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Grünanlagen des Studentendorfes Schlachtensee

Obj.-Dok.-Nr.: 09045991
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Nikolassee
Strasse: Wasgenstraße
Hausnummer: 75
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Grünanlage
Datierung: 1959-1964
Entwurf & Ausführung: Mattern, Hermann (Gartenarchitekt)

Die Planung der Grünanlagen am Studentendorf Schlachtensee übernahm Hermann Mattern. (1) Die Idee des scheinbar autarken Dorfes bildete die Ausgangsbasis der Gestaltung als autofreier Wohnbezirk mit nur gelegentlichem Anlieferverkehr. Die Bodenmodellierung und die darin eingefügten Gebäude machen den "Dorfcharakter mit Arbeitsatmosphäre" auch heute noch deutlich: Im Zentrum an tiefster Stelle befindet sich das heute so genannte "Rathaus", um das sich in ansteigender Lage die Wohnbauten gruppieren. Aufgeschüttete Wälle grenzen das Gelände zu den Straßen hin ab, sie bieten zumindest visuellen Schutz zum umgebenden Verkehr und verstärken die beabsichtigte Abschottung zur Umgebung.Die ursprünglichen Wege sind weitgehend erhalten. Sie bestehen aus diagonal verlegten Kunststeinplatten, die an Wegeverbreiterungen und Plätzen durch Granitpflaster ergänzt werden. Das in der Planzeichnung ein eher kunstvolles Zickzackmuster darstellende System folgt dabei durchaus den funktionalen Wegebeziehungen zwischen den Gebäuden und den als Einschnitte in die Wälle eingegrabenen Zugängen. Sich zwischenzeitlich ergebene Trampelpfade wurden ebenfalls mit Rechteckplatten befestigt. Die Vegetationsbestände sind dagegen stärkeren Veränderungen unterworfen. Die als Leitbaum gepflanzten Birken prägen nach wie vor das Erscheinungsbild, jedoch verdichtet der Aufwuchs von Ahornbäumen zunehmend den lichten Charakter und verdrängt die auf den Wällen gepflanzten Wildrosen, Sanddorn- und Feuerdornsträucher. Im Innern ersetzen Rasenflächen die einstige Pflanzung aus Wildgräsern und Stauden, die als extensive Initialbegrünung auf kargem Sandboden mit geringem Pflegeaufwand gedacht war. Neben dem Rathaus dient ein Wasserbecken zur Akzentuierung des zentralen Gemeinschaftsplatzes - es fügt sich mit seiner Dreiecksform harmonisch in das Wegesystem ein. Die Freilichtbühne an der Rückseite des Rathauses ist nur noch in Resten mit den stark überhöhten Rasenwellen des einstigen Zuschauerraums erhalten. Das östlich anschließende Bühnenoval wurde beim Bau der 1976-78 errichteten Wohnanlage zerstört. Einen weiteren Eingriff stellt die Abtrennung des südlichen Parkplatzes zugunsten einer Neubebauung dar. Die Gesamtkonzeption, die sich durch Bodenmodellierung, Wegenetz und Pflanzthemen auszeichnet, soll in den nächsten Jahren auf Grundlage eines Pflegewerkes wieder herausgearbeitet werden. Damit wird die bedeutende Planung der 1950er Jahre, die eine Neuorientierung der Landschaftsarchitektur nach 1945 in einzigartiger Weise dokumentiert, ihrer besonderen Stellung auch im Kontext mit der Bebauung wieder gerecht werden.


1) Hermann Mattern (1902-1971) hatte 1949 an der Staatlichen Hochschule der Bildenden Künste Kassel die Abteilung Landschaftskultur gegründet und übernahm ab 1961den Lehrstuhl für Landschaftsbau und Gartenkunst an der Technischen Universität Berlin. Zu den Außenanlagen des Studentendorfes vgl. Mattern, Hermann. In: Garten und Landschaft 1962, H. 12, S. 357; Hermann Mattern 1902-1971, Gärten, Gartenlandschaften, Häuser (= Ausstellungskat. 135 der Akademie der Künste), Berlin 1982, S. 35, 37, 62.

Literatur:
  • Mattern, Ausstellungskatalog, Berlin 1982 / Seite 32 & 35 & 37 & 39 & 62f.
  • Garten und Landschaft 12 (1962) / Seite 357f.