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Butzke-Werke

Obj.-Dok.-Nr.: 09031228
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Ritterstraße
Hausnummer: 26
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Industriehof & Etagenfabrik
Datierung: 1893-1894
Umbau: 1897-1898
Entwurf: Lewy, Georg (Architekt)
Bauherr: Joseph, Bernhard & Krause, Ludwig (Fabrikant & Kaufmann)

Nach Plänen des Architekten Georg Lewy entstanden in Berlin um 1900 zahlreiche, anspruchsvoll durchgestaltete Gewerbehöfe und Fabrikanlagen, so auch die Etagenfabrik Ritterstraße 26, die in zwei Bauabschnitten 1893-94 und 1897-98 realisiert wurde. (1) Bauherr war die Armaturenfabrik Bernhard Joseph AG, die den Fabrikkomplex nicht nur für eigene Zwecke nutzte, sondern auch an andere Gewerbetreibende vermietete. 1926 schloss sich die Armaturenfabrik mit der benachbarten, gleichfalls auf sanitärtechnische Erzeugnisse spezialisierte Firma F. Butzke & Co. zusammen. Das Unternehmen, seit 1977 AQUA-Butzke AG, produzierte bis 1997 am Standort in der Ritterstraße. Seit dem Umzug des Betriebs wird die Anlage durch verschiedene Gewerbetreibende genutzt.

Die fünfgeschossige Fabrik umsäumt als unregelmäßig ausgebildete Vierflügelanlage einen längsrechteckigen Hof. Die Fassaden erhielten in Teilen ein anspruchsvoll durchgestaltetes Sichtmauerwerk in Anlehnung an die mittelalterliche Backsteingotik. Da die Fabrik im Blockinnenbereich angeordnet war, konnte man sie von der Straße aus nicht sehen. Die Erschließung erfolgte über eine Durchfahrt, die sich in die um 1860 erbaute Mietshausbebauung einfügte. Um so mehr erstaunt deshalb die für ein Fabrikgebäude sehr aufwendige, sorgsam durchdachte Gestaltung der Fassaden. Dies trifft insbesondere auf die Südfassade zu, die heute nach Zerstörung und Abtragung der Mietshäuser von der Ritterstraße aus zu sehen ist. Die dreiachsige Front zeigt einen plastischen, reich detaillierten Aufbau. Über dem mit Naturstein verblendeten Erdgeschoss erheben sich vier mit Klinkern verkleidete Vollgeschosse. In der risalitartig vorgezogenen Mittelachse befindet sich ein Treppenhaus. Neben den sehr variablen Dekorformen und Materialien beleben vor allem die unterschiedlichsten Fensterformate und -arten bis hin zu Maßwerkfenstern das Fassadenbild. Stilistisch und in der Materialwahl sind die Fassaden des Innenhofs in vergleichbarer Weise gestaltet. Während die Erdgeschosse hier über fein ausgearbeitete Holzfenster belichtet werden, verfügen die Obergeschosse über kleinteilig gesprosste Stahlfenster. Der Fabrik liegt eine Mischkonstruktion mit massiv hochgeführten Außenwandscheiben zugrunde. Die Grundrisse wurden offen und weitgehend ohne aussteifende Wände angelegt. In den unteren Geschossen ruhen die Kappendecken auf Mauerpfeilern, im zweiten und dritten Obergeschoss auf gusseisernen Hohlstützen. Neben dem aufwendig gestalteten schmiedeeisernen Eingangstor ist auch die karge Originalausstattung im Gebäudeinnern zu wesentlichen Teilen noch erhalten, so die Geschosstüren aus gewelltem Stahlblech und baufeste Ausstattungsbestandteile der Treppenhäuser.


(1) BusB IX, S. 92; Hildebrandt/Lemburg/Wewel 1998, S. 124.

Literatur:
  • BusB IX 1971 / Seite 92
  • Hirschfeld/ Berlins Großindustrie 1, 1897 / Seite .
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 204 f.