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Sankt Johannes Evangelist-Kirche

Obj.-Dok.-Nr.: 09035099
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Auguststraße
Hausnummer: 90
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche
Fertigstellung: 1900
Entwurf: Spitta, August Adolf Max (Architekt)
Ausführung: Bürckner, Adolf

Durch die starke Bevölkerungszunahme in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts entstand auch in der Spandauer Vorstadt ein Bedarf an Kirchenneubauten. (1) Bereits 1859 hatte die seit 1856 selbstständige St.-Johann Evangelist-Gemeinde gemeinsam mit der St.-Philippus-Gemeinde in der Auguststraße eine kleine Backsteinkapelle errichten lassen, die 1897 abgerissen wurde. 1898 bis 1900 entstand nach Plänen von Max Spitta, die Bauleitung hatte Adolf Bürckner, die St. Johannes Evangelist-Kirche, Auguststraße 90 als Langschiffkirche in geschlossener Bebauung. (2) Der auf Kirchenbau spezialisierte Baubeamte Max Spitta erweist sich auch hier als versierter Stilarchitekt. Wie bei seinem Entwurf zur 1891-95 errichteten Gnadenkirche am Invalidenpark greift er auf Stilvorbilder der Romanik zurück. Die zurückgesetzte neoromanische Backsteinfassade fügt sich mit den flankierenden Treppenvorbauten in die Häuserzeile auf der Nordseite der Straße ein. Die hohe Giebelfront mit Dachturm überragt die umgebende Bebauung und setzt einen dem Sakralbau angemessenen städtebaulichen Akzent. Der dreijochige Kirchengrundriss orientiert sich am bewährtem Schema der zentralisierenden Längsanlage. Nach Kriegsschäden wurde die Kirche 1957 ohne Dachreiter wieder hergestellt.


(1) Der Bevölkerungszuwachs war begleitet von einer zunehmenden Proletarisierung der Berliner Bevölkerung und massenhaften Kirchenaustritten. Deshalb sahen sich sozialkonservative Kreise des Hofes veranlaßt, 1890 den Evangelischen Kirchenbau-Verein zu Berlin zu gründen. Die Schirmherrschaft übernahm die Gemahlin Wilhelm II., die junge Kaiserin Auguste Victoria, treibende Kraft war ihr Oberhofmeister Ernst Freiherr von Mirbach. Zur Überwindung der "Kirchennot" entstanden innerhalb eines Jahrzehnts in Berlin und dessen unmittelbarer Umgebung mehr als 50 Kirchenneubauten. Ein vorrangiges Anliegen dabei war, das an monumentalen Kirchenbauten arme Berlin durch sakrale Repräsentationsbauten aufzuwerten. Vgl. BusB VI, S. 85.

(2) Vgl. Kühne/Stephani 1978, S. 391 und BusB VI, S.97-99 und S. 378.

Literatur:
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 484-486
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 &
    Kühne, Stephani/ Kirchen, 1978