denkmal  

 

Liste, Karte, Datenbank - Denkmaldatenbank

Garten der Villa Guthmann

Obj.-Dok.-Nr.: 09045912
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Wannsee
Strasse: Am Sandwerder
Hausnummer: 5
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Villengarten
Datierung: nach 1885
Entwurf & Ausführung & Bauherr: Guthmann, Robert (Architekt)

Der ab 1885 entstandene und 1990 instand gesetzte Garten Guthmann, Am Sandwerder 5, der vermutlich nach Ideen des Bauherrn ausgestaltet wurde, lässt die typische Zonierung der Grundstücke Am Sandwerder erkennen. (1) Auf dem hoch gelegenen Plateau neben der Straße befindet sich der Wirtschaftshof mit seitlich angeordneten Nebengebäuden. Die Villa selbst nimmt den Bereich kurz vor dem Steilhang ein - erst daran schließt sich der zum See hin abfallende eigentliche Schmuckgarten an. Die breite Toranlage unterbricht den Verlauf der schmiedeisernen, von Klinkerpfeilern rhythmisierten Einfriedung und kennzeichnet die Mittelachse, die das gesamte Areal durchzieht und die auf den Eingang der Villa ausgerichtet ist. Aufgrund der heutigen Nutzung des Hauses dient der vordere Teil des einstigen Wirtschaftshofes als Parkplatz. Ein Rasenrechteck als Vorzone am Haus wird von drei mächtigen Bäumen der Erstanlage beschattet.

Im Kontrast zu dem klar geordneten Vorgarten steht der rückwärtige Landschaftsgarten, der sich hinter der schmalen Terrasse ausbreitet. Von der Loggia ergibt sich erneut eine Mittelperspektive, die, von einzelnen alten Bäumen gerahmt, über den Steilhang und den tief liegenden Rasen bis zu einer halbrunden Steinarchitektur reicht, und ihren Abschluss in einem rechteckig in den See ausgreifenden Aussichtsplatz findet. Den zentralen Bezugspunkt bildete ehemals die 1907 nahe dem Ufer aufgestellte Bronzeplastik "Herakles mit dem Stier" von Louis Tuaillon. (2) Deren mächtiger Sockelbau ist ebenso wie die exedraförmige Mauerumfassung mit darin eingelassenen Sitzbänken erhalten. (3) Die Mittelachse dient als Blick- und Orientierungslinie, die von in schwingenden Linien geführten Wegen mehrfach gekreuzt wird. Der als Serpentine in den Steilhang eingefügte Pfad stellt die Verbindung von der Terrasse zum unteren Garten her und umzieht dort das zentrale linsenförmige Rasenstück. In dieser Ausformung vermittelt der Garten überzeugend die Tradition landschaftlicher Gartengestaltung, wohingegen die Einfügung des formal aufgefassten Denkmalstandorts bereits die seit 1900 aufkeimenden Reformideen ankündigt.


1) Gartendenkmale in Berlin: Privatgärten 2009, S. 204 mit weiterführenden Literaturangaben.

2) Louis Tuaillon (1862-1919).

3) Die Platzbefestigung aus Muschelkalk und die Balkonbrüstung samt Balustrade wurden wegen Baufälligkeit vor Ort eingelagert. Die Bronzefigur, nach dem Verkauf des Anwesens in den 1930er Jahren in die Neue Reichskanzlei gebracht, gilt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs als verschollen.

Literatur:
  • Privatgärten in Berlin, Petersberg 2005 / Seite 204
  • Topographie Zehlendorf/Wannsee, 2013 / Seite 128