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Wohnhaus Spanische Allee 102 & 102A

Obj.-Dok.-Nr.: 09045829
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Nikolassee
Strasse: Spanische Allee
Hausnummer: 102 & 102A
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus
Datierung: 1936-1937
Entwurf: Roth, Alfred & Hartmann, Hans (Architekt)
Bauherr: Roth, Alfred & Hartmann, Hans

(...) das Doppelwohnhaus Spanische Allee 102/102A wurde 1936-37 von Alfred Roth und Hans Hartmann errichtet. (1) Die Architekten entwarfen für sich und ihre Familien einen lang gestreckten traufständigen Bau mit heller Putzfassade auf niedrigem Werksteinsockel. Das Haus besticht durch seine Einfachheit und den weitgehenden Verzicht auf Dekor oder Schmuckelemente; ein hohes Maß an handwerklicher Sorgfältigkeit und gestalterischer Qualität verbindet sich mit durchdachten Detaillösungen. Seine künstlerische Qualität wurde auch in der Nachkriegszeit erkannt und gewürdigt: So veröffentlichte die Publikumszeitschrift "Schöner Wohnen" das Haus 1962 mit einer Fotostrecke und stellte fest, der Bau vermittle außen wie innen den "Eindruck zeitloser Behaglichkeit und kultivierter Gelassenheit". (2)

Zur Straße begrenzt ein hölzerner Lattenzaun mit Ziegelsockel das Grundstück. Die beiden Haushälften sind weitgehend symmetrisch angelegt und befinden sich unter einem durchgehenden hohen Satteldach. Die Fassade des Doppelwohnhauses ist schlicht gestaltet, die Sprossenfenster mit weiß gestrichenen Holzrahmen sind unvermittelt in die Wand eingeschnitten und liegen nahezu bündig in der Fassade. Lediglich die Haustür - eine aufwendige Schreinerarbeit in Nussbaumholz - ist durch ein kleines Podest mit zwei Stufen und durch eine profilierte Rahmung in Werkstein hervorgehoben. Auf der Südseite öffnet sich das Haus in allen Geschossen zum Garten. Das Doppelwohnhaus ist ein herausragendes Zeugnis für die private Wohnungsbautätigkeit während der Zeit des Nationalsozialismus. Es entspricht weitgehend den zeitgenössischen Vorgaben für den Wohnhausbau. Die Verwendung traditioneller Baustoffe wie Ziegel und Holz ist somit nicht nur auf die Entwurfshaltungen der Architekten zurückzuführen, sondern war auch bedingt durch die Kontingentierungen von Baumaterialien wie Beton und Stahl, die für die Kriegsvorbereitungen benötigt wurden. Stilistisch ist die Arbeit Alfred Roths und Hans Hartmanns von ihrem Lehrer Heinrich Tessenow beeinflusst. Der äußerst reduzierte Traditionalismus, ausgeführt in konventionellen Baumaterialien mit exzellenter handwerklicher Ausführung, kennzeichnet die Bauten Tessenows. Das Haus Spanische Allee 102/102A ist als Gesamtkunstwerk gestaltet, da neben der Architektur auch die Inneneinrichtung mitsamt Möbeln aus der Hand der Architekten sowie von befreundeten Entwerfern wie Heinrich Tessenow und Karl Nothhelfer stammt, deren Entwurfshaltungen denen von Alfred Roth sehr verwandt sind. Die Ausstattung des Hauses, Bodenbeläge, Wandverkleidungen, Türen, Fenster und Einbaumöbel, ist erhalten. (3)


1) Hans Hartmann (1902-1977) besuchte die Dresdner Kunstgewerbeschule. 1924-26 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in Dresden, 1926-28 an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg sowie 1928-31 an der Staatlichen Hochschule für Werkkunst in Dresden. Anschließend arbeitete er als Privatarchitekt in Berlin - assoziiert mit Alfred Roth - und war Lehrer an der Berliner Bauschule für Raumgestaltung. Ab1946 arbeitete er für zwei Jahre an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg als Assistent von Heinrich Tessenow. Im Oktober 1948 wurde Hartmann als Direktor an die Meisterschule für das gestaltende Handwerk in Bielefeld berufen, wo er bis zu seiner Pensionierung 1968 arbeitete. Alfred Roth (1897-1985) besuchte ab 1912 die Baufachschule an der höheren Staatsgewerbeschule Reichenberg. 1921 nahm er das Architekturstudium bei Tessenow an der Akademie der bildenden Künste und an der Technischen Hochschule in Dresden auf. 1924 war Roth Assistent und Mitarbeiter bei Tessenow. Im folgenden Jahr folgte Roth Tessenow an die TH Berlin. In den 1930er Jahren war Roth mit Hans Hartmann assoziiert. Nach Kriegsende arbeitete Roth erneut mit Tessenow zusammen. Nach einer Erkrankung Tessenows 1948 übernahm Roth kommissarisch dessen Lehrstuhl an der TH Berlin.

2) Schöner Wohnen (1962), H. 5, S. 165.

3) Autor dieses Textes ist Frank Schmitz. Allgemein zu Wohnhäusern aus der Zeit des Nationalsozialismus siehe Schmitz 2007.