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Mietshaus Schlesische Straße 14

Obj.-Dok.-Nr.: 09031232
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Schlesische Straße
Hausnummer: 14
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus
Datierung: 1863-1864
Entwurf: Wagner (Maurermeister)
Entwurf: Grunert (Zimmermeister)
Bauherr: König

Nach Süden schließt sich das Mietshaus Schlesische Straße 14 an, das 1863-64 von Maurermeister W. Wagner und Zimmermeister Grunert erbaut wurde. Das Haus ist eines der ältesten städtischen Wohnhäuser an der Schlesischen Straße. In seiner Baugestalt repräsentiert es den bereits aus dem Kernbereich der Luisenstadt bekannten Mietshaustyp. Damit verdeutlicht es, wie sich das Bild der Straße um 1860 wandelte. Die älteren, ein- bis zweigeschossigen Gärtner- und Handwerkerhäuschen wurden damals nach und nach durch mehrgeschossige Wohnhäuser in geschlossener Blockrandbauweise verdrängt. Die Eigentümerin, Frau König, ließ zunächst den viergeschossigen rechten Seitenflügel errichten, an den nach Abriss eines kleinen Wohnhauses zur Straße hin das gleichfalls viergeschossige Vorderhaus angeschlossen wurde. Das Haus, an dessen Errichtung sich zweifellos Renditeerwartungen knüpften, war auf einfache Wohnverhältnisse berechnet. Man stattete es durchgängig mit anspruchslosen, in Teilen nicht abgeschlossenen Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen aus, wobei die kleinen Schlafstuben in der Regel nicht heizbar waren. (1) Die Fassade täuschte indes über die bescheidene Qualität der Wohnungen hinweg. Die flächige, nur verhalten mit Bauschmuck versehene Front verfügt aufgrund ihrer streng symmetrischen Gliederung und der geschickten Staffelung der Geschosse über ein stattliches Erscheinungsbild. Anteil an der repräsentativen Wirkung haben aber auch die zweiachsigen, turmartig höher geführten Seitenrisalite sowie der Bossenputz, der im Erdgeschoss von besonderer Plastizität ist. Das erste Obergeschoss, in den Planzeichnungen als "Belletage" bezeichnet, ist durch aufwendige Fensterverdachungen akzentuiert. (2) Wie die meisten zeitgleich erstellten Wohnhäuser der Luisenstadt ist auch dieses Gebäude mit einem bewohnbaren Souterrain und einem großen Rundbogenportal ausgestattet. Das Portal öffnet sich zur Durchfahrt, von der man sowohl zum Treppenhaus als auch zum Hof gelangt. Im gleichen Maße, wie sich das umgebende Viertel baulich zunehmend verdichtete, wurde auch das Grundstück intensiver ausgenutzt. Nach Abriss kleinerer Anbauten fügte man an das Vorderhaus 1874 links einen weiteren Seitenflügel an. Dann folgte 1887 der Bau des fünfgeschossigen Quergebäudes, sodass der Hof heute allseitig eng von Wohntrakten umschlossen ist.


(1) "Ausgesprochen bürgerliches Wohnen" war hier - entgegen der Annahme von Hoffmann-Axthelm 1987, S. 56 - sicherlich nicht intendiert.

(2) Wohl um den gestiegenen Ansprüchen an Repräsentation besser gerecht werden zu können, wurde 1884 die Straßenfront höher geführt.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 264 f.