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Garten der Villa Otzen

Obj.-Dok.-Nr.: 09045913
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Wannsee
Strasse: Am Sandwerder
Hausnummer: 9
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Villengarten
Datierung: 1882
Entwurf: Petzholtz, Ernst (?) (Architekt)
Bauherr: Otzen, Johannes (Architekt)

Mit dem Garten Otzen, Am Sandwerder 9, hat sich ein außerordentliches Beispiel anspruchsvoller Gartenkultur des späten 19. Jahrhunderts erhalten. (1) Die Ausgestaltung der Gartenanlage dürfte wegen ihrer engen Verzahnung und Durchdringung mit Architekturelementen auf die Idee des Bauherrn zurückgehen. Der von zwei sich gegenüberstehenden Ökonomiegebäuden gerahmte Eingangshof wird durch eine aufwendige Einfriedung begrenzt, die aus einem schmiedeisernen Gitter über Klinkersockelmauerwerk und hohen, mit farbig glasierten Formteilen geschmückten Klinkerpfeilern besteht. Eine zwischen den Wirtschaftsgebäuden eingespannte Pergola setzt die Grenzlinie zwischen dem von der Öffentlichkeit einsehbaren Hof und dem anschließenden Vorgarten. Die Axialität wird durch die mittige Lage von Tor und Pergoladurchgang, die symmetrische Gebäudestellung sowie den Turm der Villa abgesteckt, aufgrund der landschaftlichen Gestaltung des Gartens jedoch gekonnt überspielt. Das von Kalksteinquadern gefasste Wegesystem schwenkt hinter der Pergola aus der Mittelachse, um im weiten Schwung zum Vorplatz der Villa zu führen. Als Ergänzung dient eine in Triangelform gelegte Wegespange, die dem zentralen Rasenbett seine Fassung gibt. Bemerkenswerter Baumbestand und Klinkermauern bieten Sichtschutz zu den Nachbargrundstücken. An der seeseitigen Aussichtsterrasse, die der Südwestecke der Villa vorgelagert ist, stuft sich die Mauer über Pfeilerbildungen und Schindelbedeckungen zur niedrigen Brüstungsmauer ab, die mit ihren Spitzbögen, Rundsäulen und Pfeilerornamenten die Gliederung der Gebäudearchitektur variationsreich weiterführt. Die von Bruchsteinmauerwerk gestützte Bastion setzt sich als tiefer gelegene Terrasse über die gesamte Hausbreite fort und mündet in einen Serpentinenweg, der in den Garten hinab leitet. Die nördliche Grenzmauer dient als Hintergrund einer lang gestreckten Pergola, die 1918 nach Entwurf der Architekten Cremer & Wolffenstein erweitert wurde. Parallel dazu führt ein von Klinkersteinen gefasster Weg in gerader Linie bis zum Großen Wannsee, wo sich ehemals ein großzügiger, die gesamte Breite des Areals einnehmender Obst- und Nutzgarten befand. An der Südwestecke wiederholt ein gedeckter Uferplatz das Thema von Pergola und Laubengang aus dem Vorgarten.


1) Gartendenkmale in Berlin: Privatgärten 2009, S. 205 mit weiterführenden Literaturangaben.

Literatur:
  • BusB II/III 1896 / Seite 174
  • Deutsche Bauzeitung 27 (1893) / Seite 477f.
  • Privatgärten in Berlin, Petersberg 2005 / Seite 205
  • Topographie Zehlendorf/Wannsee, 2013 / Seite 130