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AOK-Versicherungsgebäude

Obj.-Dok.-Nr.: 09045216
Bezirk: Treptow-Köpenick
Ortsteil: Niederschöneweide
Strasse: Fennstraße
Hausnummer: 5 & 6
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Versicherungsgebäude
Datierung: 1929-1930
Entwurf: Vogeler, Kurt & Risse, Otto (Architekt)
Bauherr: Allgemeine Ortskrankenkasse Berlin

(...) Auf dem noch unbebauten Grundstück Fennstraße 5-6 entstand 1929-30 das Versicherungsgebäude der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) (1) Auftraggeber des ortsbildprägenden Großbaus war die AOK Berlin-Adlershof, die Versicherungsnehmer im Südosten Berlins betreute. Kurt Vogeler und Otto Risse (2) gestalteten eine Klinkerfassade in expressiven Formen, die den hohen künstlerischen Anspruch öffentlicher Gebäude in den Jahren der Weimarer Republik dokumentiert. Die Architekten ordneten das vierstöckige Gebäude in die Blockrandbebauung ein. Obwohl die beiden oberen Geschosse Kleinwohnungen aufnehmen, sollte der Eindruck eines Wohnhauses bewusst vermieden werden. Die Straßenfront besitzt eine klare symmetrische Gliederung. Pfeilervorlagen trennen die Fensterachsen. Diese bestimmende vertikale Struktur wird nur von dem Gesimsband des abgesetzten Erdgeschosses überlagert. Die Baumassen sind in subtiler Weise gestaffelt. Der erhöhte achtachsige Mittelbau wird von vorgezogenen Treppenhausrisaliten eingefasst, die zurückgesetzten Seitenbereiche umfassen jeweils vier Fensterachsen. Die Baudetails zeigen eine expressive Formensprache. Die Klinker der Pfeilervorlagen wurden wechselnd über Eck versetzt, so dass sägezahnartige Ornamentbänder entstanden. Das vorkragende Hauptgesims erhielt auf diese Weise eine belebte plastische Struktur. In der Giebelzone des erhöhten Mittelbereichs wurden quadratische, auf der Spitze stehende Öffnungen ausgebildet. Aufwändig ist die Einfassung des Mittelportals. Die schräg gestellten, wechselnd vorkragenden Klinker bilden ein schachbrettartiges Muster. Das trichterförmige Portal erschließt die Verwaltungsräume der AOK. Nach einem kleinen Vorraum betritt man die großzügige Kassenhalle, die zum Hof hin aus dem Baukörper auskragt. Für die Belichtung des stützenfreien Raumes sorgte eine verglaste Lichtdecke. (3) Die Obergeschosse können nur über die beiden Nebeneingänge in den Treppenhausrisaliten betreten werden. Im zweiten Geschoss befand sich eine ärztliche Ambulanz mit verschiedenen Behandlungsräumen und Besprechungszimmern für den AOK-Vertrauensarzt. Das Versicherungsgebäude wird heute wieder von der AOK Berlin genutzt. Die Fassade konnte 1995-96 restauriert werden.


1) Arbeiten der Architekten Kurt Vogeler und Otto Risse. in: Neue Baukunst 6 (1930), Heft 6b, S. 1-3; Bau- und Kunstdenkmale Berlin II, S. 395-396; Uhlig 1995, S. 118-119; Dehio Berlin 2000, S. 471.

2) In der nationalsozialistischen Ära arbeitete Otto Risse vor allem für evangelische Kirchengemeinden. Nach seinen Plänen entstanden 1936/37 das Gemeindeheim "Paul Gerhardt" der ev. Kirchengemeinde Berlin-Bohnsdorf, 1937 das Gemeindeheim "Ernst Moritz Arndt" der ev. Kirchengemeinde Berlin-Altglienicke und im gleichen Jahr das Gemeindeheim ?Theodor Fliedner? der ev. Kirchengemeinde Berlin-Mahlsdorf.

3) Das Oberlicht ist unter einer abgehängten Deckenkonstruktion erhalten.

Literatur:
  • Arbeiten der Architekten Kurt Vogeler und Otto Risse =Neue Baukunst 6 (1930) 6b / Seite S.1-3
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin II, Berlin 1987 / Seite S.395-396.
  • Dehio, Berlin, 1994 / Seite S.512.
  • Uhlig, Treptow, Berlin 1995 / Seite S.118-120.
  • Topographie Treptow-Köpenick/Nieder- und Oberschöneweide, 2003 / Seite 66 f.