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Garten des ehemaligen Wohnhauses "Willy Lange"

Obj.-Dok.-Nr.: 09045926
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Wannsee
Strasse: Bismarckstraße
Hausnummer: 5 & 5A
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Landhausgarten
Datierung: 1906
Entwurf & Bauherr: Lange, Willy (Gartenarchitekt)

Der Garten Lange, Bismarckstraße 5-5A, wurde zeitgleich mit dem Wohnhaus von Willy Lange selbst angelegt. (1) Hier setzte er die von ihm entwickelte Philosophie naturhafter Gartenschöpfungen, die landschaftliche Formen mit architektonischen Stilmitteln verbindet, in die Realität um. Ein besonderes Augenmerk legte Lange auf die Pflanzenverwendung, die er unter den Aspekt der Pflanzenphysiognomie stellte. Ausgehend von den jeweils vorgefundenen Standortbedingungen sollten Pflanzen unterschiedlicher Herkunftszonen, aber ähnlichen Aussehens Verwendung finden, um so charakteristische Pflanzenbilder zu komponieren. Der einflussreiche Gartenarchitekt beschrieb seinen eigenen Garten in seinem Standardwerk zur "Gartengestaltung der Neuzeit" folgendermaßen: "Ländlich ist der Garten an der Straße (.). Das Haus ist märkischen Charakters, der Vorgarten nach dem Motiv des Bauerngartens gestaltet. Dieses Motiv dringt durch einzelne Bauernblumen-Vorposten in den Kiefernforst ein, der durch die Mittel biologisch-physiognomischer Steigerung zu einem Naturgarten wurde." (2)

Dieser Eindruck ist nach der denkmalgerechten Instandsetzung des Gartens im Jahre 1996, bei der die von Lange bevorzugten Pflanzen verwendet wurden, wieder vorhanden. Der nach "baulichen Motiven" angelegte Vorgarten mit den von Buchsbaumhecken gesäumten Staudenbeeten, Hochstammrosen und Mandelbäumchen wurde wiederhergestellt. Gemeinsam mit dem weiß lackierten Holzlattenzaun wird hierdurch die Eingangssituation geprägt. An der ehemaligen offenen Mooshütte in der Südostecke, wo sich heute ein Autostellplatz befindet, beginnt das Gelände, sich sanft abzusenken, um hinter dem Haus in einen kleinen Talkessel mit feuchtigkeitsliebenden Arten zu münden, der über Plattenpfade und Trittstufen zugänglich ist. Eine Brücke überspannt wieder die kleine Rinne, die sich aus der Mulde zur Südecke des Grundstücks entwickelt, und stellt die Verbindung zu dem am Bahndamm gelegenen Obst- und Gemüsegarten her. Von der kleinen Terrasse am Haus kann der gesamte Gartenraum überblickt werden, der aufgrund seines waldartigen Charakters über keine offene Rasenfläche verfügt.


1) Willy Lange (1864-1941) entwickelte in zahlreichen Schriften und Büchern, wie z.B. in der erstmals 1907 erschienenen, mehrfach aufgelegten und überarbeiteten "Gartengestaltung der Neuzeit", seine grundlegenden Ideen zu einer zeitgemäßen Gartenkunst. Vgl. auch Gartendenkmale in Berlin: Privatgärten 2009, S. 219 mit weiterführenden Literaturangaben.

2) Lange 1909, S. 378.

Literatur:
  • BusB IV C 1975 / Seite 314f. & 397
  • Lange: Die Gartengestaltung der Neuzeit / Seite 219
  • Privatgärten in Berlin, Petersberg 2005Schumacher; Hottenträger: Das Gartenheim von Willy Lange, 1983Lange, Willy: Gartenpläne, Leipzig 1927Lange, Willy: Gartenbilder, Leipzig 1922Topographie Zehlendorf/Wannsee, 2013 / Seite 148