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Kaserne des 3. Garde-Regiments zu Fuß

Obj.-Dok.-Nr.: 09031266
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Wrangelstraße
Hausnummer: 98
Strasse: Zeughofstraße
Hausnummer: 24
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kaserne
Entwurf: 1873
Datierung: 1874-1878
Umbau: 1950 & 1976-1979
Entwurf: Heimerdinger, Otto (Baumeister)
Bauherr: Königlicher Militär-Fiscus

Nicht weit von dem Postgebäude entfernt erhebt sich ein zweiter bedeutender Großbau. Auf den Grundstück Wrangelstraße 98, Zeughofstraße 24 steht die 1874-78 erbaute Kaserne des 3. Garderegiments zu Fuß. (1) Die Planung übernahm der Garnison- und Landbauinspektor Otto Heimerdinger, der in den 1870er Jahren zahlreiche Militärgebäude in Berlin entwarf. Für die Ausführung zeichneten zudem die Bauinspektoren Schönhals und Pieper verantwortlich. Als Baugrund nutzte man das Terrain des ehemaligen "Judengartens", eines im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts von dem Bankier und Hofbaurat Daniel Itzig angelegten Barockgartens. Die Kaserne, die etwa zweitausend Soldaten aufnehmen konnte, bestand aus zahlreichen Einzelgebäuden auf beiden Seiten der Wrangelstraße. Nördlich der Straßenachse wurden um einen großen quadratischen Exerzierhof die Unterkunftsgebäude gruppiert, während südlich der Straße ein Exerzierhaus und das Offizierskasino standen. Die Kaserne wurde 1919 geschlossen und danach von der Polizei und als Altersheim genutzt. Im Vorfeld des Aus- und Umbaus der Kaserne zum Oberstufenzentrum Handel hat man 1975-86 nahezu den gesamten historischen Baubestand beseitigt. Einzig das Hauptgebäude längs der Wrangelstraße wurde in die Schulplanung integriert und zum Hof hin nach Plänen der Architekten Ivan Krusnik und Oskar Reith bis 1979 durch einen modernen, parallel zum Altbau angeordneten Schultrakt ergänzt. Alt- und Neubau sind über brückenartige Gänge miteinander gekoppelt.

Als stattlicher Einzelbau prägt das Kasernengebäude mit seiner etwa 170 Meter langen Fassade das umliegende Stadtgebiet. Zugleich erinnert es an die frühere Nutzung des Viertels, das insbesondere in Richtung Spree und entlang der Köpenicker Straße über lange Zeit von großformatigen Militärgebäuden dominiert wurde. Wie bei zahlreichen anderen Militärbauten des 19. Jahrhunderts stand der burgenartige Charakter im Vordergrund. Die klare Massen- und Fassadengliederung entspricht zu weiten Teilen dem Schema, das bereits zuvor bei der Garde-Dragoner-Kaserne (1850-54) oder der Kaserne des Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Regiments (1863-66) in der Tempelhofer Vorstadt umgesetzt worden war. (2) Viergeschossige Kopfbauten und ein gleichfalls erhöhter Mitteltrakt akzentuieren den Backsteinbau, dessen lange Front durch Lisenen und Gesimse gegliedert wird. Die Belichtung erfolgt hauptsächlich durch paarweise gekoppelte Rundbogenfenster. Gestalterisch betont ist der Mitteltrakt, der von aufwendig gestalteten polygonalen Türmen flankiert wird. Das Motiv des Doppelturms vor breit gelagerter Hauptfassade scheint dem nahegelegenen, wenige Jahrzehnte zuvor errichteten Bethanien-Krankenhaus entlehnt zu sein. Von beachtlichem Reichtum sind die Terrakotten des Kranzgesimses und der Turmköpfe. Ein breiter Fries aus großformatigen Terrakottaplatten umgibt die Türme unterhalb des Kranzgesimses. Dabei beziehen sich die dargestellten Motive programmatisch auf den Kasernenbau. Die alte Raumgliederung ist größtenteils erhalten geblieben. Die einseitig belichteten Flure verfügen über gewölbte Decken.


(1) BusB 1876, S. 249; BusB 1896, Bd. 2, S. 383; Reith, Oskar: Oberstufenzentrum Handel, Berlin-Kreuzberg, Zeughofstraße. In: Die Bauverwaltung 53 (1980), S. 90-95; Klinkott 1988, S. 341-344; Dürre 2001, S. 78-80; Dehio Berlin 2006, S. 307.

(2) Die Garde-Dragoner-Kaserne entstand nach Entwurf von Ferdinand Fleischinger am Mehringdamm in Kreuzberg. Die Kaserne des Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Regiments an der Blücherstraße wurde von 1863-66 ebenfalls nach Plänen von Ferdinand Fleischinger erbaut. Bis auf ein später errichtetes Kasinogebäude wurde die Kaserne vollständig abgetragen.

Literatur:
  • Dehio, Berlin, 1994 / Seite 282
  • BusB I/II 1877 / Seite 249
  • BusB II/III 1896 / Seite 383
  • Klinkott/ Backsteinbaukunst, 1988 / Seite 341-344
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 245 f.