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Fischtalpark

Obj.-Dok.-Nr.: 09045983
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Zehlendorf
Strasse: Onkel-Tom-Straße & Riemeisterstraße & Wilskistraße
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Parkanlage
Datierung: 1918-1924
Umbau: 1925-1929
Entwurf & Ausführung (?): Schubert, Emil (Gartenarchitekt)
Entwurf & Ausführung (?): Dietrich, Max (Gartenarchitekt)

Der ca. 9 Hektar große Park besteht aus zwei durch die relativ verkehrsarme Riemeisterstraße getrennten Bereichen. Der später fertiggestellte nordöstliche Teil zur Waltraudstraße hin hat einen rinnenförmig wirkenden, schlauchartigen Charakter. Das mittig liegende wiesenartige Gelände wird an beiden Längsseiten überwiegend von Koniferen (Grunewaldkiefern) eingerahmt und erinnert so an ein von einem Wald eingeschlossenes Tal. Entlang dieser Bäume führt zu beiden Seiten ein Weg. Der südwestliche Teil weitet sich von der Riemeisterstraße zur Onkel-Tom-Straße hin birnenförmig aus. An der tiefsten Stelle gibt es einen Teich mit heute dichtem, zur Entstehungszeit noch nicht vorhandenem Gehölzbestand. (1) Bei der Anlage des Parkes wurde der Teich an seine jetzige Stelle verlegt und die Ufer mit Schilf bepflanzt. Von hier steigt das Gelände nach allen Seiten hin an. In der Nordecke befindet sich die schon erwähnte Rodelbahn und südlich davon ein Eichenrondell, das an das Rondell im Gemeindewäldchen erinnert. Dieses Eichenrondell ist der einzige regelmäßig gestaltete Teil des Parkes. Südwestlich hiervon liegt ein kleiner Spielbereich mit einer Wetterschutzhütte. Lediglich im Bereich des Rodelberges und im gesamten Bereich südlich des Teiches bestimmen verschiedene, z.T. stark geschädigte Fichten und einige andere Koniferen das Bild. Blumenpflanzungen gibt es keine. Das Wegenetz vergleicht Weber (2) mit dem Ilm-Park in Weimar, wo Petzold, ein Schüler Pücklers, in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf ähnlichem Gelände eine vergleichbare Wegeführung anlegen ließ.

Bemerkenswert ist am Beispiel des Fischtalparkes die formale Verwendung der Großgehölze. Die Baumarten kommen nicht vermischt vor. Wie später auch im Dahlemer Thielpark werden nach einzelnen Arten voneinander getrennte Gruppen von Fichten und Kiefern, vereinzelt auch Lärchen sowie als Unterpflanzung sehr viele Eiben verwendet, um verschiedene, in der Regel dunkelgrüne Schattierungen in Kontrast und als Kulisse zu lichten Birkengruppen, Robinien oder einzelnen Trauerweiden zu setzen. Zusammen mit dem jeweils unterschiedlichen Habitus der einzelnen Arten, der Verschiedenartigkeit der Stämme und der Rinde ergibt sich so eine flächige, farbige Raumgestaltung, die an expressionistische Malerei erinnert. Darüber hinaus ist der Fischtalpark ein Beispiel für die Loslösung von den bisher üblichen Regeln landschaftlicher Gestaltung, die bereits mit der Anlage des Gemeindewäldchens erkennbar ist. Schubert selbst schreibt 1914: "Der etwa 100 m breite, nach der Sophie-Charlottenstrasse gelegene Talabhang ist mit einem Birkenhain bestanden gedacht, welcher mit seinen weißen Stämmen und dem maigrünen Laub einen malerischen Kontrast zu dem umgebenden grünen Fichtenwalde bilden wird; und ausserdem die Talmuldung voll und ganz erkennen läßt. (...) (Es) sind weite Wiesenflächen vorgesehen, die im Talgrunde den Teich umschliessen und durch einzelne oder in Trupps stehende Bäume belebt werden. Die Bezeichnung Wiese deutet schon darauf hin, dass an sogenannten Rasenflächen, welche nur durch ihren gleichmäßigen Ton wirken, nicht gedacht ist. Für die Besamung müsste eine besondere Grasmischung Verwendung finden, der noch Wiesenkräuter etc. beizugeben wären." (3)


1) Vgl. BusB XI, S. 30, Abb. 117.

2) Weber, in: BusB XI, S. 90 f.

3) Akten des Landesarchivs Berlin, Rep. Nr. 210/1, lfd. Nr. 1153, Blatt 10, zitiert bei Eckert, S. 16.

Literatur:
  • BusB XI 1972 / Seite 15 & 89-91 & 266
  • Weber/ Kleine Baugeschichte Zehlendorfs, 1970 / Seite 40 & 58
  • Wasmuths Monatshefte für Baukunst 5 (1928) Topographie Zehlendorf/Zehlendorf, 1995 / Seite 70 & 211-212 & 224