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Offizierskasino des Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 2

Obj.-Dok.-Nr.: 09031254
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Urbanstraße
Hausnummer: 21
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kasino
Datierung: 1914
Bauherr: Militär-Fiskus

Das Gelände westlich der Fontanepromenade zwischen Blücher- und Urbanstraße diente einst als Kasernenstandort. 1863-66 wurde hier die Kaserne für das Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2 errichtet, womit die planmäßige Bebauung der östlichen Tempelhofer Vorstadt begann. Die Kasernenbauten wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach abgebrochen.

Einen Hinweis auf das einstige Kasernengelände gibt das erst 1914 errichtete Offizierskasino in der Urbanstraße 21. Das villenartige Gebäude stellt aufgrund seiner ungewöhnlichen Kubatur und seiner freien Stellung im Stadtraum eine Ausnahme in dem ansonsten mit großstädtischen Mietshäusern bebauten Viertel dar. In seiner Maßstäblichkeit und architektonischen Haltung wirkt das Offizierskasino wie eine herrschaftliche Villa. Die gestalterische Detaillierung und der schmucklose Wandaufbau beziehen sich auf die schlichte, einfache Bauweise des frühen 19. Jahrhunderts, die das 1908 veröffentlichte Buch "Um 1800" des Architekten Paul Mebes populär machte. Das Haus verfügt über einen Sockel, zwei Vollgeschosse, von denen das untere als Beletage ausgebildet ist, und über ein hohes Walmdach, dessen Flächen durch Fledermausgauben und Attiken wirkungsvoll belebt werden. Gedeckt wurde das Dach mit der heute in Berlin kaum mehr anzutreffenden Mönch-Nonnen-Deckung. Für eine wirkungsvolle Gliederung der weitgehend schmucklosen Fassaden sorgen die symmetrisch angeordneten Fensterachsen. Gestalterischen Vorrang genießt die straßenseitige Fassade. Hier hat man die mittleren drei Achsen risalitartig betont und mit einem gerahmten Portal ausgestattet. Geschossübergreifende kannelierte Lisenen gliedern den Risalit. Eine zweiarmige Freitreppe unterstreicht effektvoll das stattliche Erscheinungsbild. Innen blieben die alte Raumgliederung und das hochwertige Inventar ohne größere Veränderungen erhalten, weshalb das Haus einen authentischen Einblick in das Offiziersleben zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlaubt. Neben dem Haupttreppenhaus gehören die in verschiedenen Stilfassungen dekorierten Decken und ein alter Kamin zum bauzeitlichen Bestand. Besonders aufwendig gestaltet ist der große, über zwei Geschosse reichende Garten- oder Festsaal, der eine qualitätvolle neoklassizistische Ausstattung besitzt. Nach der Auflösung des Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Regiments No. 2 infolge des Versailler Vertrags wurde das Kasino schon in den 1920er Jahren einer zivilen Nutzung zugeführt. Heute dient das Haus als Nachbarschaftsheim kulturellen und sozialen Zwecken. (...)

Das Kriegerdenkmal, das in den Grünzug der Baerwaldstraße einbezogen ist, verweist auf die einstmals gegenüberliegende Kaserne des Kaiser-Franz-Garde-Grenadier-Regiments No. 2.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 336 f.