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Ensemble Bänschstraße

Obj.-Dok.-Nr.: 09045004
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Friedrichshain
Strasse: Bänschstraße
Hausnummer: 25 & 29 & 32 & 33 & 34 & 35 & 36 & 37 & 38 & 39 & 40 & 41 & 42 & 43 & 44 & 45 & 46 & 47 & 48 & 49 & 50 & 51 & 52 & 53 & 54 & 55 & 57 & 58 & 59 & 60 & 61 & 62 & 63 & 64 & 66 & 65 & 67 & 68 & 69 & 70 & 71 & 72 & 73 & 74
Strasse: Proskauer Straße
Hausnummer: 17A
Strasse: Samariterstraße
Hausnummer: 14 & 15 & 28
Strasse: Voigtstraße
Hausnummer: 32 & 33
Denkmalart: Ensemble
Sachbegriff: Mietshaus

Direkt an die Wohnanlage Proskauer Straße angrenzend, wurde um 1900 die Bänschstraße als repräsentative Prachtstraße angelegt.(1)

Vom westlichen Forckenbeckplatz aus führt die mit 35 Metern außergewöhnlich breite Straße in streng axialer Ausrichtung auf die Samariterkirche zu, die die städtebauliche Dominante des gesamten Ensembles darstellt.

Auf Messels Reformarchitektur reagierte man weder strukturell noch formal. Die Mietshäuser mit den reich verzierten Fassaden entlang der Allee sind vielmehr Resultat der geläufigen Spekulationspraxis um die Jahrhundertwende. 1890 erwarb die Actien-Gesellschaft Berliner Neustadt das von Laubenkolonien besiedelte Bauland und stiftete der Lichtenberger Markus-Gemeinde einen zentral gelegenen Bauplatz. Durch die Samariterkirche, für deren Kosten die Gemeinde aufkam, wurde auch das übrige Gelände aufgewertet. Erst dann stellte die Actien-Gesellschaft parzellenweise Bauanträge, beauftragte eine Reihe von Architekten mit Entwürfen und verkaufte schließlich - mit enormem Gewinn - die einzelnen Grundstücke mit den dazugehörigen Baurechten an Kleinunternehmer, die meist ebenfalls im Baugeschäft tätig waren. Diese Bauherren trugen das gesamte finanzielle Risiko. Zahlreiche Pfändungsbefehle in den Bauakten lassen darauf schließen, daß so mancher unter ihnen kurz vor Fertigstellung seines Mietshauses Konkurs anmelden mußte.

Die aufwendig dekorierten Stuckfassaden des Ensembles von Wohnbauten besonders in der Bänschstraße, der Proskauer Straße sowie der Samariterstraße dokumentieren bis heute das Streben nach sichtbarer Individualität. Die Architekten, Maler-, Maurer- und Zimmermeister bemühten sich, ihren sozialen Rang und die Leistungsfähigkeit ihrer Firmen möglichst eindrucksvoll unter Beweis zu stellen. In Stein und Stuck umgesetzte Musterbücher, wie sie im Friedrichshain aufgrund der starken Kriegszerstörungen nur noch selten vorkommen, sind das Ergebnis. Hier lassen sich die um 1900 beliebten, vom Jugendstil beeinflußten Formen für Giebel, Balkone, Loggien, Erker, Treppenhäuser und Wohnungstüren bis hin zu amüsanten Stuckverzierungen, etwa einem Paradiesbaum mit Schlange, bewundern.

Die Gebäudedispositionen und Wohnungsgrundrisse sind hingegen allenfalls als konventionell zu bezeichnen. Aus Gründen der Rentabilität wurde weder auf Seitenflügel noch auf Quergebäude verzichtet. Sogar die verpönten "Berliner Zimmer" waren weiterhin an der Tagesordnung.


(1) Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR, Hauptstadt Berlin I, S. 445. Die frühere Mirbachstraße wurde am 31. Mai 1951 nach Willi Bänsch benannt, einem 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden ermordeten antifaschistischen Widerstandskämpfer.

Literatur:
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite S.445.
  • Topographie Friedrichshain, 1996 / Seite 167-168