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Lehrerwohnhaus der 54. Gemeindeschule und Kindertagesstätte

Obj.-Dok.-Nr.: 09031230
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Schlesische Straße
Hausnummer: 3 & 4
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Lehrerwohnhaus & Kindertagesstätte
Datierung: 1874-1875 & 1986-1989
Entwurf: Blankenstein, Hermann (Architekt)
Entwurf: Siza Vieira, Álvaro (Baumeister)
Entwurf: Mylius
Bauherr: Magistrat Berlin

Das ehemalige Lehrerwohnhaus der 54. Gemeindeschule, heute Kindertagesstätte, Schlesische Straße 3-4, ist ein frühes Zeugnis des kommunalen Schulbaus in der südöstlichen Luisenstadt. Es gehörte zu einer Doppelschule (54. und 85. Gemeindeschule), die 1874-75 auf einem von der Schlesischen Straße bis zur Wrangelstraße reichenden Grundstück errichtet wurde. Die Entwürfe für beide Schulen lieferte die Berliner Stadtbauinspektion, deren Leitung erst wenige Jahre zuvor Hermann Blankenstein übernommen hatte. (1) Die Schulanlage umfasste neben dem Lehrerwohnhaus in der Schlesischen Straße ein weiteres baugleiches Lehrerwohnhaus an der Wrangelstraße, zwei Klassentrakte im Hofbereich sowie ein Toilettenhäuschen. Bis auf das Lehrerwohnhaus in der Schlesischen Straße sind jedoch alle Bauten im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1965 abgeräumt worden.

Die ebenso schlichte wie solide Gestaltungsweise des Hauses ist kennzeichnend für den Gemeindeschulbau der Zeit. Da es sich um keine höhere Schule handelte, schien jeder gestalterische Mehraufwand entbehrlich. Blankenstein und sein Mitarbeiter Mylius versahen den trutzig anmutenden Mauerwerksbau mit einer hellroten Klinkerfassade, in die in gleichmäßiger Reihung sechs Fensterachsen einschneiden. Gesimse in Sohlbankhöhe gliedern das dreigeschossige Gebäude. Während die Fenster segmentbogig abschließen, wird das rechts angeordnete Portal von einem Rundbogen überfangen. Hervorgehobene schmückende Elemente sind der Rosettenfries im Erdgeschoss und das aus Formsteinen gebildete Konsolgesims im Traufbereich. Die rückwärtige Front zeigt ein ähnlich nüchternes Erscheinungsbild, wenngleich das aus der Fassadenflucht tretende Treppenhaus für eine optische Belebung sorgt. Eigentümlich ist die leichte Schrägstellung der Straßenfront. Sie erklärt sich daraus, dass zu Beginn der 1870er Jahre die Baufluchtlinie noch nicht abgesteckt war. (2) So konnte das Gebäude im Gegensatz zu den später erstellten Nachbargebäuden auf streng rechteckigem Grundriss realisiert werden.

Das einstige Lehrerwohnhaus wird heute zusammen mit einem von Álvaro Siza Vieira entworfenen Nachbargebäude als Kindertagesstätte genutzt. (3) Im Lehrerwohnhaus wurden Gruppenräume der Kita untergebracht und in die Tordurchfahrt eine Treppe eingebaut, über die das hoch gelegene Erdgeschoss erreicht werden konnte. Der tief in das Grundstück reichende dreigeschossige Neubau in der Schlesischen Straße 3 übernahm vom Lehrerwohnhaus den hohen Ziegelsockel und die Geschosshöhen. Die weiße Putzfassade wird durch unterschiedliche Fensterformate belebt, die auf eine klassische Gliederung mit Haupt-, Normal- und Attikageschoss anspielen. Im Hof wurden bestehende Nebengebäude beibehalten, alte Mauern gesichert und ein Plateau mit einem schattenspendenden Rankgerüst für den Spielplatz der Kleinkindgruppe angelegt. Neben weiteren Gruppenräumen nahm der Neubau mit der Verwaltung, Waschräumen und der Großküche auch die Sonderfunktionen der Kita auf. Über einen Nebeneingang an der Hofzufahrt wird der Lieferverkehr abgewickelt. Das Foyer des Nebeneingangs und das anschließende Treppenhaus sind großzügig dimensioniert; über einen Lichtschacht in der Innenecke erhalten der Eingangsbereich und die Treppe zusätzliches Licht. Die Erschließung der Ebenen erfolgt über lange, hofseitig angelegte Flure, von denen aus die Gruppenräume erreichbar sind. Die Flure sind großzügig befenstert, unterschiedliche Fensterformen bringen Abwechslung und Bewegung in das Gebäude. Alle Gruppenräume haben große Fenster mit niedrigen Brüstungen. Den Gruppenräumen sind jeweils eigene Nebenräume zugeordnet, kleine Alkoven bieten Rückzugsräume für die Kinder.


(1) BusB V C, S. 339.

(2) BusB V C, S. 339.

(3) Bascón-Borgelt/Debold-Kritter/Ganssauge/Hartmann 1983, S. 99.

Literatur:
  • BusB V C 1991 / Seite 339
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 261