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Fabrik Urbanstraße 116

Obj.-Dok.-Nr.: 09031255
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Urbanstraße
Hausnummer: 116
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Fabrik
Datierung: 1894-1895
Entwurf: Kösel, August (Maurermeister)
Bauherr: Kösel, August (Maurermeister)

Der Urbanhof in der Urbanstraße 116 ist ein anschauliches Beispiel für die charakteristische Kombination aus Wohn- und Fabrikbauten, die im Ortsteil Kreuzberg in vielen Quartieren anzutreffen ist. (1) Der kleine Gebäudekomplex wurde 1894-95 von Maurermeister August Kösel errichtet, der zugleich auch Eigentümer war. Kösel hatte wenige Jahre zuvor die rückwärtig angrenzenden Grundstücke Dieffenbachstraße 35 und 36 mit Mietshäusern und Etagenfabriken bebaut. Als Baugrund stand ein sogenanntes Hammergrundstück zur Verfügung, weshalb das zur Straße gelegene Wohngebäude mit Vorderhaus, Seitenflügel und Quergebäude deutlich schmaler ausgefallen ist als der Fabrikbereich in der Blockinnenfläche. Während das Mietshaus in der Nachkriegszeit umfassend saniert wurde und dabei seinen Bauschmuck größtenteils verlor, ist die Gewerbeeinheit nur in wenigen Details verändert. Die fünfgeschossige Etagenfabrik zeigt eine nüchterne Industriearchitektur, wie sie für viele Gewerbebauten der Jahrhundertwende kennzeichnend ist. Ihre zwei Seitenflügel und das tiefe Quergebäude umschließen einen weiten, querrechteckigen Hof. Rotes Sichtmauerwerk überzieht sämtliche Geschosse. Die in die flächigen Fassaden eingeschnittenen großformatigen Segmentbogenfenster bilden das vorrangige Gliederungselement. Außergewöhnlich für den Gewerbebau sind die rund ausgebildeten Gebäudeecken, die nicht nur für eine bessere Innenraumbelichtung sorgen, sondern auch die Übergänge zwischen Quergebäude und Seitenflügel in gestalterisch gefälliger Weise verschleifen. Um die Fassadenflächen nicht gänzlich schmucklos zu lassen, versah Kösel das Sichtmauerwerk mit dunklen Glasurklinkereinlagen. Der wohl auffälligste Schmuck hat sich nur an der Nordfassade erhalten. Dort rahmen zwei neobarocke Portale die Eingänge zu den rückwärtigen Treppenhäusern. August Kösel nutzte einige Gewerbeflächen für den Eigenbedarf, der Großteil der Etagenfabrik wurde vermietet. Dank des skelettartigen Aufbaus können die Grundrisse variabel eingeteilt und damit auf verschiedenste Nutzungs- und Nutzerbedürfnisse zugeschnitten werden. Konstruktiv überrascht die außerordentliche Tiefe des Quergebäudes, die zur Anordnung von zwei innenliegenden Stützenreihen zwang. Der Gewerbehof wird noch heute als Büro- und Gewerbestandort genutzt.


(1) Hildebrandt/Lemburg/Wewel 1988, S. 57; Raach 2008, S. 70.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 329