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Bahnbetriebswerk Schöneweide

Obj.-Dok.-Nr.: 09045261
Bezirk: Treptow-Köpenick
Ortsteil: Niederschöneweide
Strasse: Adlergestell & Landfliegerstraße
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Betriebshof
Datierung: 1902-1906
Umbau: um 1908 & um 1914
Bauherr: Deutsche Reichsbahn

Mit der Industrialisierung der Vororte im Südosten Berlins veränderten sich die Anforderungen an das Eisenbahnnetz. Für die Fabriken war der Transport von Waren und Rohstoffen auf der Schiene lebenswichtig. Niederschöneweide wurde mit dem 1886-88 angelegten Rangierbahnhof südlich des Bahnhofs Niederschöneweide-Johannisthal zu einem zentralen Umschlagplatz für den Güterverkehr. Die Anlage war bald zu klein, um den weiter anwachsenden Warenverkehr bewältigen zu können. In Verbindung mit dem Ausbau der Berlin-Görlitzer Bahntrasse wurde daher 1902-1904 ein neuer Betriebs- und Verschiebebahnhof angelegt. (1) Die Anlage am Adlergestell besaß eine überregionale Bedeutung. Auf den Rangiergleisen trafen die Güterwaggons aller Fabriken zusammen, die an Görlitzer Eisenbahn, Nord- und Südring angeschlossen waren. Für die Wartung der Lokomotiven wurde ein eigenes Betriebswerk errichtet, das weit gehend unverändert erhalten ist. An den Bauten lassen sich bis heute die Arbeitsabläufe ablesen.

Der 1904 eröffnete Verschiebebahnhof nimmt eine ausgedehnte Fläche der Berlin-Görlitzer Bahntrasse ein. Die Gleise, die vom Bahnhof Schöneweide kommen, verlassen die Hochlage des Bahndammes. Auf dem ebenerdigen Gelände wurden über vierzig parallele Schienenstränge angeordnet. Inmitten der Gleisanlage erhebt sich der ringförmige Lokomotivschuppen. Die aus gelben Backsteinen errichtete Anlage umschreibt einen Halbkreis. An der Innenseite des Rings markieren zwanzig große Torbögen die Lokomotivstände. (2) Eine offene Holzkonstruktion trägt das Satteldach mit aufgesetzten Lüftern. Eine 23 m lange Drehscheibe ermöglicht die Verteilung der Lokomotiven auf die radial ausstrahlenden Gleise und Stände. Die drehbar gelagerte Eisenkonstruktion wurde 1923 erneuert. Südlich des Lokomotivschuppens ragt der Wasserturm auf, aus dem die Dampfkessel der Lokomotiven ihr Frischwasser erhielten. Ein konischer Schaft, gemauert aus roten Backsteinen, trägt den ausladenden Wasserbehälter. Der ornamentale Dekor aus gelben und roten Backsteinen wird heute von einer Wellblechverkleidung verdeckt. Mit seinem auskragenden Kegeldach und dem kleinen Dachreiter ist der Wasserturm eine prägende Landmarke am Adlergestell. An den Turmschaft lehnt sich ein bastionsartiger Vorbau an, der mit seinen schlitzartigen Fenstern an mittelalterliche Burgen erinnert. Das Hauptportal an der abgerundeten Vorderseite ist mit einem gotischen Staffelgiebel verziert.

Die anderen Betriebsgebäude sind etwas einfacher gestaltet. Das Dienstgebäude ist ein schlichter Backsteinbau. Auffallend ist der Fachwerkgiebel der westlichen Fassade, der mit einem auskragenden Walmdach verbunden ist. Die Fenster in den Obergeschossen besitzen einzigartige Schiebeläden. Das Übernachtungsgebäude diente als Unterkunft für Lokomotivführer und Zugbesatzungen, die am Verschiebebahnhof die Güterzüge wechselten. Die scheinbar klare Ordnung des zweigeschossigen Wohnhauses wird durch unregelmäßige Fensterachsen aufgebrochen. Das Treppenhaus, gemauert aus Backsteinen, tritt deutlich hervor. An das Wohnhaus schließt sich das kleine Toilettengebäude an, das aufwändig gestaltet ist. Fachwerkgiebel und Krüppelwalmdach sind der altdeutschen Renaissance entlehnt.


1) Biedermann 1904, S. 162, 164-167, Abb. 4-5; Biedermann 1905; BusB X B (2), S. 85-86, 187; Reimer, Michael: Das Bahnbetriebswerk Berlin-Schöneweide. Chronik. Berlin 1993. Sonderdruck aus: Fuhrmann, Manfred: Deutsche Bahnbetriebswerke und der Triebfahrzeugpark der deutschen Eisenbahnen von 1920 bis heute. Loseblattsammlung. Hrsg. v. GeraNova Verlag.

2) Ursprünglich umfasste der Ringschuppen nur zwölf Stände. Die acht südlichen Kompartimente wurden 1923 angebaut.

Literatur:
  • BusB X B 2 1984 / Seite 85-86,187
  • Glasers Annalen für Gewerbe und Bauwesen (1904) / Seite 16
  • Fuhrmann, Deutsche Bahnbetriebswerke - Sonderheft: Das Bahnbetriebswerk Berlin-Niederschöneweide, München 1993 / Seite passim
  • Topographie Treptow-Köpenick/Nieder- und Oberschöneweide, 2003 / Seite 69-70