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Garten des Landhauses Wiegand

Obj.-Dok.-Nr.: 09045988
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Peter-Lenné-Straße
Hausnummer: 28 & 30
Strasse: Drygalskistraße
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Villengarten
Datierung: 1911-1912
Entwurf & Ausführung: Behrens, Peter (Architekt)
Entwurf & Ausführung: Köhler, Richard W. (Gartenarchitekt)
Bauherr: Wiegand, Theodor (Archäologe)

In dem 5.000 Quadratmeter großen Garten des Hauses Wiegand, Peter-Lenné-Straße 28/30, konnte Peter Behrens seine Vorstellungen eines architektonischen Gartens verwirklichen. (1) In streng orthogonalen Formen gestaltete er verschiedene Gartenräume, welche in enger Beziehung zur Fassadengliederung und den Proportionen der Innenräume stehen. Beherrscht wird die Anlage durch eine das Gebäude und Garten durchdringende Mittelachse, die am Eingang mit dem einstöckigen Peristyl beginnt, sich im Haus durch die Anordnung der Räume fortsetzt und schließlich im Garten über Terrassen und Treppen zu einem quadratischen Schmuckplatz mit Brunnen und Pergola führte. Die Ausführung des Gartens erfolgte 1911-12 durch die renommierte Firma Richard Köhler, die in Dahlem zeitgleich auch fast alle öffentlichen Parks anlegte.

Durch den Neubau für das Deutsche Archäologische Institut auf der östlichen Gartenhälfte ist heute nur noch der 1987 in Anlehnung an den historischen Bestand wiederhergestellte hausnahe Bereich erhalten. Die ursprüngliche Gestaltung kann jedoch aufgrund geschickter Integration des neuen Verwaltungsbaues und Erhalt der axialen Wegeverbindung durchaus nachvollzogen werden.

Vom Laubengang und seinem rechtwinklig vorgelagerten Pavillon aus hatte man früher durch den Höhenunterschied einen Ausblick über den Tennisplatz und den gegenüberliegenden "wilden Garten", der als bewusster Kontrast inszeniert wurde. (2) Beide bestehen nicht mehr. Tennisplatz und seitlich an der Grenze liegender Nutzgarten mussten einer Tiefgarage und Parkplätzen weichen, die jedoch vom Garten aus kaum wahrzunehmen sind.

Besonders hervorzuheben sind die zahlreichen aufgestellten Kunstwerke. Das Peristyl wird durch eine Marmorschale geschmückt, welche, von drei Doppelhermen getragen, wohl römisch-antiken Ursprungs ist. (3) Im seitlichen, an verändertem Standort wiederhergestellten Rosengarten steht ein Grabaltar aus Thyateira, die Terrasse schmückt unter anderem ein antikes Pfeilerkapitell aus weißem Marmor und die von dem Künstler Georg Christian Freund Ende des 19. Jahrhunderts geschaffene Bronzestatue eines Bocciaspielers. Erwähnenswert ist auch die fast zwei Meter große Terrakottafigur der Friedensgöttin "Eirene mit dem Plutosknaben", welche nach einem Gipsabdruck von der March'schen Fabrik in Berlin ausgeführt wurde.(4)

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(1) Siehe Gartendenkmale in Berlin: Privatgärten 2009, S. 144 mit weiterführenden Literaturangaben. Der 1911 gezeichnete Gartenplan ist von Peter Behrens unterschrieben.

(2) Liebermann-Villa am Wannsee (Hrsg.): Ein Paradies entsteht wieder, Ausstellungskat. Berlin o.D., S. 24 ff.

(3) Hoepfner, Wolfram/ Neumeyer, Fritz: Das Haus Wiegand von Peter Behrens in Berlin-Dahlem, Mainz 1979, S. 141.

(4) Hoepfner, Wolfram/ Neumeyer, Fritz: Das Haus Wiegand von Peter Behrens in Berlin-Dahlem, Mainz 1979, S. 140 f.

Literatur:
  • BusB IV C 1975 / Seite 92f.
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 123
  • Blätter für Architektur und Kunsthandwerk 28 (1915) 1 T 1-3 / Seite 1
  • Wasmuths Monatshefte für Baukunst 3 (1918/19) / Seite 265ff.
  • Moderne Villen und Landhäuser, 1924 / Seite 62ff.
  • Privatgärten in Berlin, Petersberg 2005 / Seite 144