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Bürgerhaus Gipsstraße 11

Obj.-Dok.-Nr.: 09035157
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Gipsstraße
Hausnummer: 11
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Bürgerhaus
Fertigstellung: um 1795
Umbau: 1840-1841

Die parallel zur Sophienstraße verlaufende Gipsstraße wurde 1699 angelegt und erhielt ihren Namen nach einer hier gelegenen Gipsbrennerei.

Das Bürgerhaus Gipsstraße 11, als Blickfang an der Einmündung der Joachimstraße liegend, ist eines der ältesten erhaltenen Wohngebäude in der Spandauer Vorstadt. (1)

Bauherr war der Bildhauer Carl Ludwig Bettkober, der das Grundstück 1797 für 2800 Reichstaler erkauft hat. Nach Abbruch der älteren Bauten ließ sich Bettkober 1800 den zweigeschossigen Putzbau mit neun Achsen errichten und versicherte sein Wohnhaus für 8400 Reichstaler bei der Feuersozietät. Die klassizistische Fassade ist von streng stilisierten Mäanderbändern über dem Portal und unter den Verdachungen der den Mittelrisalit flankierenden Fenster geprägt. Das Haus wird über eine mittlere Durchfahrt und einem davon losgelösten, eigenständigen Treppenhaus erschlossen. Mit der eingestemmten Holztreppe über der Durchfahrt konnte ein bestimmendes typologisches Element im Grundriss des Berliner Wohnhauses bewahrt werden. (2) 1843 erwarb der Architekt Gustav Stier, Professor an der Bauakademie und früher Zeichner bei Schinkel , (3) das Haus und wohnte wahrscheinlich bis zur Pensionierung 1861 darin. Tischlermeister Ludwig Mermel errichtete 1872 das Quergebäude im Hof und stockte das ursprünglich nur zweigeschossige rechte Seitengebäude auf. Weitere Umbauten gehen auf einen Besitzerwechsel 1886 zurück, als der Bildhauer August Kleefeld das große Rundbogenfenster aus der Bauzeit 1800 von der Straßenfassade auf die Hofseite versetzen ließ. Kleefeld ist auch der Urheber für die Stuckdekoration über den Treppenhausfenstern. Um 1900 erfolgten Ladeneinbauten für eine koschere Fleischerei in den Erdgeschossräumen. Ein Windfang schließt seitdem die Treppe von der Durchfahrt ab.

Mit der umfassenden Instandsetzung 1994-96 ist es gelungen, das vordem stark in seiner Bausubstanz gefährdete Baudenkmal nachhaltig zu sichern.


(1) Vgl. Landesarchiv Berlin, ARep. 0180, Acc. 750, Bd. 273, S. 405; ZGA Berlin, Königstadt, Bl. 271.

(2) Vgl. Gut 1917, S. 216, 236-238.

(3) Vgl. Börsch-Supan 1977, S. 679.

Literatur:
  • Börsch-Supan, Berliner Baukunst nach Schinkel, 1977 / Seite S. 679
  • Gut, Wohnhaus, 1984 / Seite S.216,260,262
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 500