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Mietshaus & Gewerbehof Waldemarstraße 33 & 35

Obj.-Dok.-Nr.: 09031261
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Waldemarstraße
Hausnummer: 33 & 35
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus & Gewerbehof
Datierung: 1875-1876
Umbau: 1883-1884 & 1889 & 1890
Entwurf: Schneider, W. (Maurermeister & Kaufmann & Baugeschäft)
Entwurf & Ausführung: Goltsch, Franz
Bauherr: Goltsch, Carl (Pianofabrikant)
Bauherr: Goltsch, Franz (Maurermeister & Kaufmann & Baugeschäft)

Aus der gleichförmigen Bebauung der Waldemarstraße sticht die opulent geschmückte Fassade des Doppelmietshauses Waldemarstraße 33/35 heraus. Das Haus gehört zu einer umfangreichen Gebäudegruppe, die auf dem Hinterland des Grundstücks in mehreren Bauphasen über einen Zeitraum von etwa fünfzehn Jahren entstanden ist. (1) Die gut erhaltenen Bauten veranschaulichen beispielhaft die im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts zu beobachtende bauliche Verdichtung der Blockinnenflächen in der Luisenstadt. Zugleich belegen sie die Wandlung des Viertels von einem vorstädtischen Wohnquartier zu einem großstädtischen Mischgebiet, in dem Wohnen und Arbeiten in engem räumlichen Zusammenhang standen. Die Bebauung des Grundstücks begann 1875 mit der Errichtung eines Fabriktrakts für den Pianofabrikanten Carl Goltsch. Die Pläne für den zunächst vollkommen freistehenden Seitenflügel lieferte der Architekt W. Schneider. 1883-84 erfolgte der Bau des straßenseitigen Doppelmietshauses samt Seitenflügel. Zugleich wurde der ältere Fabriktrakt aufgestockt. Für die Arbeiten zeichnete Franz Goltsch als Bauherr und Architekt verantwortlich. Auf Goltsch geht auch die abschließende, 1889-90 vorgenommene Errichtung einer weiteren, zwei Höfe umschließenden Etagenfabrik zurück, die auf dem bis dahin unbebauten rückwärtigen Teil des Grundstücks entstand.

Mit seiner weitgespannten repräsentativen Fassade ist das straßenseitige Mietshaus von prägender Wirkung für das Stadtbild. Die in reichen Neorenaissanceformen gestaltete Front setzt sich nicht nur in der Höhen- und Breitenentwicklung, sondern auch in der insgesamt deutlich aufwendigeren Gestaltungsweise von den älteren spätklassizistischen Fassaden der Umgebung ab. Während die Nachbarhäuser im Regelfall einen streng gegliederten, flächigen Wandaufbau mit einer verhaltenen Farbigkeit zeigen, lebt die Fassade des Doppelmietshauses von der starken Plastizität und dem Farbkontrast, den das rote Klinkermauerwerk und die aufgesetzten Stuckaturen in ihrem gebrochenem Weißton bilden. Zur raumgreifenden Fassadenwirkung tragen auch die nobel anmutenden Erker bei. Das Erkermotiv fand erst in den 1880er Jahren Eingang in den Massenwohnungsbau.

Obwohl unterschiedlichen Bauphasen zugehörig, zeigen die rückwärtigen Fabriktrakte ein weitgehend einheitliches und für Gewerbebauten der Zeit typisches Erscheinungsbild. Zu diesem Eindruck trägt hauptsächlich das gelbe Klinkermauerwerk bei, das sämtliche Fabrikfassaden überzieht. Gesimse und rote Ziegelbänder sorgen für eine waagerechte Gliederung. Kennzeichnend ist indessen, dass die Fensteröffnungen des älteren Fabrikflügels noch deutlich kleiner gehalten sind als die Fenster der später entstanden Trakte, bei denen auf eine optimale Belichtung der teilweise recht tief gestaffelten Innenräume viel Wert gelegt wurde. Während der Bau von 1875 bei den Fenstern noch die charakteristischen älteren Bogenformen zeigt, so verfügen die großformatigen Fenster der jüngeren Bauten bereits über gerade, mit eisernen Trägern versehene Stürze. Sämtliche Hofgebäude wurden weitgehend in Massivbauweise errichtet, in Teilen wird das konstruktive Gerüst jedoch von gusseisernen Säulen und Unterzügen gebildet. Ein seltenes bauliches Detail stellen die außen sichtbaren gusseisernen Rundsäulen im Erdgeschoss des Seitenflügels von 1875 dar. Ursprünglich befand sich hier eine bodentief geöffnete Arkade, hinter der Pferdeställe lagen. 1982-83 und 1998-99 wurden Vorderhaus und Fabrikanlage saniert.


(1) Bascón-Borgelt, Christiane: Vom Schuppen zum Gewerbehof. Bauten der Kreuzberger Mischung, Berlin 1984, S. 54 ff.; Mislin 2002, S. 318 ff.

Literatur:
  • Bascón-Borgelt, Vom Schuppen zum Gewerbehof. Bauten der Kreuzberger Mischung, Berlin 1984 / Seite 54ff. (unvollständige Baugeschichte)
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 227