Platz vor dem Saalbau platziert, sie befindet sich heute zwischen Haus 132 und Franz-Ehrlich-Bau. Spiegelbildlich auf jeder Seite der Gesamtanlage liegen die von je drei Patientenhäusern umgebenen Gartenhöfe. Die großen Höfe werden durch mittlere Alleen in jeweils zwei den begrenzenden Häusern zugeordnete Gärten geteilt. Charakteristische Elemente des noch weitgehend im Originalzustand erhaltenen westlichen Hofes sind außer der den Hauptweg begleitenden Lindenallee und Heckeneinfassungen ein streng rechtwinklig angeordnetes und kleinteiliges Wegesystem, das von neu gepflanzten Ahornbäumen begleitet wird. Die Kreuzungspunkte werden von vier echteckigen Holzpavillons sowie in der Mitte von einer im Grundriss achteckigen Brunnenanlage von Josef Rauch betont. Im westlichen Garten ist das Wegesystem im Laufe der Zeit verschwunden, nur die Mittelallee ist erhalten.

Die nördlich davon liegenden kleineren Gartenhöfe besaßen ähnlich dem Modell des Alte-Leute-Heims von Bäumen eingefasste und durch Wege geometrisch strukturierte Rasenflächen, die in der Mitte mit Rondell und Brunnen ausgestattet waren. Der östliche Hof ist heute durch einen 1942 hinzugefügten Luftschutzbunker teilweise zugebaut. Eine Skulptur von Georg Wrba, die sich hier befunden hat, steht jetzt im Hofgarten der ehemaligen Wohnhäuser für Männer im Nordwesten der Anlage. Der westliche kleine Gartenhof wird von umlaufenden Kastanienreihen gefasst und besitzt noch ein zentrales Brunnenbecken mit einer Skulpturengruppe von Georg Wrba - zwei Kinder, die ein Buch und eine Taube halten.

Die Verbindung der kleineren nördlichen Gartenhöfe mit den großen südlich gelegenen Höfen wurde von Hoffmann durch Säulenhallen gestalterisch betont. Sie grenzen die vollständig umbauten Bereiche der kleinen Höfe ab, erlauben aber interessante und malerische Durchblicke. Das Kolonnadenmotiv wiederholte Hoffmann noch mehrfach zur Gestaltung von Loggien an den Gartenseiten der Patientengebäude.

Franz Ehrlich entwarf 1956 nicht nur das nordwestlich hinter der abschließenden Querallee des Genesungsheims liegende Gebäude des Instituts für Kortiko-Viscerale Pathologie und Therapie, sondern auch die damit zusammenhängenden Gartenanlagen. Der Architekt begrenzte den zu Seiten der Hoffmannschen Anlage mit Kastanien bepflanzten Weg auf seiner Seite mit einer Birkenreihe. Die Birke wurde, auch wegen ihrer heiterfreudigen (2) Erscheinung, in den Grünplanungen der 1950er Jahre häufig verwendet. Ehrlich legte bei der Konzeption der Anlage im Gegensatz zu Hoffmanns geometrischen Gestaltungen großen Wert auf die Einbindung in die natürliche Umgebung des Bucher Forsts und umgab seine Klinik mit Gruppen von Nadelgehölzen, die er zu Hoffmanns Bauten hin jedoch deutlich auflockerte. Die Anpflanzungen in Verbindung mit den für die 1950er Jahre typischen Natursteinmaterialien der Wege, Mauern, Treppen und Terrassen sind durch starke Farb- und Formkontraste charakterisiert. Das Gebäude ist um zwei unterschiedliche große, in sich geschlossene Gartenhöfe angeordnet, die mit den Innenräumen durch raumhohe Glaswände in einer engen Wechselbeziehung stehen. Der große trapezförmige Gartenhof ist in seiner baulichen Anlage, mit seinem Wegesystem und den Terrassenstufen in einem abfallenden Gelände, im Wesentlichen erhalten. Auf Ehrlichs Entwurf gehen die Raumstruktur mit dem Wasserbecken, den Beeten, der Gehölzauswahl und der Anordnung der Pflanzen zurück. (3) Der kleine Gartenhof ist in seiner Originalfassung mit Mauern, Wegeverläufen und Bepflanzung erhalten. (4)


1) Hoffmann 1921/22, S. 327. Zum Genesungsheim und zum Institut für für Kortiko-Viscerale Pathologie und Therapie vgl. auch: Büro Dr. Jacobs und Hübinger: Klinikum Buch, Medizinischer Bereich I, Wiltbergstraße 50, Gartendenkmalplfegerisches Gutachten zu den Außenanlagen des MB I, Berlin 1993, Archiv Landesdenkmalamt Berlin.

2) Schiller, Hans: Gartengestaltung. Die Gestaltungsgesetze, Planung und Durchführung öffentlicher Grünanlagen und privater Gärten. Berlin und Hamburg 1952, S. 84.

3) Der Belag der Wege und Terrassen aus den für die 1950er Jahre typischen polygonalen Schieferbruchplatten ist ersetzt worden.

4) Im bepflanzten Atrium stand ursprünglich die Bronzeplastik "Mutter mit Kind" von Waldemar Grzimek (1918-1984). Sie wurde auf den Campus Berlin-Buch, Robert-Rössle-Straße 10, vor das ehemalige Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung versetzt. Zu Franz Ehrlich allgemein siehe Schöbe, Lutz: Franz Ehrlich. Kunst und Gestaltung. Dessau 1987; Schöbe, Lutz: Franz Ehrlich. In: Vom Baumeister zum Komplexprojektanten. Architekten in der DDR. Berlin 2000; der Nachlass Franz Ehrlichs befindet sich im Archiv der Stiftung Bauhaus Dessau.

Literatur:
  • Keil, Barbara: Baudenkmale in Pankow, Berlin 1993 / Seite 21
  • Architektonische Rundschau 24 (1908) 6 / Seite .
  • Götz, N.; Berger, Ursel; Ignatius, Taschner: Ein Künstlerleben zwischen Jugendstil und Neoklassizismus, München 1992 / Seite .
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin II, Berlin 1987 / Seite .
  • Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Beiheft 10, 1983 / Seite .
  • Reclam Berlin, 1991 / Seite 132
  • Reichardt, Schäche: Ludwig Hoffmann, 1983, 1986 / Seite .
  • Topographie Buch, 2010 / Seite 114ff.