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Mietshaus Britzer Straße 16

Obj.-Dok.-Nr.: 09045211
Bezirk: Treptow-Köpenick
Ortsteil: Niederschöneweide
Strasse: Britzer Straße
Hausnummer: 16
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus
Datierung: 1907-1908
Entwurf & Ausführung: Siebert, Carl (Architekt & Maurermeister)
Bauherr: Siebert, Carl (Architekt & Maurermeister)

In der Britzer Straße errichtete der Bauunternehmer und Architekt Carl Siebert zwei Mietshäuser [Britzer Straße 16 und 17], die mit ihrer aufwändigen Gestaltung die bürgerliche Wohnkultur des frühen 20. Jahrhunderts bezeugen.

Das Wohnhaus Britzer Straße 16, erbaut 1908, besitzt eine plastisch gegliederte Jugendstilfassade. (1) Loggien und Erker beleben die Straßenfront. An die über drei Geschosse reichenden Erker schließen sich kleine Balkone an, während in den äußeren Gebäudeachsen offene Loggien für Wohnqualität sorgen. Die Erker erhielten einen überaus reichen Dekor in den Formen des Jugendstils. Bemerkenswert sind die abstrakten Ornamentbänder, die die Fensterachsen umziehen. Die Brüstungsfelder zeigen schmale Blendnischen mit figuralen Reliefs. Die verspielten Darstellungen sind der Welt der Märchen und Legenden entlehnt. (2) Florale und abstrakte Motive bereichern die teilweise vollplastisch gearbeiteten Darstellungen und binden die einzelnen Bildfelder zusammen. Das Spiel der Formen wird an den Außenkanten der Erker fortgeführt. Auf Konsolen stehen nackte Frauen, die sich aber schamvoll vom Betrachter wegdrehen und in der Nische verstecken. Über die gesamte Fassade wurden scheinbar wahllos weitere kleine Reliefs verteilt. Die auf den zweiten Blick sichtbaren Darstellungen, teils Vögel, teils weibliche Figuren, ordnen sich nicht der symmetrischen Fassadengliederung unter. Im Berliner Südosten sind nur wenige architekturbezogene Bildwerke dieser Qualität erhalten geblieben. Die Bauplastik setzt sich im Hausflur fort. Die unteren Wandflächen wurden mit leuchtenden Fliesen verkleidet, darüber erkennt man Relieffelder mit tanzenden Putten, während Linienornamente die gewölbte Decke überziehen. Das Gebäude wurde 1994-97 restauriert. Dabei hat man ein fünftes Stockwerk mit einem leicht geschwungenen Giebel aufgesetzt.


1) Bau- und Kunstdenkmale Berlin II, S. 395; Dehio Berlin 2000, S. 472.

2) Auf dem unteren Brüstungsfeld des linken Erkers erkennt man beispielsweise eine nackte Frau, bedroht von einem Drachen, gemeint ist wohl die hl. Margarete. Daneben erhebt der hl. Ritter Georg das Schwert gegen das Untier.

Literatur:
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin II, Berlin 1987 / Seite S.395.
  • Dehio, Berlin, 1994 / Seite S.513-514.
  • Topographie Treptow-Köpenick/Nieder- und Oberschöneweide, 2003 / Seite 63