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Garten des Landhauses "Haus Langenscheidt"

Obj.-Dok.-Nr.: 09045930
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Wannsee
Strasse: Colomierstraße
Hausnummer: 2
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Villengarten
Datierung: 1901
Entwurf & Ausführung (?): Ebhardt, Bodo (?) (Architekt)
Bauherr: Langenscheidt, Carl (Verleger)

Der 1901 entstandene Garten Langenscheidt, Colomierstraße 2, ist einer der letzten in der Kolonie Alsen, der noch vollständig im Geist landschaftlicher Gartenkunst entstanden ist. (1) Wenn auch die ehemals zugehörige westliche Parzelle Colomierstraße 1 mit einem Teil des Wirtschaftsgartens abgetrennt wurde, ist der seeseitige Garten in seiner hochromantischen Ausformung unverändert überkommen. Die dem Wendekreis der Stichstraße folgende historische Einfriedung lässt die nahe stehende, auf einer künstlichen Bodenwelle platzierte Fachwerkvilla gut in Erscheinung treten.

Der vor der ehemals offenen Veranda stetig zum Großen Wannsee hin abfallende Hang zeichnet sich durch eine höchst feinfühlige Modellierung aus, in die das reich verzweigte Wegesystem mit ineinander fließenden Bögen eingefügt ist. Die alte Wegeanlage ist nur in Resten und teilweise mit veränderten Belägen erhalten, kann im Gelände jedoch noch lückenlos erkannt werden. Neben der beherrschenden Blickbeziehung vom Haus auf den Wannsee, die früher durch ein Blumenbeet direkt vor der Veranda besondere Zierde erhielt, bereichern noch zwei quer verlaufende Sichtachsen das Gartenbild. Ein weiterer Tiefenzug reicht von einer Rasensenke seitlich des Hauses bis zum Wannsee, wird jedoch auf halber Strecke durch eine künstlich angelegte, mit Tuffsteinen befestigte Überhöhung eingeengt, an der eine Bogenbrücke das so entstehende "Tälchen" überspannt. Dahinter scheint die Senke unmerklich in den Uferbereich überzugehen.

Weitere aus der Entstehungszeit überlieferte Ausstattungselemente prägen den Gesamteindruck: Ein Entenhaus an der nördlichen Grundstücksgrenze, das im gleichen Fachwerkstil wie das Hauptgebäude errichtet ist, sowie, in Ufernähe, ein Rankbogen, den zwei Sandsteinputten mit Füllhörnern flankieren und der zum Bootssteg weiterleitet. In der zentralen Rasensenke steht, leicht aus der Mittelperspektive gerückt, ein von Efeu vollständig überwachsenes Natursteinpodest, der ehemals eine knieende Engelsfigur trug. Granitkugeln stecken die Dimensionen des früheren Uferplatzes ab. Ein aus Findlingen gestalteter Sockel akzentuiert die nördliche Wiesensenke. Der bemerkenswerte Baumbestand trägt ganz wesentlich zum Landschaftserlebnis bei. Farbige Schwerpunkte setzen unter anderem eine im Zentrum des Areals wachsende Blutbuche sowie ein Goldeschenahorn. Dunkelgrüne Tannen vermitteln damals durchaus gewünschte Assoziationen an Gebirgslandschaften. Ein überwucherter Nutzgarten im nördlichen Winkel erinnert daran, dass auch die großbürgerlichen Ersteigentümer Obst und Gemüse aus eigenem Garten schätzten.


1) Gartendenkmale in Berlin: Privatgärten 2009, S. 222-223 mit weiterführenden Literaturangaben.

Literatur:
  • BusB IV C 1975 / Seite 144 & 298f. & 396
  • Die Architektur des 20. Jahrhunderts 1 (1901) 35/36 / Seite 23
  • Berliner Architekturwelt 6 (1903/04) / Seite 228f.
  • Döring, "Bodo Ebhardt" / Seite 42
  • Privatgärten in Berlin, Petersberg 2005 / Seite 222
  • Topographie Zehlendorf/Wannsee, 2013 / Seite 101f