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Hebbel-Theater

Obj.-Dok.-Nr.: 09031244
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Stresemannstraße
Hausnummer: 29 & 29A
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Theater
Datierung: 1907-1908
Entwurf: Kaufmann, Oskar & Wolkenstein, San Micheli & Weber, Albert & Heinersdorff, G. (Architekt)
Bauherr: Robert, E.

Der beeindruckende Bau des Hebbel-Theaters, Stresemannstraße 29-29A, geht auf den bekannten Theaterarchitekten Oskar Kaufmann zurück, der den Entwurf in Zusammenarbeit mit San Micheli Wolkenstein, Albert Weber und G. Heinersdorff erstellte. (1) Die Bildhauerarbeiten führte Hermann Feuerhahn aus. Das monumentale Gebäude war Kaufmanns erster Theaterbau, dem jedoch viele weitere folgen sollten, darunter die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Den Bauauftrag erteilte 1906 der ungarische Regisseur Eugen Robert. Bereits im Januar 1908 konnte die Eröffnung gefeiert werden. Ebenso wie die Volksbühne war auch das Hebbel-Theater noch als klassisches Rangtheater angelegt. Hierin sowie mit der strikten Trennung von Zuschauerraum und Bühne wandte sich Oskar Kaufmann entschieden gegen die Ideen der zeitgenössischen Theaterreformbewegung. Mit dem Zuschauerraum schuf der Architekt indes einen "neuartigen intimen Raumtypus, der für sein weiteres Werk maßgeblich sein sollte." (2)

Wegen seiner Ecklage kommt das Hebbel-Theater im Stadtraum gut zur Geltung. Mit der plastischen Massen- und Wandgliederung und der kraftvoll gezeichneten Werksteinbossierung hebt sich das Gebäude deutlich von den umgebenden Wohn- und Geschäftsbauten ab. Die für die Zeit nicht ungewöhnliche Stilmischung aus Jugendstilformen und monumentalen Elementen sorgt für ein sehr individuelles Architekturbild. Dabei erweist sich die Straßenfassade als schöpferische Neuinterpretation des klassischen Tempelfrontmotivs. Die Schauseite erhebt sich hinter einer Freitreppe, die effektvoll die Würde des Hauses unterstreicht. In die aus großem Giebelfeld, Sockel und seitlichen Wandflächen gebildete Fassade ist mittig als zentrales Gestaltungsmotiv ein großes, gebauchtes Kompartiment mit vertikalen Fensterbahnen eingelassen. Weil die Eingangsportale ohne Rahmung in die Wandfläche einschneiden, wirkt der Bau im Erdgeschoss wuchtig und gedrungen. In deutlichem Gegensatz zur monumental und feierlich angelegten Fassade steht die intime Atmosphäre des Innern, die durch reich ausdifferenzierte Grundrisse und hochwertige, aus verschiedenen Hölzern gefertigte Wandvertäfelungen charakterisiert ist. Die ovale Kassenhalle erhielt eine Vertäfelung aus Eichen- und Mahagoniholz, der Zuschauerraum wurde mit Birken- und Palisanderholz gestaltet. Das Hebbel-Theater gehört zu den kleineren Theaterbauten des frühen 20. Jahrhunderts. Sein Zuschauerraum verfügt über zwei Ranggeschosse und enthält 800 Sitzplätze. Da die Zuschauer möglichst nah an das Bühnengeschehen herangeführt werden sollten, stauchte Kaufmann den Raum durch größtmögliche Verkürzung der Längsachse. Neu war der Verzicht auf die Proszeniums-Logen und die Aufgabe der seitlichen Logen im zweiten Rang. Auf dem neuesten Stand der Technik präsentierte sich die elektrisch betriebene Drehbühne mit ihren zwei mitdrehenden Versenkungsmöglichkeiten. Das Hebbel-Theater wurde im Zweiten Weltkrieg nur leicht beschädigt. Die Wiederherstellung leitete Karl-Friedrich Demmer. Durch Sigrid Kressmann-Zschach wurden 1960 Veränderungen vorgenommen, die bei der letzten Restaurierung 1987 wieder rückgängig gemacht wurden. Das Hebbel-Theater zeigt deshalb heute weitgehend die von Oskar Kaufmann entworfene Gestalt.


(1) Deutsche Bauzeitung 42 (1908), S, 253 ff.; Berliner Architekturwelt 11 (1909), S. 63 ff.; BusB V A, S. 78 ff.; Schade, Waltraud: Hebbel-Theater. In: Geschichtslandschaft Berlin 1994, S. 167-182; Hansen, Antje: Oskar Kaufmann. Ein Theaterarchitekt zwischen Tradition und Moderne, Berlin 2001, S. 60-70; 222-228; Dehio Berlin 2006, S. 305-306.

(2) Hansen, Antje: Oskar Kaufmann. Ein Theaterarchitekt zwischen Tradition und Moderne, Berlin 2001, S. 227.

Literatur:
  • BusB V A 1983 / Seite 78, 115
  • Schade, Waltraud/ Hebbel Theater =Geschichtslandschaft, Kreuzberg, 1994 / Seite 167-182
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 184 f.