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Hohenzollernplatz

Obj.-Dok.-Nr.: 09045947
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Nikolassee
Strasse: Hohenzollernplatz
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Stadtplatz
Datierung: 1901-1903
Bauherr: Heimstätten AG

Der 1901-03 geschaffene Hohenzollernplatz hatte einst die Funktion als repräsentativ gestalteter Empfangsraum vor der Haltestelle der Bahn, welche in den Anfängen der Besiedlung das wichtigste Verkehrsmittel für die Anwohner war.(1) Nach wie vor stellt der Platz gemeinsam mit dem Bahnhofsgebäude und den drei Wohn- und Geschäftshäusern Hohenzollerplatz 1-4 den städtebaulichen Kern dar, von dem sich das Straßennetz in die Villenkolonie hinein entwickelt. Die Anlage präsentiert sich heute in vereinfachter Form, die im Wesentlichen dem Zustand um 1925 entspricht. Der etwa einen Halbkreis bildende Platz wird durch die in Südostrichtung ausstrahlenden, mit Bäumen bestandenen Straßenzüge in drei Bereiche unterteilt, wobei sich die Prinz-Friedrich-Leopold-Straße aufgrund ihrer Breite und ihres begrünten Mittelstreifen als Hauptstraßenzug zu erkennen gibt.

Mit Mosaikpflaster befestigte Wege definieren die Grenze zwischen dem öffentlichen Platz und den angrenzenden Vorgärten. Ein zweiter gerundeter Weg umfängt die Rasendreiecke. Zwischen beiden Wegen bilden Linden und Ligusterhecken den räumlichen Hintergrund für die auf das Bahnhofsgebäude ausgerichtete Anlage. Von den in den Hecken eingefügten Banknischen öffnet sich der Blick über die freien, von einigen Einzelgehölzen bestandenen Rasenkompartimente. Der einstmals reiche Schmuck der vielfältig gestalteten Zierbeete wurde seit den 1920er Jahren aufgegeben. Ein den Mittelbereich betonendes Rundbeet ersetzt den ehemaligen Tuffsteinbrunnen.

Mit dem Bau des Rathauses im Jahre 1912-13 entstand ein Gegenpol zu dem bis dahin den Platz beherrschenden Bahnhofsgebäude. Die zum Eingangsportal des Rathauses führende repräsentative Vorfahrt greift in das nördliche Platzdrittel ein und prägt dieses noch heute mit ihren in großzügigen Schwüngen geführten Stützmauern und den auffallenden Kandelabern an den Rampenenden. Im Zuge des Rathausbaus wurde auf der Rasenfläche davor die von Ferdinand Lepcke geschaffene "Bogenspannerin" aufgestellt.(2) Diese im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzene Bronzeplastik wurde als Nachguss 1997 wieder am ursprünglichen Ort platziert. Seit 2008 steht auf der südlichen Platzhälfte die Bronzefigur einer Badenden ("Phryne"), ebenfalls von Ferdinand Lepcke aus dem Jahr 1900, die bis dahin auf dem Seeplatz nördlich des Bahnhofs Schlachtensee gestanden hatte.(3)

Die drei auffälligen Wohn- und Geschäftshäuser am Hohenzollernplatz, die einen in Nikolassee äußerst seltenen Bautyp repräsentieren, rahmen an Süd- und Südostseite die Platzanlage. Das Geschäftshaus der HAG, Hohenzollerplatz 3-4, zwischen Normannenstraße und Prinz-Friedrich-Leopold-Straße, wurde 1902-03 von der HAG nach Entwurf von Wilhelm Päpper errichtet. Neben den Geschäftsräumen der Terraingesellschaft waren hier anfangs das Post- und Telegrafenamt sowie bis zum Bau des Rathauses Amtsräume für die Nikolasseer Verwaltung untergebracht. Das südlich gelegene Gebäude Hohenzollerplatz 2, Prinz-Friedrich-Leopold-Straße 1, wurde ebenfalls 1902 vom Bäckermeister Carl Heinroth nach Entwurf von Franz Ahrens als Wohnhaus mit Ladenlokalen im Erdgeschoss errichtet. Neben Konditorei und Café gab es hier auch Lebensmittelgeschäfte und Handwerksbetriebe; der Turm über dem Backofen im Keller ist bis heute erhalten. 1908-09 ließ Carl Heinroth das Wohn- und Geschäftshaus Hohenzollerplatz 1, Alemannenstraße 11, als Hotel und Restaurant nach Entwurf der Brüder Richard und Heinrich Iwan ausführen.(4)


1) Zum Hohenzollernplatz: Schumacher, H./Gargulla, N./Kirchhof, S.: Bauhistorisches und denkmalpflegerisches Gutachten, Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, Bau- und Wohnungsaufsicht, 1989 und 1994.

2) Zur Bronzefigur Bogenspannerin von Ferdinand Lepcke (1866-1909). Vgl. Simon, Christian: Lexikon Steglitz-Zehlendorf, Geschichte, Gebäude, Geographie, Berlin 2004, S. 51.

3) www.berlin.de/ba-steglitz-zehlendorf/derbezirk/ruckblick/en thuellung


4) Alle Angaben: Finger 2009, S. 28 f., 92, 117, 134.

Literatur:
  • BusB IV A 1970 / Seite 110 & 128f.
  • BusB IV C 1975 / Seite 295
  • Baugewerks-Zeitung 36 (1904) / Seite 328
  • Posener, Berlin auf dem Wege, 1979 / Seite 303f.
  • Heimstätten AG, Werbeprospekte von 1903, 1909, 1914Stadt und Land rings um Berlin, Praktischer Wegweiser, 1910 / Seite 23