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Bürgerhaus Joachimstraße 21

Obj.-Dok.-Nr.: 09035266
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Joachimstraße
Hausnummer: 21
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Bürgerhaus
Fertigstellung: 1822
Bauherr: Graebert, Friedrich Wilhelm (Gastwirt)

Die historischen Wohnbauten in der um 1700 angelegten Joachimstraße zeichnen die Entwicklung dieses Vorstadtbereichs vom späten 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts nach. (1)

Die in unmittelbarer Nachbarschaft erhaltenen Wohnhäuser Joachimstraße 6, 10, 11A, 14, 15 und 16 aus der Zeit zwischen 1830 und 1840 bilden mit ihren jeweiligen Besonderheiten ein Ensemble von Baudenkmalen, welches in der Spandauer Vorstadt einmalig ist. Neben der Überlieferung des historischen Gebäudegrundrisses belegen vor allem die handwerklichen Details und Ausstattungen der hölzernen Treppenanlagen typologische Besonderheiten des Berliner Mietshauses in diesem Zeitraum. (2)

(...)

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts verlief der nördliche Teil der Joachimstraße noch unbebaut zwischen Plantagen und Gärten. In der Karte des preußischen Generalstabes von 1827 ist nur eine bebaute Hausstelle, die Wohn- und Arbeitsstätte eines Seidenwirkers, auf der Westseite der Straße verzeichnet.

(...)

Der Polizeisekretär Alexander August Malzahn hat laut Kaufvertrag vom 9. März 1803 die beiden Grundstücke Joachimstraße 20 und 21 erworben. Im selben Jahr ließ er in der Joachimstraße 21 ein zweigeschossiges massives Wohnhaus erbauen. (3) Mit der breiten Straßenfront von neun Achsen und der geringen Haustiefe von nur acht Metern wurde der Neubau von 1803 an das bereits bestehende Vorderhaus Nr. 20 angeglichen. Im Jahre 1817 verkaufte Malzahn seine Häuser an den Gastwirt Friedrich Wilhelm Graebert. Der neue Besitzer hat die zweigeschossigen Wohnhäuser 1822 um ein Geschoss aufgestockt. Die eingestemmte Holztreppe über der mittig angelegten Durchfahrt trägt Spuren dieses Umbaus. Die Gestaltung des Treppenantritts und die Keulenbaluster des Geländers sind typische Formen aus der Bauzeit 1803. Ebenfalls zeittypisch und in anderen vergleichbaren Wohnbauten der Spandauer Vorstadt vorkommend ist das dreieckige Treppenauge. (4) Aus dem Baujahr 1803 sind Wohnungstüren mit geschmiedeten Aufsatzbändern in Widderform erhalten.

Bis 1891 blieb das Anwesen im Besitz der Familie Graebert. Der Gastwirt Carl Wilhelm Graebert hatte 1859 einen großen hofseitigen Ballsaal an das Haus Nr. 20 anbauen lassen, wovon nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg noch Konturen an der Hoffassade sichtbar sind. Ein Wandgemälde im nördlichen Erdgeschossraum erinnert ebenfalls an die Ballhausnutzung. Mit der umfassenden Instandsetzung 1992-95 konnte die vordem sehr vernachlässigte Bausubstanz gesichert werden.


(1) Die Straße hieß zuerst Heidereitergasse nach dem hier bis 1712 wohnhaften Heidereiter. 1834 in Waldemarstraße umbenannt, erhielt sie nach weiteren Umbennungen 1862 ihren heutigen Namen.

(2) Vgl. Hübner 1995, S. 14-15, 63, 66-67.

(3) Vgl. für Baudaten: ZGA Berlin, Königstadt, Blatt 393, 394, Landesarchiv Berlin ARep. 0180, Acc. 750, Bd. 156, S. 23.

(4) Siehe auch Gipsstraße 11 (Liste Nr. 264) und Auguststraße 69 (Liste Nr. 135).

Literatur:
  • Kohte, Wohnhäuser, 1923 / Seite 114
  • Schachinger, Erika, Alte Wohnhäuser in Berlin, Berlin 1969 / Seite S. 59
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 496, 498-500