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Garten des Landhauses "Der Mittelhof"

Obj.-Dok.-Nr.: 09045960
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Nikolassee
Strasse: Kirchweg
Hausnummer: 33
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Landhausgarten & Gartenanlage
Datierung: 1914-1915
Entwurf: Muthesius, Hermann (Architekt)
Entwurf: Kempkes, Carl (Gartenarchitekt)
Bauherr: Mertens, Wilhelm
Ausführung: Ludwig Späth (Firma)

(...) Der Straßenzug Kirchweg und Am Mittelbusch wird weithin sichtbar geprägt durch die Einfriedung aus abwechslungsreichem Klinkermauerwerk mit Eisen- und Holzelementen des Mittelhofs, Kirchweg 33. (1) Die Toranlage an der Straßenecke im Nordosten und die aufwendig gestaltete Mauerecke, die den Aussichtsplatz im Südwesten umfängt, stecken in auffälliger Weise die Ausdehnung des Grundstücks ab.

Die Klinkermauern setzen sich in der Gartenanlage in vielgestaltigen Formen fort und bilden zusammen mit den Treppen und Bodenbelägen aus dem gleichen Material eine überzeugende Einheit mit der Architektur des Hauses.

Die Gestaltung des Gartens wurde durch Carl Kempkes, dem damaligen Leiter des Entwurfsbüros im Gartenbaubetrieb Ludwig Späth, auf Grundlage der von Muthesius entwickelten Konzeption ausgearbeitet. Sie ist im Wesentlichen heute noch erhalten, weist jedoch starke Vereinfachungen insbesondere hinsichtlich der Bepflanzung auf. Der lang gestreckte, ehemals von einer Birkenallee beschattete Zugangsweg unterteilt den weiträumigen Ostteil in einen schmalen Nutzgarten entlang der Nordgrenze und eine ehemals offene Spielwiese, die zu dem an der Ostfront des Hauses gelegenen ehemaligen Rosengarten von einer Stützmauer mit Pergola begrenzt wird. Ein Rundweg führt um das Haus und erweitert sich an der Südfassade zu einer breiten Terrasse. Der zur Rehwiese abfallende Hang war ehemals als lichter Kiefernhain gestaltet, der weite Ausblicke gestattete. Entlang der nördlichen Grundstücksgrenze führt ein Weg in gerader Linie zu einer von Mauern gefassten Pforte, die einen Zugang vom Rehsprung ermöglicht. Die anderen, früher parallel zur Einfriedung verlaufenden Wege sind überwachsen - ebenso der bastionsartige Aussichtsplatz in der spitzen Südwestecke. Die von Muthesius und Kempkes gestaltete Anlage stellt eine eigenständige Lösung dar, die sowohl den damaligen Nutzungsvorstellungen des Bauherrn als auch den zeittypischen Tendenzen der Gartenkunst Rechnung trägt und das breit gelagerte Haus zugleich behutsam in den vorhandenen Kiefernbestand einbettet. Die einheitliche Materialverwendung erzeugt eine einzigartige Zusammengehörigkeit von Garten und Haus, zu der auch die ursprünglich komplette Pflasterung des Innenhofs im Fischgrätmuster beitrug.


1) Gartendenkmale in Berlin: Privatgärten 2009, S. 164 mit weiterführenden Literaturangaben.

Literatur:
  • BusB IV C 1975 / Seite 13 & 142f. & 322f.
  • Späth, Baedeker, Gärten, Sport... Koch, Hugo, Der Garten, Berlin 1927 / Seite 43
  • Privatgärten in Berlin, Petersberg 2005 / Seite 164
  • Muthesius, Landhäuser, 1922 / Seite 77ff.
  • Späth-Buch 1720-1920, Berlin 1920 / Seite 117f.
  • Muthesius, Die schöne Wohnung, 1922 / Seite 17
  • Weber/ Kleine Baugeschichte Zehlendorfs, 1970 Baumeister 18 (1920) / Seite 16-18
  • Dekorative Kunst 22 (1919) 27 / Seite 281ff.