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Friedrichs-Realgynmasium & Leibnitz-Oberschule

Obj.-Dok.-Nr.: 09031229
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Schleiermacherstraße
Hausnummer: 23
Strasse: Mittenwalder Straße
Hausnummer: 37
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Schule & Lehrerwohnhaus & Rektorenwohnhaus
Datierung: 1904-1906
Umbau: 1955-1957
Entwurf: Hoffmann, Ludwig Ernst Emil (Architekt)
Bauherr: Stadtgemeinde Berlin

Mit seinem auffallenden Werksteindekor in italienischen Renaissanceformen behauptet sich das Friedrichs-Realgymnasium in der Schleiermacherstraße 23 und Mittenwalder Straße 37 im städtischen Kontext. (1) Das Gebäude zeigt beispielhaft den hohen architektonischen Anspruch, dem der kommunale Schulbau unter Stadtbaurat Ludwig Hoffmann zu Beginn des 20. Jahrhunderts verpflichtet war. Das Friedrichs-Realgymnasium, heute Leibniz-Gymnasium, wurde 1904-06 erbaut, wobei Hoffmann selbst für den Entwurf verantwortlich zeichnete. Die Ausführungsplanung übernahmen Magistratsbaurat Georg Matzdorff, Hoffmanns wichtigster Mitarbeiter, sowie der Magistratsarchitekt Romeyer. Für die Bildhauerarbeiten wurde Josef Rauch gewonnen, mit dem Hoffmann häufig zusammenarbeitete. (2) Als Baugrund stand ein großes Grundstück zur Verfügung, das von der Schleiermacherstraße durch den Baublock bis zur Mittenwalder Straße reicht. In seinen Lebenserinnerungen schrieb Hoffmann, dass ihm derartig zugeschnittene Baugelände entgegenkamen, da sich die Baukörper auf ihnen besonders gut gruppieren ließen. Der Stadtbaurat errichtete eine dreigeschossige Vierflügelanlage, die sich auf beiden Straßenseiten in den geschlossenen Blockrand eingliedert, zugleich aber durch eine individuelle Architektur von der umgebenden Mietshausbebauung abhebt. Der Ostflügel in der Schleiermacherstraße setzt sich als Lehrerwohnhaus fort, während im Westflügel an der Mittenwalder Straße Turnhalle und Aula untergebracht wurden. Die beiden straßenseitigen Flügel sind an den Grundstücksgrenzen durch schmale Seitenflügel verbunden, die Klassenräume aufnahmen. Unter bestmöglicher Ausnutzung des Baugrundes versuchte Hoffmann, der Schule, eine "intime, etwa an eine alte Klosteranlage erinnernde Stimmung zu geben". (3) Im Hofbereich zeigt sich diese Absicht insbesondere in dem anheimelnd wirkenden Laubengang. Das eigenwillige, mit Balustrade und Rundbögen ausstaffierte Architekturelement trennt die beiden Höfe voneinander und sorgt wie auch das weit heruntergezogene Dach des Lehrerhauses für ein malerisches Ambiente.

Den Westflügel in der Mittenwalder Straße überzog Hoffmann im Erdgeschoss mit einer imposanten Quaderarchitektur im Stil italienischer Renaissancepaläste. Trotz starker Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, die zum Verlust der beiden Obergeschosse führten, ist das markante Fassadenrelief mit den Rundbögen noch heute anschaulich zu erleben. Von dieser kraftvollen Architektur unterscheidet sich das Lehrerwohnhaus in der Schleiermacherstraße, das Hoffmann freundlicher gestaltete. Von den hellen Putzflächen hebt sich das sandsteinfarbene Relief der Portal- und Fensterrahmungen ab. Ungewöhnlich wirkt hier der weite Dachüberstand. Das Realgymnasium verfügte über zwanzig Klassenräume und enthielt zudem Kabinette für Physik und Chemie. Turnhalle, Aula und ein Turm mit Aussichtsplattform für astronomische und physikalische Versuche erweiterten das Raumprogramm. 1955-57 wurde der kriegszerstörte Westflügel in der Mittenwalder Straße in modernen Formen ergänzt. Auch in der Schleiermacherstraße entstand 1970-72 ein Ergänzungsbau.


(1) Neubauten der Stadt Berlin, Bd. 5, Berlin 1906, S. XX-XXII, Tafeln 42-50; BusB V C, S. 69, 75, 76, 359; Döhl 2004, S. 296-297.

(2) Ludwig Hoffmann und Josef Rauch gestalteten gemeinsam den Märchenbrunnen im Friedrichshain.

(3) Neubauten der Stadt Berlin, Bd. 5, Berlin 1906, S. XX.

Literatur:
  • BusB V C 1991 / Seite 76f., 359 (weitere Literatur siehe dort)
  • N.N./ Das Friedrichs-Realgymnasium in der Mittenwalderstrasse und der Schleiermacherstrasse zu Berlin in
    Blätter für Architektur und Kunsthandwerk 20 (1907) / Seite 13-14, 17
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 417 ff.