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Vorgarten und Innenhof Stierstraße 14-15

Obj.-Dok.-Nr.: 09045890
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Friedenau
Strasse: Stierstraße
Hausnummer: 14 & 15
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Vorgarten & Innenhof
Datierung: 1911
Entwurf: Colosser, Otto (?) (Architekt)
Bauherr: Colosser, August (Malermeister)

Unweit der Jugendstil-Mietshausgruppe an der Hähnelstraße hat sich an der Stierstraße eine Vorgarten- und Hofanlage aus dieser Zeit besonders anschaulich erhalten.

Der nach Errichtung der stattlichen Mietshausanlage des Architekten Otto Colosser 1911 ausgeführte Vorgarten in der Stierstraße 14-15 (Abb. 164 f., Liste Nr. 183) ist frontal etwa zur Hälfte mit einem originalen schmiedeeisernen Jugendstilgitter über einem Kunststeinsockel eingefaßt. Den oberen Abschluß des Gitters bilden gestanzte Ornamentbleche. Die seitlichen Vorgartengitter über Klinkersockeln bestehen aus niedrigeren, schlichten Stabgittern, die wie die Frontgitter von Hecken begleitet werden. Die 1990 erfolgte Wiederherstellung der Anlage nahm Bezug zum Vorgartenplan von 1911. Heute schmücken wieder zwei symmetrische Zierstrauchgruppen vor der Nummer 14 beziehungsweise eine Strauchgruppe vor der Nummer 15 die Rasenflächen.

Die nicht überlieferten ursprünglichen Fliesen - vor der Wiederherstellung waren es Betonbeläge - der Zugangswege wurden wie im Hof durch Mosaik-Kleinsteinpflaster ersetzt. Der ebenfalls 1911 unter dem Einfluß von Colosser angelegte Innenhof ist ein seltenes Beispiel für einen geometrisch gestalteten Gartenhof, in dem sich Repräsentation, ländliche Motive und Wirtschaftlichkeit vereinen. Die Anlage besitzt trotz einiger Materialveränderungen einen hohen Zeugniswert für die Friedenauer Gartenkultur zu Beginn des 20. Jahrhunderts und für einen Gartentyp, der in Friedenau sonst nicht überliefert ist. Der annähernd rechteckige, nach Süden zum Teil offene Hof von großzügiger Dimensionierung wird durch ein orthogonales, die Hauseingänge und den Müllplatz erschließendes Wegesystem gegliedert. Dieses ist in der Grundstruktur bewahrt, jedoch mit neuen Belägen aus Natursteinpflaster und Klinkerkantensteinen versehen.

Ein breiter Hauptweg, von dem schmale Nebenwege abzweigen, führt von der Vorderhausdurchfahrt zum Quergebäude. Im hinteren Drittel des Hofes weitet er sich zu einem Rondell und führt um ein rundes Fontänenbecken mit abschließender Klinkerkante. Die Beckenmitte wird durch eine Brunnenplastik aus Zinkguß auf einem Tuffsteinhügel akzentuiert.Der ockerfarbige figürliche Schmuck der neobarocken Gruppe, deren Künstler unbekannt ist, besteht aus einem Amor in Siegespose, zwei Putten sowie Seetieren, Muscheln und Blattwerk.

Diese den Hof dominierende Brunnenanlage bildet schon straßenseitig in der Achse der Vorderhausdurchfahrt einen Blickpunkt. Entlang des Hauptwegs zeugen alte Obstbäume - eine Birnenquitte und ein Apfelbaum sowie Nachpflanzungen - von der ehemaligen Obstanlage auf den Rasenflächen. Die Wege in der nördlichen Hofhälfte säumen heute anstelle der Obstbäume schmale Beete.Ein geklinkertes Taubenhaus, heute Geräte- und Müllhaus, ist der Nordseite des südöstlichen Seitenflügels vorgelagert. Das von Hecken abgeschirmte Haus besitzt ein auffälliges Walmdach mit Querhaus und einem polygonal gebrochenen, fast dreieckigen Quergiebel.

Literatur:
  • Topographie Schöneberg/Friedenau, 2000 / Seite 114