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Königliche Eisenbahn-Direktion

Obj.-Dok.-Nr.: 09031240
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Schöneberger Ufer
Hausnummer: 1
Strasse: Schöneberger Straße
Hausnummer: 14 & 15
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Verwaltungsbau
Datierung: 1892-1895
Umbau: 1929-1937
Entwurf: Wegner, Armin (Architekt)
Entwurf: Brademann, Richard

Die privaten Eisenbahngesellschaften in Preußen wurden bis 1887 verstaatlicht und der Aufsicht von Eisenbahn-Direktionen unterstellt. Die Königliche Eisenbahn-Direktion Berlin nutzte ein Grundstück in der Nähe von Anhalter und Potsdamer Bahnhof am Schöneberger Ufer 1 und an der Schöneberger Straße 14-15. Das Verwaltungsgebäude wurde 1892-95 nach Entwurf von Bauinspektor Armin Wegener errichtet. (1) Neben zahllosen Dienstzimmern und einigen wenigen Repräsentationsräumen enthielt es im Sockelgeschoss auch kleinere Dienstwohnungen. Wegener entwarf einen schlossartigen Monumentalbau, der durch Architekturformen der deutschen Spätrenaissance gekennzeichnet ist. Nicht nur wegen seiner Ecklage, sondern auch wegen des früher gegenüberliegenden, 1959-60 zugeschütteten Schöneberger Hafens kam das rote Klinkergebäude im Stadtraum ursprünglich außerordentlich gut zur Geltung. Seine mächtige Schaufront erhielt mit den seitlichen Rundtürmen und dem übergiebelten Mittelrisalit ebenso markante wie malerische Gliederungselemente. Die braunen Holzfenster, aber auch die Gesimse und Fensterrahmungen aus hellem Heuschener Sandstein harmonieren farblich gut mit dem roten Sichtmauerwerk. Auf- und Grundrisse sind weitgehend symmetrisch gehalten. Der viergeschossige Bau umschließt zwei trapezförmige Innenhöfe. Mit dem freundlichen, hellgelben Sichtmauerwerk der Hoffronten wollte man eine bessere Lichtausbeute erreichen. Innen fällt der enorme Verkehrsflächenanteil auf. Flure, Haupteingangshalle und Vestibül, an das sich links und rechts zwei Treppenhäuser anschließen, sind ungewöhnlich großzügig angelegt.

Der bekannte Eisenbahnarchitekt Richard Brademann entwarf die südlich anschließenden Erweiterungsbauten, die in mehreren Bauabschnitten realisiert wurden. Zunächst entstand 1928-29 ein abgeknickter Riegel entlang des Hochbahnviadukts. Der Stahlskelettbau erhielt in Anpassung an den Altbau rotes Sichtmauerwerk und Gesimsbänder, zeichnet sich allerdings insgesamt durch eine sachliche Formensprache in Anlehnung an die modernen Architekturtendenzen der 1920er Jahre aus. Nach Ausführung des Maschinenhauses 1933 und einigen Dachgeschossausbauten wurde 1937 das vier- bis siebengeschossige Bürogebäude in der Schöneberger Straße angefügt. (2) Brademann orientierte sich dabei an den Entwurfsidealen des Neuen Bauens und weniger an der monumentalen Architektursprache, die damals von den Nationalsozialisten für herausgehobene Bauaufgaben gefordert war. Nicht Symmetriebildungen und Hierarchisierungen bestimmen das Bild, sondern klar geschnittene Kubaturen und eine horizontale Gliederung. Mit den spannungsvoll zum Hochbahnviadukt heruntergestaffelten Baumassen, der abgerundeten Gebäudeecke und dem Turmbau mit seinen Rundfenstern wird der Eindruck eines Schiffs hervorgerufen, wobei das geflügelte Rad an der südlichen Gebäudespitze, das den Eisenbahnverkehr symbolisiert, einer Galionsfigur gleicht. (3) Um zu einer baulichen Geschlossenheit des Gesamtkomplexes zu gelangen, verwendete Richard Brademann eine rote Klinkerverblendung, die allerdings in ihrem schillernden Farbspiel vom Backsteinmauerwerk des Altbaus abweicht. Dass der in Stahlbetonbauweise ausgeführte Bau gleich vielen anderen öffentlichen Gebäuden der NS-Zeit auf einen bevorstehenden Luftkrieg vorbereitet war, belegt nicht nur das massiv erstellte Betondach, sondern auch der Bunker im fensterlosen, mit Travertin verblendeten Sockelgeschoss.

Die Königliche Eisenbahn-Direktion überwachte den gesamten Stadt-, Ring- und Vorortbahnverkehr in Berlin und Umgebung. 1920 ging aus ihr die Reichsbahndirektion Berlin hervor. Nach 1945 kam das Gebäude unter sowjetische Hoheit. Die von der DDR kontrollierte Deutsche Reichsbahn unterhielt hier seit 1958 eine Poliklinik für ihre Angestellten in West-Berlin. Nach einem Umbau 2002-06 wird das Haus wieder als Bürogebäude genutzt. (4)


(1) Deutsche Bauzeitung 29 (1895), S. 279; Zentralblatt der Bauverwaltung 16 (1896), S. 338-340; BusB 1896, Bd. 2, S. 112-115; Dehio Berlin 2006, S. 317.

(2) Dost 2002, S. 197-198.

(3) Dost 2002, S. 197.

(4) Zur Nutzungsgeschichte vgl. Eisenbahnverwaltung und Filmszenen. Das Gebäude der Reichsbahndirektion Berlin. In: Neue Passagen. Stadtgeschichte am Landwehrkanal, hrsg. v. d. Berliner Geschichtswerkstatt, Berlin 1996, S. 57-58.

Literatur:
  • BusB II/III 1896 / Seite 112-115
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 174 f.