denkmal  

 

Liste, Karte, Datenbank - Denkmaldatenbank

Erweiterunsgbau des Lands- und Amtsgerichts II

Obj.-Dok.-Nr.: 09031234
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Möckernstraße
Hausnummer: 130
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Gericht
Datierung: 1915-1921
Entwurf: Meffert, Erich & Petersen, Ernst (Architekt)
Entwurf: Hochbauabteilung des Finanzministeriums

In den 1880er Jahren war am Halleschen Ufer ein umfangreiches Dienstgebäude für das Landgericht II und das Amtsgericht Berlin-Tempelhof errichtet worden. Erheblich gestiegener Raumbedarf machte nach der Jahrhundertwende einen Erweiterungsbau des Land- und Amtsgerichts unumgänglich, der unter den schwierigen Umständen des Ersten Weltkriegs 1915-21 ausgeführt wurde. Das neue Gerichtsgebäude entstand auf dem Grundstück Möckernstraße 130 und Kleinbeerenstraße 13-19 in unmittelbarem baulichen Anschluss an das alte Dienstgebäude, das jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört und später komplett abgetragen wurde. Der Erweiterungsbau, der heute das Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg beherbergt, blieb vollständig erhalten. Die Entwürfe lieferte die Hochbauabteilung des Finanzministeriums, während Regierungsbaumeister Ernst Petersen und Baurat Erich Meffert die Bauleitung innehatten. (1) Das Amtsgericht erinnert an ein barockes Stadtpalais. Man griff bewusst auf die Formenwelt des preußischen Barock und Rokoko zurück, doch finden sich vereinzelt auch Anklänge an die frühklassizistische Baukunst. Das in den Blockrand eingefügte Gebäude wirkt nobel, aber nicht monumental. Seinen Kern bildet eine symmetrisch durchgeformte mehrgeschossige Dreiflügelanlage, deren Ehrenhof zur Straße durch einen niedrigen Portalvorbau geschlossen wird. (2) Der reich detaillierte Vorbau enthält den großzügig angelegten Haupteingangsbereich. Er ist gestalterisch hervorgehoben und lenkt den Blick auf den Mittelrisalit des rückwärtigen Corps de logis. An die Dreiflügelanlage schließen sich nördlich und südlich weitere, unregelmäßig ausgeformte Trakte an. Prägend für das barocke Erscheinungsbild sind neben der Massengliederung auch die hohen, mit Biberschwanzziegeln gedeckten Mansarddächer. Ein eindrucksvolles Schmuckmotiv ist die Kolonnade des Portalvorbaus, die sich ebenso wie die Architektur der Innenräume an klassizistischem Formenrepertoire orientiert. Man führte ihn als verputzten Mauerwerksbau aus. Werkstein kam aufgrund der beschränkten Finanzmittel nur sparsam zum Einsatz. Lediglich hervorgehobene Architekturglieder wie Fensterumrahmungen und Säulen, Gesimse und Sohlbänke ließ man in Sandstein ausführen. Konstruktiv beachtenswert sind neben den Hohlsteindecken vor allem die Mansarddächer, die im unteren Bereich aus einem Gefüge aus Eisenbetonbindern und Deckenhohlsteinen bestehen. Das Gebäude hatte außer zwei Sitzungssälen ausschließlich Büroräume aufzunehmen. Besonders repräsentativ gestaltet ist vor allem die weiträumige Eingangshalle mit den seitlich anschließenden zweiläufigen Treppen. Unter Neuanstrichen verschwunden ist die farbige Ausgestaltung der Wände und Decken, bei der man sich bewusst an Schinkelsche Vorbilder anlehnte. (3) 1993-95 wurde das Amtsgericht nach Süden um einen Neubau für das Familiengericht erweitert. Die Entwürfe für das kubische, mit hellem Werkstein verblendete Gerichtsgebäude stammen von Oswald Matthias Ungers.


(1) Meffert, Erich: Der Umbau und Erweiterungsbau des Landgerichts II Berlin und des Amtsgerichts Berlin-Tempelhof. In: Zentralblatt der Bauverwaltung 42 (1922), S. 58-62; BusB III, S. 79; Dehio Berlin 2006, S. 297.

(2) Um für die Arbeitsräume eine genügende Belichtung zu gewährleisten und zugleich das baupolizeilich zulässige Maß der Bebauung nicht zu überschreiten, konnte an dieser Stelle kein höhergeschossiger Trakt gebaut werden.

(3) Meffert, Erich: Der Umbau und Erweiterungsbau des Landgerichts II Berlin und des Amtsgerichts Berlin-Tempelhof. In: Zentralblatt der Bauverwaltung 42 (1922), S. 61.

Literatur:
  • BusB III 1966 / Seite 78
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 42 (1922) / Seite 68-72
  • Dehio, Berlin, 1994 / Seite 274
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 182 f.