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Haus Steinbrück

Obj.-Dok.-Nr.: 09045059
Bezirk: Pankow
Ortsteil: Buch
Strasse: Pölnitzweg
Hausnummer: 1
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus
Datierung: 1966-1967
Entwurf: Ehrlich, Franz (Architekt)

Am südlichen Ende des Pölnitzweges, kurz vor der Einmündung in die Straße Alt-Buch, steht in einem großen Garten ein eingeschossiges Einfamilienhaus mit flachem Walmdach, das durch eine moderne und elegante Gestaltung auffällt. Es gehört zu den bisher weniger bekannten Werken des Architekten Franz Ehrlich.Nach dem Institut für Kortiko-Viscerale Pathologie und Therapie (1) hat er in den 1960er Jahren zwei private Wohnhäuser in Buch entworfen. Während das Haus Pölnitzweg 126/128, ab 1962 ausgeführt für den damaligen Institutsleiter Prof. Rudolf Baumann, 1995 abgerissen wurde, steht das 1966-67 errichtete HausSteinbrück, Pölnitzweg 1 noch weitgehend unverändert. Für den Leiter des Forschungsinstituts für Tuberkulose und Lungenkrankheiten des Ministeriums für Gesundheitswesen der DDR, Prof. Paul Steinbrück, konnte Franz Ehrlich, wie schon beim Klinikbau, für einen aufgeschlossenen Bauherrn seine vom Bauhaus und der internationalen Architekturmoderne des 20. Jahrhunderts inspirierten Vorstellungen umsetzen. Ein von einem bekannten Architekten nach individuellem Entwurf gestaltetes Wohnhaus hat in der Architekturgeschichte der DDR Seltenheitswert. (2) Der mehrfach gestaffelte Baukörper des Hauses Steinbrück, der mit hell verputzten glatten Wandflächen, einem weit heruntergezogenen dunklen Schieferdach und den klaren Linien von Fensterund Türöffnungen gestaltet ist, entfaltet vor allem im Inneren eine unerwartet großzügige Wirkung. Der fließende Raum von Diele und Halle, der das Haus vom Entree bis zum Garten an der Rückseite durchzieht, ist durch den Bodenbelag aus unregelmäßigem Schieferbruchstein mit dem Eingangsbereich und der Terrasse zusammengefasst. Der Steinboden, außen naturbelassen, innen geschliffen, verzahnt den Naturraum des Gartens mit dem Haus. Zu beiden Seiten der zentralen Halle, für die Ehrlich die gesamte Ausstattung einschließlich eingebauter Möbel und Lampen entworfen hat, sind die übrigen Räume angeordnet. Nach Süden erstrecken sich der Wohnbereich mit dem um zwei Treppenstufen tiefer liegenden großen Wohnzimmer mit Kamin und speziell angefertigten Bücherregalen sowie zwei Schlafräume mit Bad. Nördlich der Halle ist der Arbeitsbereich, bestehend aus Küche und Hauswirtschaftsraum mit Zugang zur Garage sowie dem Arbeitszimmer des Bauherrn, angeordnet. Weitere Räume befinden sich im Souterrain, das sich nach Süden ebenerdig zum Garten öffnet. Wohlproportionierte, klar gegliederte Räume, das Zusammenspiel der Materialien Schiefer, Holz, Glas und heller Putz sowie eine raffinierte Lichtführung sowohl durch die Anordnung der Fenster als auch durch die von Ehrlich entworfene Beleuchtung lassen das vergleichsweise kleine Haus weiträumig erscheinenund die kunstvolle Gestaltung des Architekten in allen Details erkennen.


(1) Vgl. Wiltbergstraße 50/92. Siehe dort auch Angaben zu Leben und Werk von Franz Ehrlich.

(2) Im Architekturführer DDR, Berlin, Hauptstadt der DDR (1972) ist kein einziges individuell gestaltetes Einfamilienhaus erwähnt. Trotzdem hat es eine staatlich gelenkte Eigenheimpolitik in der DDR gegeben. Von der Deutschen Bauakademie (Institut für Typung) wurden ab der Mitte der 1950er Jahre verschiedene Eigenheimtypen wie zum Beispiel das Einfamilienwohnhaus 58 entwickelt. Für die Zeit 1971-90 ist die Zahl von 265.000 gebauten Typeneigenheimen überliefert. Vgl. Entwerfen im System, Der Architekt Wilfried Stallknecht, Cottbus/Erkner 2009, S. 13.

Literatur:
  • Bauhaus in Berlin. Bauten und Projekte, hrsg. v. Bauhaus Archiv Berlin, Berlin 1995 / Seite 156
  • Nachlass Franz Ehrlich im Archiv der Stiftung Bauhaus Dessau in
    Bauwelt 87 (1996), H. 26 / Seite 1518-1544
  • Topographie Buch, 2010 / Seite 117f.