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Haus der Ostdeutschen Heimat & Deutschlandhaus

Obj.-Dok.-Nr.: 09031245
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Stresemannstraße
Hausnummer: 90
Strasse: Anhalter Straße
Hausnummer: 20
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Geschäftshaus
Datierung: 1926-1931
Umbau: 1931-1935
Entwurf: Firle, Otto (Architekt)
Entwurf: Bielenberg und Moser (Architektengemeinschaft)
Bauherr: Großbauten AG

In der Stresemannstraße 90-94 entstand von 1925-31 das Europahaus. Der umfangreiche zwei- bis elfgeschossige Gebäudekomplex ist Ergebnis eines Ideenwettbewerbs, an dem sich über 100 Architekturbüros beteiligten. Städtebauliches Konzept und Ausführungsplanung gehen auf die Architekten Richard Bielenberg, Albert Heilmann und Otto Firle zurück. (1) Das Europahaus war ursprünglich als Hotel und multifunktionales Geschäftshaus geplant worden. Wegen des permanent stockenden Genehmigungsverfahrens wurde die Hotelidee schließlich aufgegeben und das Haus für Büros und große Vergnügungseinrichtungen hergerichtet. (2) Nach starken Kriegszerstörungen wurde der Komplex 1959-66 wieder aufgebaut.

Das kubisch angelegte Geschäftshaus Stresemannstraße 90, Anhalter Straße 20 gehörte ursprünglich als südöstlicher Flügel zum Komplex des Europahauses. Das um vier Meter aus der Bauflucht zurückspringende Haus wurde 1926 von dem Architekturbüro Bielenberg & Moser als viergeschossiges Eckgebäude in verhalten expressionistischen Formen errichtet. 1935 erhielt es ein fünftes Geschoss. Seine Fassaden werden an den Gebäudeecken durch profilierte Werksteinpfeiler gefasst. Das Erscheinungsbild ist durch den farblichen Dreiklang von rotem Porphyr, schwarzblauem Basalt und weißem Marmorputz bestimmt. Während das Erdgeschoss als Geschäfts- und Ladenzone mit großen Fensterformaten ausgestattet wurde, wirken die Obergeschosse massiv und geschlossen. In seinem Innern hat sich im Erdgeschoss mit der hölzernen Wandverkleidung der einstigen "Mokka-Express-Stube" noch ein wichtiges bauzeitliches Ausstattungselement in expressionistischen Formen erhalten. Das Gebäude war nach dem Krieg als "Haus der Ostdeutschen Heimat" Sitz von Vertriebenenverbänden.

Die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung richtet in dem Gebäude ein Ausstellungs-, Dokumentations- und Informationszentrum mit einer Dauerausstellung zu Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert ein.


(1) Möhring, Bruno: Die Umgestaltung des Askanischen Platzes. In: Stadtbaukunst in alter und neuer Zeit 5 (1924), S. 65-67; Deutsche Bauzeitung 58 (1924), S. 406 ff.; Wasmuths Monatshefte für Baukunst 8 (1924), S. 206; Bauwelt 15 (1924), S. 106, 649 ff., Baugilde 6 (1924), S. 106; Heilmann, Albert: Das Europa-Haus in Berlin, Berlin-München 1931; Deutsche Bauhütte 40 (1936), S. 162; BusB IX, S. 150f., 197-198; BusB VIII A, S. 228; Dehio Berlin 2006, S. 309-310.

(2) Zu nennen wären hier etwa das Phoebus-Lichtspielhaus, das Café Europa mit 3.000 Sitzplätzen und das Münchner Hofbräuhaus mit etwa 700 Plätzen.

Literatur:
  • BusB IX 1971 / Seite 150, 197
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 155